Sozialer Sinn

Pierre Bourdieu · 1980 · Sachbuch, Soziologie
Gesellschaft
Das Werk
Deutscher Titel: Sozialer Sinn
Autor(en): Pierre Bourdieu
Originaltitel: Le Sens pratique
Originalsprache: französisch
Erstveröffentlichung: 1980
Schlagwörter: Habitus, Praxis, Doxa, Kabylei
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: suhrkamp taschenbuch wissenschaft
Umfang dieser Ausgabe: 490 Seiten
ISBN: 9783518286302
Verweise


Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft ist die 1980 erschienene, 1987 bei Suhrkamp deutsch vorgelegte Praxistheorie von Pierre Bourdieu. Nach dem Entwurf einer Theorie der Praxis und vor den feinen Unterschieden setzt das Buch auseinander, was Handelnde können, ohne es als Regel zu wissen: Habitus, praktischer Sinn, das Selbstverständliche einer Welt, die sich als Natur gibt. Die Kabylei bleibt das Feld, an dem Bourdieu gelernt hat; Frankreich ist schon der Zielpunkt.

Inhalt

Bourdieu schreibt gegen zwei Bequemlichkeiten. Der Objektivismus – Lévi-Strauss, der strukturalistische Blick von außen – macht aus Praxis ein Regelwerk, das niemand so spielt. Der Subjektivismus – die Phänomenologie des gemeinten Sinns – nimmt die Erfahrung ernst und vergisst, dass sie erzeugt ist. Dazwischen steht der Habitus: einverleibte Geschichte, System von Dispositionen, das Zwecke erzeugt, als wären sie frei gewählt. Der soziale Sinn ist nicht Meinung; er ist das Gespür für den nächsten Zug, das der Spieler hat, ohne die Theorie des Spiels zu besitzen. Doxa ist die Welt, in der Fragen nicht entstehen, weil die Ordnung im Körper sitzt.

Die Kapitel führen durch Ehre, Zeit, Haus, den kalendarischen Ritus der Kabylen, durch Gabe und Gegen-Gabe, durch den Gelehrten, der seine Muße zur Theorie der Welt macht und darüber die Eile der Praxis vergisst. Theorie hat eine soziale Lage: Wer nicht pflügen muss, denkt Regeln. Bourdieu kehrt das nicht in Antiintellektualismus; er verlangt, die eigene Stellung mitzudenken. Strategie ist bei ihm kein zynischer Plan, sondern das, was der Habitus an Passung leistet, auch im Misslingen. Die Kritik der theoretischen Vernunft ist eine Kritik des scholastischen Blicks, nicht der Vernunft.

Unsicher ist der Determinismus, den der Habitus riskiert. Wenn alles Disposition ist, wo bleibt der Bruch? Bourdieu hat später die Reflexivität, die politische Intervention, die »männliche Herrschaft« nachgeschoben; in Sozialer Sinn überwiegt die Geschlossenheit der praktischen Welt. Die Kabylei als Grundmodell kann das französische Bürgertum erhellen und es ethnologisch fremd machen. Wer nur die feinen Unterschiede kennt, trifft hier die Theorie, die jenen Geschmack trägt. Wer nur den Distinktionsfeuilletonisten kennt, trifft die harte Arbeit an Praxis, Zeit und Gabe.

Einordnung

Das Buch hat der Kultursoziologie das Organon gegeben, das die feinen Unterschiede anwenden. Es steht zwischen Strukturalismus und Phänomenologie als dritte Bahn und hat Habitus zum Arbeitswort gemacht, das oft als Etikett endet. Wer Praxis nur als Anwendung von Regeln kennt, hat diese Kritik der theoretischen Vernunft nicht gelesen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.