Die Stunde des Sterns
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Stunde des Sterns |
| Autor(en): | Clarice Lispector |
| Originaltitel: | A hora da estrela |
| Originalsprache: | portugiesisch |
| Erstveröffentlichung: | 1977 |
| Schlagwörter: | Nordeste, Armut, Rio de Janeiro, Erzähler |
| Sachgebiete: | Roman |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 96 Seiten |
| ISBN: | 9783518422311 |
| Verweise | |
Die Stunde des Sterns ist der letzte zu Lebzeiten vollendete Roman von Clarice Lispector, 1977 in Brasilien erschienen, wenige Wochen vor ihrem Tod. Ein männlicher Erzähler namens Rodrigo S. M. versucht, das Leben der nordöstlichen Schreibkraft Macabéa in Rio de Janeiro zu erzählen, und scheitert an der Armut, die keine Innerlichkeit im Sinne der gebildeten Literatur hat. Das Buch ist schmal und hart: ein Mädchen aus Alagoas, das Coca-Cola trinkt, schlecht tippt, an einen windigen Olímpico gerät und bei einer Wahrsagerin erfährt, sie werde glücklich sein – unmittelbar bevor ein Auto sie tötet. Die deutsche Übersetzung von Sarita Brandt erschien bei Suhrkamp. Lispector, in der Ukraine geboren und in Recife und Rio zu Hause, hat hier die eigene Kunst gegen ein Leben gestellt, das diese Kunst nicht braucht.
Inhalt
Rodrigo S. M. kündigt an, er werde eine Geschichte schreiben, die ihm nicht gehört. Er ist ein Mann mit Zeit, Macabéa eine Frau ohne Eigenschaften, die die Literatur gewöhnlich übersieht. Sie kommt aus dem Nordosten, wohnt in einem Zimmer mit anderen Mädchen, arbeitet als Tippse, isst Würstchen vom Stand, hört Radio, kennt den eigenen Körper kaum. Lispector lässt den Erzähler immer wieder eingreifen: Er schämt sich, er philosophieren, er fürchtet, Macabéa zu erfinden, statt sie zu sehen. Die Armut ist nicht pittoresk. Sie ist die Abwesenheit von Spielraum. Macabéa weiß nicht, dass sie unglücklich ist, und das macht den Erzähler noch unruhiger als ein bewusstes Elend.
Olímpico de Jesus, ebenfalls vom Land, Arbeiter mit Aufstiegsfantasien, geht mit ihr, solange sie nichts kostet, und verlässt sie für Glória, die Kollegin mit Kurven und Verwandtschaft. Macabéa bleibt höflich. Sie geht zur Ärztin, die sie anfahren, weil das Mädchen nichts von sich weiß; sie geht zur Wahrsagerin Carlota, die ihr eine Zukunft aus Mann, Haus und Glück legt. Rodrigo kündigt den Tod an, bevor er eintritt, weil er die Leser nicht mit Hoffnung täuschen will, die das Buch nicht einlösen kann. Die Stunde des Sterns ist der Augenblick, in dem Macabéa, vom Mercedes erfasst, zum ersten Mal im Mittelpunkt steht: als Unfall, als Schlagzeile, als Figur, die der Erzähler endlich hat.
Sie stirbt auf der Straße, und Rodrigo weiß nicht, ob er weinen oder aufhören soll zu schreiben. Das Mädchen hat keine letzte Erkenntnis. Es hat ein Röcheln und die Frage, ob das nun das Leben war. Lispector verweigert die soziale Anklage als Predigt und die Metaphysik als Trost. Was bleibt, ist die Reibung: ein gebildeter Mann, der eine Stimme sucht, und ein Leben, das keine Metapher sein will. Macabéa heißt nach den makkabäischen Brüdern, ohne dass sie den Namen verstünde. Der Stern im Titel ist Ruhm, Film, Schicksal und der Glanz, den die Armut nicht abbekommt, außer in der Sekunde des Todes.
Einordnung
Lispector hat die brasilianische Moderne, die oft das Innere der privilegierten Frau ausleuchtete, auf eine Figur angewandt, der dieses Innere sozial verweigert wird. Neben Machado de Assis' Ironie und Guimarães Rosas Sprachgewalt des Hinterlands steht dieses letzte Buch als urbanes Gegenstück: Rio, die Tippse, der Erzähler, der sich selbst nicht traut. Suzana Amarals Verfilmung von 1985 hat Macabéa ein Gesicht gegeben und die Erzählerfrage verdünnt. Wer Lispector nur als Mystikerin der Weiblichkeit liest, hat dieses Mädchen nicht gesehen. Wer nur die Armut als Thema nimmt, hat Rodrigo nicht gehört, der das Schreiben als Schuld vorträgt. Die Stunde des Sterns ist kurz; sie reicht, um die brasilianische Literatur an ihre Dienstmädchen zu erinnern.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
