Die Wörter

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Wörter
Autor(en): Jean-Paul Sartre
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Rowohlt
Serie:
Erscheinungsjahr: 1964
Seitenanzahl: 172 Seiten
Originaltitel: Les Mots
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3499110008
ISBN-13/

EAN-Code:

9783499110009
Schlagwörter: Kindheit, Lesen, Schreiben, Großvater
Sachgebiete: Sachbuch, Essay
Rezensionen
Umschlag

Die Wörter (französisch Les Mots) ist die Kindheitserinnerung von Jean-Paul Sartre, 1964 bei Gallimard erschienen, im selben Jahr, in dem er den Nobelpreis ablehnte. Das Buch erzählt nicht das Leben des Philosophen, sondern die Erfindung eines Kindes, das sich aus Büchern ein Schicksal baut, weil der Vater früh starb und die Mutter mit ihm ins Haus des Großvaters zog. Zwei Teile, »Lesen« und »Schreiben«: erst die Welt als bedrucktes Papier, dann der Entschluss, selbst ein Buch zu werden. Sartre hat die Ontologie aus Das Sein und das Nichts hier nicht wiederholt; er hat gezeigt, wie ein Junge lernt, zu fehlen und das Fehlen mit Sätzen zu stopfen.

Inhalt

Der Vater Jean-Baptiste stirbt, bevor der Sohn ihn als Gesetz braucht. Anne-Marie kehrt mit dem Kind ins Haus der Schweitzer zurück, nach Meudon, später Paris, und der Großvater Charles – Elsässer, Deutschlehrer, Onkel Albert Schweitzers – macht aus dem Enkel ein Wunderkind der Sprache. Sartre beschreibt das ohne Rührung: Der alte Mann braucht ein Publikum, die Mutter bleibt Tochter, der Junge spielt den Erben, den niemand gezeugt hat, damit er das Haus zusammenhält. Die Bücherwand ist die eigentliche Herkunft. Lesen heißt zuerst, Helden nachahmen, die schon gedruckt sind; die Wirklichkeit der Straße reicht an die Abenteuer nicht heran. Sartre nennt das Kind einen Betrüger – nicht weil es lügt, sondern weil es die Geste des Helden stiehlt, ohne den Preis zu zahlen.

Im zweiten Teil wird aus dem Leser ein Schreiber. Der Junge verfasst Heftromane, rettet Jungfrauen, fällt im letzten Satz, und das Schreiben ist die Probe, ob das gestohlene Leben sich in ein eigenes verwandeln lässt. Sartre zerlegt die Berufung, ohne sie zu schonen: Der Entschluss, Schriftsteller zu werden, ist eine Antwort auf die Leere, die der tote Vater hinterlassen hat, und auf die Rolle, die der Großvater dem Enkel zugeschrieben hat. Die Wörter sind Rettung und Falle. Sie geben dem Kind eine Notwendigkeit, die das Dasein nicht hat – genau die Unaufrichtigkeit, die das philosophische Werk später als Flucht ins Ding beschreiben wird. Zugleich bleibt die Zärtlichkeit für die Mutter, die zwischen Vaterhaus und Sohn keinen Ort hat, und der Spott auf das bürgerliche Wunderkind, das man ihm angezogen hat.

Das Buch endet nicht mit der Reife. Es endet, wo die Kindheit die Literatur als Schicksal eingesetzt hat und der Erwachsene diesen Einsatz durchschaut, ohne ihn ungeschehen machen zu können. Sartre schreibt gegen die Memoiren, die aus dem Ich einen Helden der Laufbahn machen. Er schreibt eine Abrechnung mit dem eigenen Mythos: dass man zum Schreiben geboren sei, dass die Herkunft eine Weihe sei, dass der Enkel des Lehrers die Sprache besitze. 1964, nach dem Ruhm, nach der Partei, nach dem Streit um Engagement, setzt er die Kindheit als Urszene einer Freiheit, die sich ihre Ausreden selbst gebaut hat. Der Nobelpreis, im selben Jahr verweigert, gehört zur Geste des Buchs: keine Krone auf eine Berufung, die das Buch gerade als Erfindung entlarvt.

Einordnung

Neben Der Ekel und dem Traktat Das Sein und das Nichts ist Die Wörter das dritte Eingangstor zu Sartre: nicht die Übelkeit der Dinge, nicht die Ontologie des Für-sich, sondern die Herkunft des Mannes, der beides geschrieben hat. Die französische Memoirenliteratur – von Rousseau bis zu Simone de Beauvoirs Memoiren einer Tochter aus gutem Hause – hat hier einen späten, kalten Verwandten: weniger Beichte als Demontage. Wer Sartre nur als Kellerphilosophen der Freiheit kennt, findet in diesem schmalen Band die bürgerliche Kinderstube, ohne die der Jargon leer bliebe. Die Ablehnung des Nobelpreises hat das Buch zum öffentlichen Widerruf gemacht; es ist genauer, es als Widerruf der eigenen Legende zu lesen. Geblieben sind Sätze, in denen ein Kind die Wörter für die Welt nimmt und ein Erwachsener das nicht mehr kann – und trotzdem weiterschreibt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.