Der rasende Roland

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der rasende Roland
Autor(en): Ludovico Ariosto
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: dtv
Serie:
Erscheinungsjahr: 1516
Seitenanzahl: 800 Seiten
Originaltitel: Orlando furioso
Originalsprache: italienisch
ISBN-10: 3423059184
ISBN-13/

EAN-Code:

9783423059183
Schlagwörter: Ritter, Liebe, Mond, Wahnsinn
Sachgebiete: Epos
Rezensionen
Umschlag

Der rasende Roland ist das Versepos von Ludovico Ariosto, zuerst 1516 in Ferrara gedruckt, in der letzten Fassung von 1532 auf sechsundvierzig Gesänge in Stanzen gewachsen. Es ist kein Roman im neueren Sinn, sondern ein Versroman und Ritterepos: Fortsetzung von Matteo Maria Boiardos unvollendetem Verliebtem Roland, angesiedelt in den Kriegen Karls des Großen gegen die Sarazenen. Ariost, im Dienst der Este, flicht deren Stammbaum bis zu Hektor und lässt neben der Schlacht die Liebe den Verstand rauben. Goethe, Hegel und Keller haben das Werk bewundert; vollständige deutsche Nachdichtungen blieben selten. Der Hippogryph und die Reise zum Mond gehören zum festesten Bildvorrat Europas.

Inhalt

Roland, Neffe Karls, und fast der ganze Hof verlieben sich in Angelika, eine zauberkräftige chinesische Prinzessin. Roland verliert über dieser Liebe den Verstand: Er tobt nackt durch Länder, zerreißt, was ihm vorkommt, und fällt als Waffe und als Mensch aus. Der britische Prinz Astolfo reitet den Hippogryphen zum Mond, wo alles lagert, was auf der Erde verlorengegangen ist – darunter Rolands Verstand in einer Flasche – und bringt ihn dem Freund zurück. Das ist nur ein Strang. Dazwischen und daneben führt Ariost den Krieg Karls gegen den Sarazenenkönig Agramante: Belagerungen, Zweikämpfe, Glaubensfronten, die sich in einzelnen Rittern und Damen ständig kreuzen.

Der dritte große Faden gilt Ruggiero und Bradamante, der kriegerischen Schwester Rinaldos. Ihre Liebe, Hindernisse, Taufen und Ahnen stiften die Genealogie der Este, der Ariost das Werk widmete. Dazu treten Zauberinnen wie Alcina, Ringe, Schilde, Inseln, Irrfahrten, Frauen, die selbst das Schwert führen, und heidnische Helden, die edler sein können als Christen. Ariost wechselt die Stränge nach der Kunst der Verschlingung: Kaum ist eine Gefahr höchst, schneidet er zur anderen Geschichte. Der Leser soll schwindeln und trotzdem folgen. Humor und Grausamkeit liegen beieinander; der Erzähler mischt sich ein, verspricht, später nachzutragen, und hält Wort oder täuscht.

Die letzte Fassung zählt 4822 Stanzen. Kein Schluss löscht alle Nebenwege; Medoro und Angelika finden einander, Roland wird geheilt, der Krieg geht weiter in der Logik der Fortsetzungen, die andere dichten werden. Ariost hat das unvollendete Epos Boiardos nicht bloß zu Ende geführt, sondern in eine andere Ordnung gekippt: aus der ernsten Ritterchronik in das bewusste Spiel mit zu vielen Helden. Wer eine einzige Hauptfigur sucht, verliert sich mit Recht. Wer sich verlieren will, ist bei den Stanzen angekommen.

Einordnung

Ariost hat dem ritterlichen Epos die Ironie gegeben, ohne den Glanz zu löschen. Die Wirkung auf die italienische Literatur des sechzehnten Jahrhunderts, auf das französische Theater, auf Shakespeare und auf die Oper – Lully, Vivaldi, Händel, Haydn – ist kaum zu überschätzen. Im Deutschen blieb die Nachdichtung von Johann Diederich Gries lange die beste; Heinse übersetzte in Prosa, Streckfuß, Gildemeister, Kissner in Versen. Italo Calvino hat 1970 für den Rundfunk nacherzählt und ausgewählt; Thomas R. P. Mielke hat den Stoff als Roman gefasst. Wer nach späteren Wunderromanen mit Flugtieren und verzauberten Inseln sucht, findet hier oft ungenannt die Mutter: den Hippogryphen, die Mondflasche, die Frau in Rüstung.

Neben der Odyssee und Dantes Göttlichen Komödie steht der Rasende Roland als Epos, das die Irrfahrt zur höfischen Unterhaltung und zur Fürstenhuldigung macht. Es ist leichter als Dante, verschlungener als Homer, weltlicher als beide. Wer Ariost für bloße Ritterromanze hält, hat den Mond und die Genealogie der Este nicht gesehen. Wer ihn als Roman liest, tut, was die Neuzeit mit Stanzen oft getan hat: in Prosa atmen, in Versen denken. Die angegebene dtv-Ausgabe folgt Gries’ Nachdichtung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.