Die Gabe

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Gabe
Autor(en): Marcel Mauss
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1925
Seitenanzahl: 207 Seiten
Originaltitel: Essai sur le don
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 351828343X
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518283431
Schlagwörter: Gabe, Pflicht, Potlatsch, Tausch
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Rezensionen
Umschlag

Die Gabe. Form und Funktion des Austauschs in archaischen Gesellschaften (französisch Essai sur le don) ist die 1925 erschienene Abhandlung von Marcel Mauss. Es gibt keine freie Gabe: Wer gibt, verpflichtet – sich und den anderen.

Inhalt

Mauss liest Berichte über Völker, die europäische Kaufleute für verschwenderisch oder rätselhaft hielten, und findet eine Ordnung. Bei den Maori, auf den Inseln Polynesiens, bei den Stämmen der nordwestamerikanischen Küste gilt: Gaben werden gegeben, angenommen, erwidert. Die drei Pflichten hängen zusammen. Wer nicht gibt, schließt sich aus; wer nicht nimmt, beleidigt; wer nicht erwidert, bleibt Schuldner. Die Sache selbst ist nicht tot. In ihr bleibt etwas vom Geber – ein Geist, eine Bindung –, das zurückverlangt wird. Tausch ist hier nicht das glatte Äquivalent des Marktes, sondern eine totale soziale Tatsache: Recht, Religion, Wirtschaft, Ehre fallen in einem Akt zusammen.

Den Potlatsch der Kwakiutl und benachbarter Völker beschreibt Mauss als Steigerung dieser Logik bis zur Zerstörung. Häuptlinge geben Feste, verteilen Decken, Kupferplatten, Nahrung, bisweilen vernichten sie Besitz im Wettstreit um Rang. Wer mehr gibt, siegt. Die Verschwendung ist keine Irrationalität, sondern Politik: Status wird hergestellt, indem man sich arm macht. Mauss liest daneben das römische, das germanische, das indische Recht und findet Reste derselben Bindung – in Pfand, in Gastfreundschaft, in der Unveräußerlichkeit mancher Güter.

Der Essay endet nicht bei den anderen. Er wendet sich gegen den Utilitarismus der eigenen Gesellschaft, der aus der Gabe einen Vertrag und aus dem Vertrag Eigennutz gemacht hat. Mauss plädiert nicht für die Rückkehr zum Potlatsch. Er plädiert dafür, im modernen Recht, in der Sozialversicherung, in der gegenseitigen Hilfe die Pflicht wiederzuerkennen, die der Markt vergessen hat: dass Menschen einander geben, weil sie miteinander leben, nicht weil sie rechnen. Der Ton ist der der Année sociologique, dicht an den Quellen, ohne Feldforschung im engen Sinn. Der Neffe Émile Durkheims schreibt die Soziologie der Bindung, die der Onkel an der Religion geübt hatte, am Tausch weiter.

Einordnung

Kein Text der Anthropologie hat so viele Fächer angesteckt. Claude Lévi-Strauss hat daraus den Tausch der Frauen und der Zeichen gelesen; David Graeber in Schulden die Moral, die der Markt als Natur ausgibt. Die spätere Kritik nennt Mauss zu synthetisch, die Quellen zweiter Hand, den Geist in der Sache zu mystisch. Geblieben ist die Einsicht, dass Geben nicht das Gegenteil von Wirtschaften ist. Wer nach 1925 von Solidarität spricht, ohne nur von Almosen zu sprechen, spricht oft mit Mauss – auch wo er ihn nicht gelesen hat.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.