Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt

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Alfred Schütz · 1932 · Sachbuch, Soziologie
Das Werk
Deutscher Titel: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt
Autor(en): Alfred Schütz


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1932
Schlagwörter: Sinn, Alltag, Verstehen, Handlung
Sachgebiete: Sachbuch, Soziologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: stw
Umfang dieser Ausgabe: 347 Seiten
ISBN: 9783518278925
Verweise
Umschlag

Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt. Eine Einleitung in die verstehende Soziologie ist das 1932 in Wien erschienene Hauptwerk von Alfred Schütz. Schütz nimmt Edmund Husserls Phänomenologie und Max Webers verstehende Soziologie zusammen: soziales Handeln ist sinnhaft, und dieser Sinn muss in der Weise beschrieben werden, wie er für den Handelnden selbst da ist. Das Buch ist die Gründung einer phänomenologischen Soziologie, noch vor dem amerikanischen Exil, in dem Schütz zur Schule der Alltagswelt wurde.

Inhalt

Schütz setzt bei Webers Begriff des sozialen Handelns an und findet ihn unzureichend geklärt. Sinn ist nicht nur der subjektiv gemeinte Zweck, den der Beobachter nachträglich unterstellt; Sinn ist die Weise, in der Erlebnisse im inneren Zeitbewusstsein zu Handlungen zusammengeschlossen werden. Husserl liefert die Analyse der Retention, der Protention, der Zuwendung; Schütz überträgt sie auf das Motiv. Er unterscheidet Weil-Motive, die aus der Vergangenheit tragen, und Um-zu-Motive, die auf Zukünftiges gehen. Der Handelnde lebt in beiden, ohne sie zu theoretisieren. Die Soziologie, die verstehen will, muss diese Zeitstruktur nachzeichnen, statt Handlungen als äußere Bewegungen zu zählen.

Die soziale Welt ist geschichtet. Die Mitwelt der gleichzeitig Lebenden, die Vorwelt der Toten, die Folgewelt der noch nicht Geborenen: Jede Schicht hat eine andere Zugänglichkeit. Den Anderen erreiche ich nicht in der Ursprünglichkeit meines eigenen Erlebens, sondern in Typen, in der Generalthese des alter ego, in der Annahme, dass seine Welt der meinen analog gebaut ist. Verstehen ist keine Einfühlung als Verschmelzung, sondern die Auslegung von Anzeichen, die der andere setzt. Schütz bleibt näher am Alltag als Husserl: Die natürliche Einstellung, die Husserl einklammert, ist für die Soziologie der Gegenstand selbst. Wer sie nur als naiv abtut, verfehlt die Welt, in der gehandelt wird.

Das Buch ist eine Einleitung und schon eine Theorie. Schütz schreibt gegen den Behaviorismus und gegen jede Soziologie, die Sinn für ein Epiphänomen der Statistik hält. Zugleich warnt er vor der Wesensschau, die Gesellschaft in Ideen auflöst. Die Idealtypen Webers werden phänomenologisch nachgebaut: Der Beobachter konstruiert Modelle, die mehr oder weniger anschlussfähig an das Selbstverständnis der Handelnden sind. Die spätere amerikanische Arbeit über die Lebenswelt, die Relevanzen, den Fremden ist hier schon angelegt. Wer Schütz nur als Husserl-Schüler der Soziologie kennt, unterschlägt Weber; wer nur den Alltagstheoretiker kennt, unterschlägt die Zeitanalyse des ersten Teils.

Einordnung

Schütz hat der Phänomenologie die Gesellschaft gegeben, die Husserl nur als Horizont kannte, und der Soziologie eine Beschreibung des Sinns, die nicht sofort Psychologie wurde. Die Ethnomethodologie Harold Garfinkels, die phänomenologische Soziologie in den Vereinigten Staaten, Jürgen Habermas’ Rückgriff auf die Lebenswelt zehren davon, oft ohne den Wiener Ursprung. Der Wiener Kreis hat das Buch kaum gelesen; es entstand in derselben Stadt und zog in die entgegengesetzte Richtung: nicht Einheitssprache, sondern die Vielfalt der sinnhaften Einstellungen. Neben den Logischen Untersuchungen und Webers Wissenschaftslehre steht der sinnhafte Aufbau als der Text, der Verstehen nicht als Methode neben der Erklärung belässt, sondern als Zugang zur sozialen Welt selbst.

Ideen

Alltag

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.