Die Canterbury-Erzählungen

Geoffrey Chaucer · 1400 · Erzählung


Das Werk
Deutscher Titel: Die Canterbury-Erzählungen
Autor(en): Geoffrey Chaucer
Originaltitel: The Canterbury Tales
Originalsprache: mittelenglisch
Erstveröffentlichung: 1400
Schlagwörter: Pilger, Rahmen, Stände, Witz
Sachgebiete: Erzählung
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 565 Seiten
ISBN: 9783150077443
Verweise


Die Canterbury-Erzählungen sind das unvollendete Erzählwerk von Geoffrey Chaucer, entstanden in den letzten beiden Jahrzehnten des vierzehnten Jahrhunderts, in Mittelenglisch, nicht in Latein und nicht in Französisch. Eine Gesellschaft von Pilgern trifft sich im Tabard in Southwark und zieht zum Grab des Thomas Becket nach Canterbury; unterwegs soll jeder zwei Geschichten hin und zwei zurück erzählen. Fertig geworden ist nur ein Bruchteil, und gerade dieser Bruchteil hat gereicht, der englischen Erzählung ihre erste große Form zu geben. Neben dem Dekameron ist das der zweite europäische Rahmen, in dem Stimmen sich abwechseln; Chaucer holt ihn vom Florentiner Landhaus auf die Landstraße.

Inhalt

Im Wirtshaus Tabard stellt der Erzähler die Gesellschaft vor, bevor jemand eine Geschichte beginnt. Der Ritter hat Kriege gesehen, der Müller hat eine rote Haube und eine derbe Zunge, die Äbtissin trägt ein Amulett mit der Inschrift der Liebe, der Ablasskrämer verkauft Pardons, der Weib von Bath hat fünf Männer beerdigt und redet, als wäre die Schrift ihr Werkzeug. Der Wirt Harry Bailey setzt den Wettstreit an: Wer am besten erzählt, isst am Ende auf Kosten der anderen. Der Prolog ist kein Schmuck, er ist das Buch im Kleinen. Jede Figur ist Stand, Körper, Stimme; die Reise hat noch nicht begonnen, und die Gesellschaft ist schon eine Stadt.

Die Geschichten widersprechen einander, sobald sie angefangen haben. Der Ritter erzählt von Palamon und Arcite, die dieselbe Frau lieben, in einem höfischen Ton, den der Müller sofort mit einer derben Fabliau-Antwort zerreißt: der Zimmermann, die junge Frau, der Student, der in den Hintern geküsst wird. Der Verwalter rächt sich am Müller, der Koch setzt nach, bis der Wirt abbricht. Später predigen der Geistliche und der Ablasskrämer, der seine eigene Gier ausstellt und trotzdem Geld verlangt. Das Weib von Bath erzählt, was Frauen wollen – Herrschaft im Haus –, und legt davor eine lange Rede über Schrift, Ehe und Erfahrung. Niemand gewinnt; die Form ist der Streit.

Unvollendet bleibt der Plan, und Chaucer setzt sich selbst als schwachen Erzähler in die Runde: Seine eigene Rittergeschichte ist so langweilig, dass der Wirt sie abwürgt; die zweite, von Sir Thopas, ist ein Reimgespött. Der Pfarrer soll zum Schluss eine Abhandlung über die Sünde halten, und in manchen Handschriften folgt ein Widerruf, in dem der Dichter die derben Stücke zurücknimmt. Ob das Ernst ist oder letzte Ironie, lässt das Buch offen. Canterbury wird nicht erreicht. Was bleibt, ist der Weg: eine englische Gesellschaft, die sich selbst erzählt, bevor eine Moral sie schließt.

Einordnung

Chaucer hat die Volkssprache zum Maß gemacht, ohne die Stände zu versöhnen. Der Vers – das reimende Paar, später die Prosa des Pfarrers – trägt Witz, Predigt, Minne und Schwank in einer Stimmlage, die das gesprochene Englisch nicht mehr hinter dem Latein versteckt. Boccaccios Rahmen ist ein Garten nach der Pest; Chaucers Rahmen ist ein Wirtshaus vor der Wallfahrt. Die Nachwelt hat ihn zum Vater der englischen Dichtung gemacht und oft nur den Ritter behalten. Die derben Stücke sind keine Zutat, sie sind der Einspruch gegen den höfischen Ton.

Die Handschriften ordnen die Fragmente verschieden; eine endgültige Folge gibt es nicht. Übersetzungen haben das Mittelenglische geglättet, bis der Witz schulisch wurde. Wer nur die Nationalallegorie sucht, unterschlägt den Ablasskrämer. Wer nur die Komik sucht, unterschlägt, dass dieselbe Runde den Tod und die Schrift verhandelt. Neben dem Dekameron bleibt das Buch das englische Maß des Erzählrahmens: unfertig, ständisch, unterwegs.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.