Die Konstitution der Gesellschaft

Anthony Giddens · 1984 · Sachbuch, Soziologie
Gesellschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Die Konstitution der Gesellschaft
Autor(en): Anthony Giddens
Originaltitel: The Constitution of Society. Outline of the Theory of Structuration
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1984
Schlagwörter: Strukturierung, Handeln, Regel, Raum
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Campus


Umfang dieser Ausgabe: 460 Seiten
ISBN: 9783593337463
Verweise


Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung ist die 1984 erschienene, 1988 bei Campus deutsch vorgelegte Summe von Anthony Giddens. Giddens, britischer Theoretiker, später öffentlicher Soziologe der Mitte, will den Streit zwischen Handeln und System beenden, ohne einen der Pole zu opfern. Strukturierung heißt: Strukturen existieren nur im Vollzug und als Erinnerung an Vollzüge; Handelnde erzeugen sie, indem sie sie voraussetzen.

Inhalt

Giddens setzt gegen Parsons’ System und gegen den bloßen Individualismus dieselbe Figur: die Dualität der Struktur. Regeln und Ressourcen ermöglichen Handeln und beschränken es; wer spricht, benutzt eine Sprache, die er nicht erfunden hat, und verändert sie, indem er spricht. Handeln ist nicht Absicht allein – vieles geschieht als unbeabsichtigte Folge –, und Struktur ist nicht ein Gerüst außerhalb der Zeit. Zeit und Raum werden ernst genommen: Gesellschaften existieren in Routinen des Tages, in Wegen, in Anwesenheit und Abwesenheit, nicht nur in Werten, die irgendwo gelten. Macht ist mit im Begriff der Ressource, nicht erst als Störung der Integration.

Das Buch klärt, grenzt ab, baut ein Vokabular: diskursives und praktisches Bewusstsein, Routine, regionale Gliederung des Alltags, die Kritik an der Zunft, die entweder den Handelnden als Marionette oder als Souverän denkt. Giddens liest Marx, Weber, Durkheim, Goffman, die Geographie, die Zeittheorie, und er will eine Sozialtheorie, die empirische Forschung anleiten kann, ohne sie zu ersticken. Der Ton ist schulmäßig klar, oft umständlich, ohne Bourdieus Polemik. Wo Bourdieu den Habitus in den Körper legt, legt Giddens die Struktur in die Praxis und in die Erinnerung der Praxis. Beide zielen auf dasselbe Loch in der Theorie; sie füllen es verschieden.

Unsicher ist die Versöhnung. Dualität kann zur Formel werden, die jeden Fall erklärt, weil nichts ausgeschlossen ist. Die Kritik hat Giddens vorgeworfen, Macht zu weich, Klasse zu blass, den Staat zu zahm zu denken – Vorwürfe, die sein späteres politisches Schreiben nicht entkräftet hat. Dennoch bleibt 1984 das Referenzwerk der Strukturierungstheorie, das Lehrpläne füllte, als System und Alltag sich unversöhnlich gegenüberstanden. Wer nur den späten Giddens der neuen Mitte kennt, unterschlägt die Theorie, die jenes Reden tragen sollte. Wer nur Theorie kennt, unterschlägt, dass Konstitution hier wörtlich gemeint ist: Gesellschaft besteht, indem sie vollzogen wird.

Einordnung

Neben Bourdieus Sozialer Sinn und gegen Parsons’ System steht dieses Buch als der britische Versuch, Handeln und Struktur in einem Atemzug zu halten. Es hat der Soziologie der achtziger Jahre das Wort Strukturierung gegeben. Wer Gesellschaft nur als System oder nur als Summe von Entschlüssen kennt, trifft hier die Behauptung, dass beides derselbe Vorgang ist – mit allen Glätten, die solche Behauptungen riskieren.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.