Die belehrte Unwissenheit
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die belehrte Unwissenheit |
| Autor(en): | Nikolaus von Kues |
| Originaltitel: | De docta ignorantia |
| Originalsprache: | lateinisch |
| Erstveröffentlichung: | 1440 |
| Schlagwörter: | Unendlichkeit, Koinzidenz, Maximum, Wissen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Meiner |
| Serie: | Philosophische Bibliothek |
| Umfang dieser Ausgabe: | 232 Seiten |
| ISBN: | 9783787311583 |
| Verweise | |
Die belehrte Unwissenheit ist das 1440 abgeschlossene Hauptwerk von Nikolaus von Kues, in drei Büchern: Gott, Welt, Christus. Der lateinische Titel De docta ignorantia meint ein Wissen, das seine Grenze kennt und gerade darin weiterreicht als die Schulweisheit, die Endliches mit Endlichem misst. Cusanus schreibt als Jurist, Gesandter und Theologe auf der Schwelle zur Neuzeit: die Unendlichkeit Gottes sprengt die aristotelische Logik der Gegensätze. Die Infobox folgt der lateinisch-deutschen Meiner-Ausgabe des ersten Buchs; der Artikel gilt dem Werk in drei Büchern.
Inhalt
Cusanus setzt ein bei der Einsicht, dass das Endliche das Unendliche nicht proportional erreicht. Jede Vergleichung bleibt im Bereich des Mehr und Minder; Gott ist das absolute Maximum, über dem es kein Größeres gibt, und zugleich das Minimum, unter dem nichts Kleineres ist. Im Unendlichen fallen die Gegensätze zusammen: Maximum und Minimum, Gerade und Krummes, wenn der Kreis unendlich wird. Das ist keine Spielerei der Geometrie, sondern die Lehre, dass unsere Begriffe, die durch Gegensatz schneiden, vor Gott versagen. Belehrte Unwissenheit heißt: wissen, dass man Gott nicht weiß, und dieses Nichtwissen als die angemessene Weise der Annäherung nehmen. Die affirmative Theologie nennt Namen; die negative streicht sie; Cusanus geht darüber hinaus zur Koinzidenz, in der die gestrichenen Namen in Gott eins sind.
Das zweite Buch wendet das auf die Welt. Das Universum ist ein entfaltetes Maximum, nicht selbst Gott, aber ohne festen Mittelpunkt und ohne abschließende Schale: jede Richtung kann Mitte sein, weil nur das Absolute unendlich im strengen Sinn ist. Die Erde ist ein edler Stern unter Sternen, nicht der Abhub der Welt. Bewegung, Zahl, die Teilhabe der Dinge an Gott als Zusammenfaltung und Entfaltung: Cusanus denkt die Schöpfung nicht als Abstand einer Leiter, die man hinaufsteigt, sondern als Explikation dessen, was in Gott einfaltet ist. Das dritte Buch bindet die Spekulation an Christus. Der Mensch ist das Mittelwesen, das Sinnliches und Geistiges knüpft; in der Menschwerdung fällt das Absolute mit der Natur zusammen, ohne die Natur zu verschlingen. Christus ist das konkrete Maximum, an dem die belehrte Unwissenheit nicht Theorie bleibt.
Die Form ist spekulativ und bilderreich. Mathematische Gleichnisse – Kreis, Vieleck, das sich dem Kreis nähert, ohne ihn zu erreichen – tragen, was die Satzlogik nicht darf. Cusanus kennt die Scholastik und überschreitet sie, ohne sie zu verhöhnen. Wer nur die Unendlichkeit des Alls herausliest, macht ihn zum Vorläufer der neuen Astronomie und verfehlt die theologische Mitte. Wer nur die Mystik herausliest, verfehlt die Strenge, mit der hier die Grenze des Verstandes argumentiert, nicht erfühlt wird. Der Ton ist ruhig, oft hymnisch, wo das Maximum zur Anrede wird. Die belehrte Unwissenheit ist Demut und Anspruch zugleich: Demut vor dem Unendlichen, Anspruch, dass der Verstand diese Demut begründen kann.
Einordnung
Cusanus steht zwischen der Koinzidenz, die Plotin in den Enneaden als Schau des Einen suchte, und der neuzeitlichen Unendlichkeit der Welt. Anselm von Canterbury hatte im Proslogion das, worüber hinaus Größeres nicht gedacht werden kann; Cusanus macht daraus Maximum und Minimum in einem. Thomas von Aquin hält in der Summa theologica analoges Reden und die Unterscheidung der Gegensätze; Cusanus lässt sie in Gott zusammenfallen. Giordano Bruno wird die unendliche Welt radikaler nehmen; Immanuel Kant zieht in der Kritik der reinen Vernunft der Metaphysik des Unendlichen eine andere Grenze. Wer nach dem Mittelalter über Unendlichkeit, Mitte der Welt und das Scheitern der Schulbegriffe vor Gott spricht, spricht hinter diesem Band.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
