Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme

Galileo Galilei · 1632 · Sachbuch, Naturwissenschaft


Das Werk
Deutscher Titel: Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme
Autor(en): Galileo Galilei
Herausgeber: Roman Sexl, Karl von Meyenn
Originaltitel: Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo
Originalsprache: italienisch
Erstveröffentlichung: 1632
Schlagwörter: Heliozentrismus, Fernrohr, Experiment, Kirche
Sachgebiete: Sachbuch, Naturwissenschaft
Greifbare Ausgabe
Verlag: Teubner


Umfang dieser Ausgabe: 643 Seiten
ISBN: 9783519024156
Verweise


Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme ist das 1632 in Florenz erschienene italienische Streitgespräch von Galileo Galilei über das ptolemäische und das kopernikanische Weltbild. Emil Strauss hat es 1891 ins Deutsche gebracht; der Nachdruck bei Teubner mit einem Beitrag Albert Einsteins ist die lesbare Ausgabe.

Inhalt

Vier Tage lang reden drei Männer in einem venezianischen Palast. Salviati führt die kopernikanische Sache, Sagredo der gebildete Laie fragt nach, Simplicio verteidigt Aristoteles und Ptolemaios – und klingt, je länger das Gespräch dauert, desto mehr nach einem Mann, der Autorität zitiert, wo die Natur widerspricht. Das ist kein Zufall der Form. Galilei schreibt Italienisch, nicht Latein, und lässt die Beweise als Unterhaltung auftreten, die ein Höfling verstehen kann. Der erste Tag räumt die himmlische Physik des Aristoteles ab: Mond und Erde sind nicht aus verschiedenem Stoff; Veränderlichkeit ist kein Makel unter der Mondbahn, sondern der Zustand der Welt. Der zweite Tag gilt der täglichen Drehung. Fallversuche, das Schiff, auf dessen Mast eine Kugel fällt, die scheinbare Unbewegtheit der Dinge um uns: Galilei baut eine Physik der relativen Bewegung, bevor das Wort da ist. Wer mit der Erde fährt, spürt die Fahrt nicht als Wind, der alles wegreißt.

Der dritte Tag holt Kopernikus ins Gespräch und die Beobachtungen, die das Fernrohr seit 1610 geliefert hat. Die Phasen der Venus, die Monde des Jupiter, die Sonnenflecken, die raue Mondoberfläche: Erscheinungen, die ein System mit der Erde im Zentrum nur mit Zusatzhypothesen schluckt. Galilei macht aus ihnen eine Erzählung, in der das neue Weltbild nicht eleganter rechnet, sondern sichtbar wird. Der vierte Tag soll den Rest geben und gibt ihn falsch. Die Gezeiten, behauptet Galilei, entstehen, weil die zusammengesetzte Bewegung der Erde das Meer schaukelt; Simplicio darf den Einwand des Papstes vortragen, Gott hätte die Dinge auch anders einrichten können. Die Gezeitenlehre ist ein Irrtum, und sie steht an der Stelle, wo ein Beweis hätte stehen sollen. Genau das hat das Buch verwundbar gemacht: Es überredet, wo es nicht zwingt, und es zwingt, wo die Sinne dem alten Lehrsatz widersprechen.

Die Figur des Simplicio ist die politische Wunde. Urban VIII., der Galilei das Buch unter Auflagen gestattet hatte, erkannte in den frommen Vorbehalten des Einfältigen seine eigenen Argumente und fühlte sich vorgeführt. 1633 der Prozess, der Widerruf, der Hausarrest in Arcetri. Das Dekret von 1616 hatte die kopernikanische Lehre bereits für falsch erklärt; der Dialog tat so, als prüfe er unparteiisch, und warb in Wahrheit unermüdlich. Wer das Buch nur als Märtyrerakte liest, unterschlägt die Physik der ersten Tage und den Fehler des vierten. Wer nur den Fehler liest, unterschlägt, dass nach diesem Gespräch die Natur nicht mehr das ist, was in den Büchern des Aristoteles steht, sondern das, was sich am Himmel und am Fallturm zeigt. Die Autorität wechselt die Seite: vom Zitat zum Augenschein, der selbst schon Theorie ist.

Einordnung

Ohne KopernikusDe revolutionibus hätte der Dialog keinen Gegenstand; ohne Galileis Fernrohrschriften keinen Stoff, der Laien überzeugt. Newton hat später in den Philosophiae Naturalis Principia Mathematica die Bewegung mathematisch geschlossen, die hier noch als Gespräch erkämpft wird. Paul Feyerabend hat gerade dieses Buch zum Lehrstück gemacht: Galilei siegte nicht, weil jede Beobachtung schon für ihn sprach, sondern weil er Redekunst, neue Werkzeuge und Regelbruch verband. Nach dem Dialog kann man die Erde noch für den Mittelpunkt halten – man kann es nicht mehr tun, ohne gegen den Augenschein und gegen ein öffentliches Argument zu sprechen, das die Kirche selbst als Gefahr gelesen hat.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Heliozentrismus (zentral)

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Die einflussreichsten Werke der Naturwissenschaft: 16. bis 19. Jahrhundert (Kanon) · Weltbildwechsel in acht Büchern (Lesepfad)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.