Der Untergeher

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Untergeher
Autor(en): Thomas Bernhard
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1983
Seitenanzahl: 242 Seiten
Originaltitel: Der Untergeher
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518379976
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518379974
Schlagwörter: Klavier, Gould, Selbstmord, Salzburg
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Der Untergeher ist ein Roman von Thomas Bernhard, 1983 bei Suhrkamp erschienen. Drei junge Pianisten lernen einander in den fünfziger Jahren in Salzburg bei einem Kurs kennen; einer von ihnen ist Glenn Gould, und die beiden anderen geben das Klavier auf, weil sie ihn gehört haben. Der Titel ist der Spitzname, den Gould dem Freund Wertheimer gibt, der sich später erhängt. Bernhard hat zum ersten Mal eine wirkliche Künstlergestalt in den Mittelpunkt eines Romans gerückt und sie trotzdem zur Bernhard-Figur gemacht: radikal, menschenfeindlich, zur Kunstmaschine entschlossen. Das Buch steht neben Holzfällen in der Reihe der großen Abrechnungsmonologe der achtziger Jahre.

Inhalt

Der namenlose Ich-Erzähler kommt von Wertheimers Begräbnis in Chur und kehrt im Gasthaus Dichtelmühle bei Wankham ein, um das Jagdhaus des Toten in Traich zu sehen. Wertheimer hat sich vor dem Haus der Schwester erhängt, einundfünfzigjährig, im selben Alter, in dem Gould in Kanada am Klavier einem Schlaganfall erlag. Im Gastzimmer wartet der Erzähler auf die Wirtin und denkt, in Bernhards unablässiger Periode, die gemeinsame Geschichte. Vor achtundzwanzig Jahren, 1953, saßen sie im Mozarteum bei Horowitz, mieteten in Leopoldskron ein Haus zum Üben und hörten Gould die Goldberg-Variationen spielen, besser als der Lehrer, „glenngenial“. Wertheimer, der Untergeher, war getroffen; der Erzähler prophezeite Gould, er werde an der Besessenheit zugrunde gehen. Gould gab nach wenigen Jahren die Säle auf, zog sich in den kanadischen Wald zurück, wurde zur Platte und zur Maschine, die ein Klavier sein will, und starb übend.

Der Erzähler verschenkte den Steinway an ein unbegabtes Kind, ging nach Madrid in die Anonymität und schreibt, vernichtet, schreibt neu einen Versuch über Gould, der in Wahrheit Wertheimer gelten müsste. Wertheimer verkaufte den Bösendorfer, kürzte einen Roman, bis nur der Titel Der Untergeher blieb, bevormundete die Schwester, bis sie heiratete, und brannte vor dem Tod die Zettel ab. Die Wirtin der Dichtelmühle, arm, vom Unglück der feinen Herren unbeeindruckt, hält dem Erzähler vor, dass Wertheimer alle Mittel zum Glück gehabt und keines genutzt habe; sie hat ihn ins Zimmer genommen und keinen Kredit für einen Eisschrank bekommen. Auf dem Weg nach Traich sieht der Erzähler seine Ungerechtigkeit ein und fährt trotzdem fort, zu urteilen. Der Holzknecht Kohlroser, der das Haus der jüdischen Familie in der Nazizeit bewahrt hat, erzählt die Kindheit in England, den Unfalltod der Eltern, das letzte Konzert Wertheimers auf einem verstimmten Klavier vor ehemaligen Kommilitonen, die das Haus verwüsteten.

Im Zimmer des Toten liegt Goulds Aufnahme der Goldberg-Variationen; der Erzähler hört sie. Damit schließt der Roman, ohne Versöhnung und ohne die Behauptung, Kunst rechtfertige den Untergang. Gould, Wertheimer und der Erzähler sind reiche Söhne, die das Leben als Zumutung und die Vollkommenheit als Falle erfahren. Nur einer spielt weiter, bis der Körper abbricht; einer erhängt sich; einer redet, in Madrid und in der Dichtelmühle, und nennt das Philosophie. Bernhard lässt keine der drei Weisen gewinnen. Der Satz vom lange vorausberechneten Selbstmord, kein spontaner Akt, steht als Motto vorn und als Diagnose über Wertheimer, der den Spitznamen wörtlich genommen hat.

Einordnung

Bernhard hat Gould nicht porträtiert: Der wirkliche Pianist studierte nicht in Salzburg, nicht bei Horowitz, starb nicht am Klavier und nicht mit einundfünfzig. Die Erfindung braucht den Namen, um das Genie als Vernichtung der anderen denkbar zu machen. Form und Zahlen der Goldberg-Variationen hat man im Roman wiederfinden wollen; wichtiger ist der Sog der Wiederholung, das „dachte ich“, das keinen Absatz gönnt. Gegen Holzfällen, das die Wiener Künstlergesellschaft auf einem Sessel zerlegt, ist Der Untergeher das Musikbuch: dasselbe Hasslob, ein anderer Gegenstand. Bühne und eine Oper haben den Stoff übernommen; das Buch bleibt Stimme ohne Pause.

Suhrkamp hält den schmalen Band; er ist schulisch geworden, ohne zahm zu werden. Wer Bernhard nur als Österreichbeschimpfer liest, findet hier die Beschimpfung der Kunstidee, man müsse der Beste sein oder keiner. Der Erzähler überlebt, weil er aufhört zu spielen, und überlebt doch nicht, weil er nicht aufhört zu denken. Wertheimer ist der Untergeher, Gould der Tote am Instrument, der Leser der Dritte, der zuhört und nicht üben muss. Hinter diesem Roman ist schwer über pianistische Vollkommenheit zu sprechen, ohne den Spitznamen zu hören.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.