Die Morgenlandfahrt

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Morgenlandfahrt
Autor(en): Hermann Hesse
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1932
Seitenanzahl: 103 Seiten
Originaltitel: Die Morgenlandfahrt
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518372505
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518372500
Schlagwörter: Bund, Suche, Dienst, Erinnerung
Sachgebiete: Erzählung
Rezensionen
Umschlag

Die Morgenlandfahrt ist die 1932 bei S. Fischer erschienene Erzählung von Hermann Hesse, ein schmales Buch nach Narziß und Goldmund und vor dem späteren Das Glasperlenspiel. Ein Violinspieler namens H. H. berichtet von einem Geheimbund, der nach dem Ersten Weltkrieg nach Osten zog, in ein geistiges Morgenland, das Schwaben, Damaskus und das zehnte Jahrhundert zugleich ist. Hesse schrieb den Text nach Augenoperationen in einem verdunkelten Zimmer, gewidmet dem Gönner Hans Conrad Bodmer. Alfred Kubin gestaltete den Umschlag. Es ist keine Reisebeschreibung und kein Schlüsselroman, den man auf eine Lehre bringen könnte, sondern die Geschichte eines Abfalls und einer Wiederaufnahme.

Inhalt

Der Erzähler H. H. erinnert die Jugend im Bund vom Hohen Stuhl. Man zog mit Bundesring, Andachten und privaten Wünschen – der seine war, die Prinzessin Fatme zu sehen – durch ein Land voll Heilanden und Propheten. Unterwegs begegnen sie Parzival und Sancho Pansa, Paul Klee und Hesses eigener Figur Klingsor, nächtigen im Mittelalter, feiern in Bremgarten ein Fest, auf dem erfundene Gestalten lebendiger wirken als ihre Verfasser. Der unscheinbare Diener Leo gewinnt Menschen und Tiere; er spricht das Gesetz vom Dienen: Wer herrschen will, lebt nicht lange. In der Schlucht von Morbio Inferiore verschwindet Leo mitsamt dem Rucksack, in dem die anderen den Bundesbrief vermuten. Der Zug zerfällt. H. H. kann die Geschichte nicht zu Ende erzählen; ihm fehlt die Mitte der Ereignisse.

Jahre später, vereinsamt, die Geige verkauft, sucht er den Bund zu beschreiben, als wäre er Vergangenheit. Der Zeitungsredakteur Lukas behandelt das Unternehmen als vergessene Nachkriegsmode, hilft aber, einen Andreas Leo am Seilergraben zu finden. H. H. trifft den Diener wieder, der ihn nicht kennen will; der Hund knurrt. Ein Brief der Reue holt Leo in die Wohnung. Der Bund lebt; H. H. wird auf Umwegen in den Bundessaal geführt, vor die Oberen, als Selbstankläger. Man wirft ihm Untreue vor und die Anmaßung, die Geschichte des Bundes schreiben zu wollen. Das Archiv steht ihm offen: Millionen Schriften, sein eigenes fragmentarisches Manuskript, der vermisste Bundesbrief. Er begreift, dass er kein Tausendstel entziffern kann.

Das Urteil verkündet der Oberste der Oberen: Leo selbst. H. H.s Abfall war Prüfung und Verzweiflung, ohne die niemand erwacht. Er erhält den Ring zurück und darf, unter der Bedingung, das Archiv über die eigene Person zu befragen, in den Kreis der Oberen. Dort findet er, dass nicht Leo in Morbio fahnenflüchtig wurde, sondern er selbst – und eine Doppelskulptur, Leo und den Dichter, in der die Kraft vom Schöpfer zum Geschöpf fließt, jenen welk, diesen lebendig. Die Erzählung endet mit dieser Einsicht, nicht mit einer neuen Fahrt. Das Morgenland war nie ein Ort auf der Karte. Es war die Gemeinschaft der Dienenden, aus der H. H. gefallen war, indem er sich für ihren Geschichtsschreiber hielt.

Einordnung

Hesse hat die Erzählung als Buch über die Vereinsamung des geistigen Menschen und die Sehnsucht, einem überpersönlichen Ganzen zu dienen, bezeichnet. Hinter Leo steht der Freund Gusto Gräser, hinter dem Bund Monte Verità und die wandernden Jugendzüge nach 1918; die Morgenlandfahrt ist auch eine Beichte an den verlassenen Lehrer. Motivisch knüpft sie an Orientreise, Artusbund und Freimaurerzeremoniell an und bereitet den Orden von Kastalien im Glasperlenspiel vor. Die Sprache ist leichter als in Siddhartha, märchenhaft, voller Namen, die nicht erklärt sein wollen. Hesse riet einer Leserin, die Bilder zu schlucken, nicht zu deuten.

Wer Hesse nur als Autor der Selbstfindung kennt, findet hier die Gegenprobe: Die Reise nach innen führt vor ein Gericht, das den Virtuosen beschämt. Neben Demian ist die Morgenlandfahrt das Bundesbuch, schmaler und später, ohne gnostischen Pomp. Suhrkamp hält sie als Taschenbuch im Programm, hundert Seiten, in denen ein ganzes Leben als Verrat und Wiederkehr Platz hat. Leo wächst. Der Dichter nimmt ab. Das ist die Poetik, nicht die Moral.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.