Die Street Corner Society

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William Foote Whyte · 1943 · Sachbuch, Soziologie
Das Werk
Deutscher Titel: Die Street Corner Society
Autor(en): William Foote Whyte
Originaltitel: Street Corner Society
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1943
Schlagwörter: Feldforschung, Bande, Viertel, Aufstieg
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: de Gruyter
Serie: Materiale Soziologie
Umfang dieser Ausgabe: 386 Seiten
ISBN: 9783110122596
Verweise
Umschlag

Die Street Corner Society. Die Sozialstruktur eines Italienerviertels ist die 1943 an der University of Chicago Press erschienene Fallstudie von William Foote Whyte. Reinhard Blomert und Joachim Kalka haben sie 1996 bei de Gruyter ins Deutsche gebracht. Whyte lebte dreieinhalb Jahre im Bostoner North End, das damals von italienischen Einwanderern der ersten und zweiten Generation bewohnt war, davon achtzehn Monate in einer italienischen Familie. Das Viertel galt als unsicher; die Bewohner standen unter dem Verdacht, dem faschistischen Italien nahezustehen. Whyte zeigt, dass ein armes Viertel nicht sozial gestaltlos ist. Die Studie gilt als Muster der teilnehmenden Beobachtung und als stadtsoziologisches Gegenstück zu Bronisław Malinowskis Argonauten des westlichen Pazifik.

Inhalt

Whyte schreibt gegen das Bild des Elendsviertels als Ort der Unordnung, in dem nur Verfall und Kriminalität zu finden seien. Er nennt das untersuchte Gebiet Cornerville und folgt den Compaesani, Menschen aus derselben italienischen Herkunftsgegend, die ihre lokale Kultur mitgebracht haben. Im Viertel gibt es Hierarchien, Loyalitäten und Laufbahnen, die dem Außenstehenden unsichtbar bleiben, weil er nur die Armut sieht. Die Feldforschung besteht darin, sich von einem Vertrauensmann einführen zu lassen und lange genug dazuzugehören, um die ungeschriebenen Regeln zu lernen. Whyte besteht darauf, dass die soziale Welt der Straßecke ebenso strukturiert ist wie die der Universität, nur nach anderen Maßen.

Der erste Teil gilt den Banden. Whyte unterscheidet die corner boys, die Straßenjungen der Ecke, deren Leben um bestimmte Kreuzungen und Kneipen kreist, von den college boys, den Bildungsaufsteigern, die Schule und Beruf als Ausweg suchen. An Doc und seiner Gruppe zeigt er, wie Rang, Gefälligkeit und sportlicher Wettkampf eine feste Ordnung erzeugen; an Chick und seinem Club die andere Strategie des Aufstiegs durch Verein und Bildung. Der zweite Teil verknüpft diese Gefüge mit der örtlichen Politik und dem organisierten Verbrechen. Schutzgeld, Patronage und Wahlstimmen sind keine Abweichung vom sozialen Leben, sondern eine seiner Sprachen. Wer im Viertel gelten will, bewegt sich in diesem Netz; wer herauswill, zahlt den Preis der Entfremdung von der Ecke.

Unsicher wird die Studie, wo die Nähe zum Feld die Distanz gefährdet. Whyte hat später in einem ausführlichen Anhang beschrieben, wie das Buch entstand, und auf Einwände gegen Gültigkeit und Deutung seiner Daten geantwortet. Der Ton ist der des Beobachters, der Personen Namen und Stimme gibt, ohne sie zu Typen einer Theorie zu machen. Die Gegenposition der älteren Stadtforschung, Armut sei Unordnung, wird nicht widerlegt, indem Whyte die Kriminalität leugnet, sondern indem er ihre Einbettung zeigt. Cornerville bleibt ein Viertel mit Gewalt und illegalen Geschäften; es ist trotzdem eine Gesellschaft mit Regeln. Das Buch ist lang in der Geduld, knapp in der Moral.

Einordnung

Seit 1943 ist die Studie das Lehrstück der amerikanischen Feldforschung in der Stadt. Generationen von Soziologen haben an ihr gelernt, dass man ein Viertel nicht von der Statistik allein versteht. Rolf Lindner hat Whyte in die Geschichte der Stadtforschung gestellt; die Chicagoer Schule hat in diesem Buch eines ihrer anschaulichsten Ergebnisse. Nachbarschaft hat es zu Malinowskis Inselethnographie, nur dass hier die „Fremden“ Einwanderer in einer amerikanischen Großstadt sind. Das Missverständnis der späteren Leser war, die Bandenromantik für das Ganze zu nehmen oder Whytes Methode als Allzweckschlüssel jeder Armut zu missbrauchen.

Geblieben ist der Satz, dass ein armes Viertel eine Sozialstruktur hat, bevor es ein Problem ist. Wer nach 1943 über Jugendbanden, Patronage und den Preis des Aufstiegs spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es. Die deutsche Ausgabe hat den Anhang zur Entstehung mitgeliefert; er ist selbst ein Klassiker der Methodenehrlichkeit geworden. Whyte hat Cornerville nicht gerettet und nicht verklärt; er hat es lesbar gemacht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.