Die Jugend des Königs Henri Quatre

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Heinrich Mann · 1935 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Die Jugend des Königs Henri Quatre
Autor(en): Heinrich Mann
Originaltitel: Die Jugend des Königs Henri Quatre
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1935
Schlagwörter: Navarra, Religionskrieg, Humanismus, Exil
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 676 Seiten
ISBN: 9783596901517
Verweise
Umschlag

Die Jugend des Königs Henri Quatre ist der 1935 im französischen Exil erschienene erste Band von Heinrich Manns Doppelroman über Heinrich von Navarra, den späteren Henri IV. von Frankreich. 1938 folgte Die Vollendung des Königs Henri Quatre. Mann, der nach 1933 Deutschland verlassen hatte, schreibt gegen das Reich, das ihn vertrieben hat, indem er einen König erzählt, den Unglück zum Denken erzogen hat und der reiten und zuschlagen gelernt hat. Der Stoff ist das sechzehnte Jahrhundert, die Bartholomäusnacht, die Religionskriege; die Adresse ist das zwanzigste. An entscheidenden Stellen setzt Mann französische Moralités, knappe Summen in der Sprache des Gastlands. Der Roman ist eine Liebeserklärung an Frankreich und ein Gegenbild zum wilhelminischen Deutschen, den Mann dreißig Jahre zuvor im Der Untertan und im Professor Unrat seziert hatte.

Inhalt

Henri wächst in Navarra auf, zwischen einem protestantischen Vaterreich und einer Mutter, Jeanne d’Albret, die den Glauben als Pflicht versteht. Der Knabe lernt früh, dass Konfession töten kann und dass der Hof ein Theater ist, in dem man überlebt, wenn man spielt. Nach Paris gerufen, zwischen Katharina von Medici und den Führern der Liga, wird er Geisel und Bräutigam: Die Hochzeit mit Margot, der Königstochter, soll die Parteien einen. Stattdessen folgt die Bartholomäusnacht. Henri sieht Freunde sterben, muss die Messe hören, um selbst nicht zu sterben, und begreift, dass Überleben hier ein Wechsel der Maske ist, kein Verrat an einem Inneren, das erst noch werden muss. Mann erzählt die Nacht nicht als Tableau des Grauens allein, sondern als Schule: Wer so etwas gesehen hat, darf später nicht mehr an die Allmacht einer einzigen Wahrheit glauben.

Es folgen Flucht, Rückkehr, Feldzüge, Mätressen, Hunger, Witz. Henri lernt von Mornay, dass Erkenntnis ein Licht ist und von Schurken nicht geteilt wird; er lernt von Soldaten, dass der Verstand ohne den Hieb nichts gilt. Der Herzog von Guise reitet in Paris ein, und die Menge küsst die Stiefel, die vom Pferd hängen – Mann braucht für den Charakter des Mannes und seiner Politik diesen einen Satz. Henri wechselt den Glauben, nicht aus Schwäche, sondern weil ein König, der nur eine Partei ist, Frankreich nicht zusammenhalten kann. Die Jugend des Titels reicht bis an die Schwelle der Herrschaft: Noch ist er nicht der Mann des Edikts von Nantes, aber er ist schon der, der Völker leben lassen will, statt sie im Bauch einer universalen Macht zu verdauen.

Neben Henri stehen Figuren, die ihn beleuchten, ohne ihn zu entlasten. Er liebt, irrt, lässt sich gehen, denkt zu spät und schlägt genau. Mann zeichnet keinen Heiligen und keinen Machtmenschen vom Typ Diederich Heßling. Henri bleibt ein Lernender, dem die fleischliche Liebe ebenso ernst ist wie die Schlacht, das Essen ebenso wie die Unterredung. Die zweite Zeitebene der Aufklärung scheint in Reden von Vernunft und Menschlichkeit durch; die dritte, das Exil, in Szenen, in denen furchtbare Nachrichten hundert Meilen weiter nur noch wie eine Erfindung klingen, die besser sein könnte. Der Band endet nicht mit der Krone als Lohn, sondern mit einem Mann, der bereit ist, sie zu tragen, ohne die Lehre der Nacht zu vergessen.

Einordnung

Heinrich Mann hat in Professor Unrat den Tyrannen der Kleinstadt als Farce gestürzt und im Der Untertan den Kaiserreichsdeutschen als Satire festgehalten. Die Jugend des Königs Henri Quatre kehrt das Verfahren um: Statt des negativen Typus ein positiver, statt der wilhelminischen Kaserne des Geistes ein König, der Humanist sein will und Reiter bleiben muss. Die Kritik hat die Bände als Romane eines Volksführers gelesen, der Gerechtigkeit dient; sie hat auch das Pittoreske und die Überzeichnung bemerkt, das Kaleidoskop, in dem Nietzsche und Kant, Renaissance und Aufklärung, 1572 und 1933 ineinanderliegen. Die Moralités auf Französisch sind keine Zier. Sie markieren den Ort, von dem aus ein deutscher Schriftsteller auf Deutsch über Frankreich schreibt, weil Deutschland ihm die Sprache als Heimat genommen hat.

Der zweite Band vollendet, was der erste anlegt: Herrschaft, Edikt, Attentat. Wer nur die Jugend liest, hat den Lernenden, noch nicht den König, der Paragraphen braucht und Rechnungen. Gegenüber den historischen Kostümromanen des neunzehnten Jahrhunderts, auch gegenüber Dumas, dessen Henri-Stoff die Abenteuerseite kennt, bleibt Mann ein Moralist der Vernunft, der die Bartholomäusnacht nicht ausschlachtet, sondern als Probe auf die Menschlichkeit setzt. Das Exil hat das Buch nicht zum Pamphlet gemacht. Es hat ihm die Dringlichkeit gegeben, mit der ein Vertriebener erzählt, dass das Böse überwunden werden kann – nicht durch Reinheit, sondern durch Köpfe, die reiten gelernt haben.

Ideen

Jugend

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.