Die Alternative
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Alternative |
| Autor(en): | Rudolf Bahro |
| Originaltitel: | Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1977 |
| Schlagwörter: | Sozialismus, Klasse, Entfremdung, Partei |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Europäische Verlagsanstalt
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 543 Seiten |
| ISBN: | 9783434009463 |
| Verweise | |
Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus ist das 1977 bei der Europäischen Verlagsanstalt in Köln erschienene Buch von Rudolf Bahro. Es analysiert die DDR und den sowjetischen Weg nicht als verratenen Sozialismus, sondern als neue Klassengesellschaft, in der die Entfremdung auf anderer Stufe andauert. Das Manuskript wurde nach West-Berlin geschmuggelt. Am 22. August 1977 druckte der Spiegel einen Auszug; am Tag darauf saß Bahro in Hohenschönhausen. In der DDR war das Buch nicht strafbar; die Anklage lautete auf landesverräterische Sammlung von Nachrichten.
Inhalt
Die Einleitung setzt den Satz, von dem alles abhängt: Die kommunistische Bewegung hat nicht zu den theoretisch erwarteten Verhältnissen geführt. Die arbeitenden Massen bleiben subaltern. Drei Teile sollen Gründe und Ausweg liefern. Der erste Teil liest die Sowjetunion historisch: keine übersprungene Kapitalismusstufe im Sinne von Marx, sondern ein nichtkapitalistischer Weg in die Industriegesellschaft, den Bahro als Proto-Sozialismus bezeichnet. Lenin bleibt für ihn richtig; die stalinistische Industrialisierung gilt ihm als notwendig – eine Stelle, an der die westliche Linke später scharf widersprochen hat.
Der zweite Teil seziert den »real existierenden Sozialismus« als Klassengesellschaft wider die eigene Rede. Die Stagnation der Wirtschaft folgt daraus, dass die Arbeiter in den Betrieben nichts zu sagen haben. Bahro schreibt das aus der Erfahrung der Gummi- und Kunststoffwerke, nicht aus dem Seminar. Partei, Plan, die vertikale Teilung der Arbeit: die Anatomie einer Ordnung, die sich Sozialismus nennt und Subalternität organisiert.
Der dritte Teil fordert eine kommunistische Alternative, die nicht nur Verhältnisse, sondern Menschen verändert: die Überwindung der Denkweise »kleiner Leute«, die Teilhabe aller an Wissenschaft, Kunst und niederer Arbeit. Das ist Utopie als Programm, nicht als Insel. Das Buch will in der DDR gelesen werden und musste, um gelesen zu werden, im Westen erscheinen. Die Kopien, die Bahro im Land verschickte, fielen zur Hälfte an die Behörde.
Einordnung
Herbert Marcuse nannte den Band den wichtigsten Beitrag zur marxistischen Theorie und Praxis seit Jahrzehnten; Ernest Mandel stimmte zu; Rudi Dutschke warf Bahro vor, im Leninismus zu bleiben und die Menschenrechte zu gering zu achten. Die DDR schwieg den Text tot und verurteilte den Verfasser 1978 unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu acht Jahren, verteidigt von Gregor Gysi, Strafmaß vorher festgesetzt. Böll und Grass organisierten internationale Solidarität; in Bautzen II wurde eigens ein Flur für ihn abgetrennt.
Im Essay Ohne Druckgenehmigung steht das Buch als der philosophische Fall neben den Romanen: Die Hauptverwaltung Verlage hat Belletristik verschleppt; hier hat die Staatssicherheit das Denken zur Spionage erklärt. Wer nur den Dissidenten sucht, hat die drei Teile nicht gelesen. Wer nur Marcuses Lob kennt, unterschlägt die Stalin-Stelle, an der Bahro den Terror nicht verurteilt.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Ohne Druckgenehmigung (Wirkungsgeschichte)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
