Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer |
| Autor(en): | Akif Pirinçci |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Manuscriptum |
| Serie: | Edition Sonderwege |
| Erscheinungsjahr: | 2014 |
| Seitenanzahl: | 276 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3944872045 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783944872049 |
| Schlagwörter: | Polemik, Zuwanderung, Geschlecht, Nation |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Zeitdiagnose |
| Rezensionen | |
Deutschland von Sinnen: Der irre Kult um Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer ist das im März 2014 bei Manuscriptum in der Edition Sonderwege erschienene polemische Sachbuch von Akif Pirinçci. Der zuvor durch Katzenkrimis bekannt gewordene deutsch-türkische Autor rechnet in acht Kapiteln mit der öffentlichen Rede der Bundesrepublik über Islam, Feminismus, Homosexualität, Intellektuelle und Sozialstaat ab. Er behauptet, Frauen, Homosexuelle und Zuwanderer genössen eine privilegierte Stellung und blockierten die Mehrheit. Das Buch stieg in der Spiegel-Liste auf den zweiten Platz, wurde in Feuilletons als Hassrede oder als Tabubruch gelesen und mit Thilo Sarrazins Deutschland schafft sich ab verglichen. Es ist kein sozialwissenschaftlicher Befund; es ist eine Wutrede mit autobiographischen Einsprengseln.
Inhalt
Pirinçci schreibt gegen eine von ihm so genannte Gesinnung der Wohlmeinenden, die Kritik an Zuwanderung, Islam und Gleichstellungspolitik als unzulässig behandle. Das erste und das letzte Kapitel kleiden das als Liebeserklärung an Deutschland. Dazwischen folgen Attacken: auf Asylpolitik und muslimische Einwanderung, die er an der Gastarbeitergeschichte seiner Eltern spiegelt; auf fehlenden Patriotismus und übertriebene Integrationsangebote; auf Angst und Steuerlast des Mittelstands; auf Feminismus und staatliche Geschlechterpolitik; auf die Sichtbarkeit Homosexueller im Fernsehen; auf Wissenschaft und Intellektuelle. Das siebte Kapitel erweitert einen Netztext über die Tötung eines jungen Deutschen durch Türken in Kirchweyhe und stellt sie in den Zusammenhang eines angeblich vertuschten, schleichenden Völkermords am deutschen Volk. Minderheiten erscheinen als Mängelwesen, die ihre Benachteiligung kennen, Kooperation verweigern und dennoch übermäßige Macht hätten.
Die Beweisführung besteht aus Anekdote, Beleidigung und der Geste, endlich auszusprechen, was andere verschwiegen. Zahlen, wo sie vorkommen, dienen der Bestätigung, nicht der Prüfung. Der Islam gehöre nach Deutschland so wenig wie die Reeperbahn nach Mekka; die Deutschen seien das ängstlichste Volk; Sozialhilfe lohne das Nichtstun. Frauenkapitel und Homosexuellenkapitel arbeiten mit Ekel und Spott. Der Autor inszeniert die Differenz zwischen der ihm zugeschriebenen Rolle des integrierten Erfolgsautors und einer konservativen, tabubrechenden Rede. Was als Beobachtung auftritt, ist Zuschreibung: Wer widerspricht, gehört zur „korrupten Kaste“. Der Text fordert weniger Duldung gegenüber integrationsunwilligen Zuwanderern und mehr nationale Selbstbehauptung.
Unsicher ist das Buch an keiner Stelle im Sinne einer Selbstkritik; unsicher ist es als Aussage über die Bundesrepublik, weil Korrelation, Einzelfall und Feindbild ineinanderfallen. Der Ton ist der der Schmährede, derb, komisch für Leser, die den Zorn teilen, für andere eine Kette von Herabsetzungen. Die Gegenposition – dass gleiche Rechte keine Privilegien sind und dass Zuwanderung nicht als Auslöschung zu erzählen ist – wird als Verlogenheit geführt. Pirinçci liefert keine Theorie der Gesellschaft und keine Politik, die über das Anprangern hinausginge. Das Schlachtkapitel überschreitet die Grenze zur Demagogie, indem es einen Kriminalfall zum Völkermord umdeutet.
Einordnung
Die Aufnahme zerfiel rasch. Ijoma Mangold las das Pamphlet an der Grenze zur Volksverhetzung; Georg Diez ordnete es unter Hassbücher ein, die Gewalt vorbereiten; Jan Fleischhauer stellte den Stil in eine Schmähtradition von Heine bis Henscheid. Die rechte Publizistik applaudierte; Manufactum distanzierte sich vom Verleger. Ein ZDF-Gespräch wurde gekürzt, was Pirinçci als Zensur deutete. Nachbarschaft hat der Band zu Sarrazins Demografieschrift, von der er sich durch das Fehlen jedes Zahlenapparats und durch die Lust an der Beleidigung unterscheidet. Das Missverständnis der Anhänger war, hier spreche das Volk; das der bloßen Empörung, mit der Verachtung des Tons entfalle jede Frage nach Integration und öffentlicher Rede.
Geblieben ist ein Verkaufserfolg, der die Sprache der neuen Rechten in den Buchhandel trug und den Autor zur Identifikationsfigur einer Empörung machte, die später ohne ihn weiterging. Wer das Buch liest, liest ein Dokument der Spaltung von 2014, keine Diagnose, der zu folgen wäre. Die Edition Sonderwege hat die Abweichung zum Programm erklärt; die Abweichung ist hier die Herabsetzung von Frauen, Homosexuellen und Zuwanderern als Kult. Nüchtern bleibt: Ein Pamphlet kann wirken, ohne wahr zu sein.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
Später durchgesehen: Ein zweites KI-Sprachmodell hat den Text geprüft und einzelne Formulierungen berichtigt (Grok 4.6, xAI). Bestand, Auswahl und Ausgabendaten blieben dabei unverändert; welche Sätze geändert wurden, zeigt die Versionsgeschichte.
