Der Trinker
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Der Trinker |
| Autor(en): | Hans Fallada |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Aufbau |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1950 |
| Seitenanzahl: | 291 Seiten |
| Originaltitel: | Der Trinker |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3746627915 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783746627915 |
| Schlagwörter: | Alkohol, Anstalt, Untergang, Haft |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Der Trinker ist der 1950 postum erschienene Roman von Hans Fallada, den er 1944 in der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz in wenigen Wochen niederschrieb. Fallada saß dort nach einem Streit mit der geschiedenen Frau, bei dem ein Schuss fiel, als nicht zurechnungsfähig ein. Um das Manuskript vor den Aufsehern zu schützen, beschrieb er die Blätter eng, stellte sie auf den Kopf und schrieb in den Zwischenräumen zurück. Nach seinem Tod 1947 entzifferte der Aufbau-Verlag den Text; 1950 kam er als Lizenz auch bei Rowohlt heraus. Es ist Falladas persönlichstes Buch: nicht die Krise draußen wie in Kleiner Mann – was nun?, sondern der Absturz eines Mannes, der sich selbst nicht mehr halten kann.
Inhalt
Erwin Sommer, Großkaufmann in einer norddeutschen Kleinstadt, verliert durch Nachlässigkeit einen Auftrag an den jüngeren Konkurrenten Heinze. Den Kummer spült er mit einer halben Flasche Rotwein hinunter. Gegen den Willen seiner Frau Magda fährt er nach Hamburg, angeblich geschäftlich, und gewöhnt sich in einer Woche das regelmäßige Trinken an. Zurück ist das Geschäft angeschlagen, die Scham wächst, der Alkohol wird zur Ordnung des Tages. Magda begreift, was geschieht, und will ihn in eine Trinkerheilanstalt bringen lassen. Zwei Ärzte sitzen mit im Wagen; Sommer flieht unterwegs. Was folgt, ist kein Abenteuer, sondern die Logik der Sucht: Diebstahl, weitere Abstürze, Untersuchungshaft, schließlich die geschlossene Heil- und Pflegeanstalt.
In der Anstalt trifft Magda ihn ein einziges Mal. Sie hat sich geschäftlich und privat mit Heinze zusammengetan. Sommer verliert in einem Wutanfall die Fassung; die Szene wird gegen ihn verwendet. Nach erzwungener Abstinenz trinkt er von den Alkoholvorräten der Station, wird ertappt, und der Anstaltsleiter verfügt die dauerhafte Unterbringung als Geisteskranken. Magdas Unterhaltszahlungen würden ihm ein verhältnismäßig gesichertes Dasein erlauben. Er wählt einen anderen Ausgang: nicht die offene Gewalt, zu der er sich, wie er sagt, zu feige findet, sondern die absichtliche Ansteckung an tuberkulösen Mitinsassen.
Als die ersten Zeichen der Krankheit da sind, malt er sich die Todesstunde aus: eine Überdosis Alkohol, die Arme einer früheren Geliebten, Rausch und Vergessen. Der letzte Satz segnet das Leben, das er ruiniert hat, unter der Bedingung, dass der Rausch bleibt. Fallada erzählt das Ich des Trinkers ohne Abstand und ohne Moralpredigt. Die Anstalt ist kein Sinnbild, sie ist eine Anstalt: Wärter, Regeln, die Macht, einen Menschen für immer festzulegen, weil er getrunken und gezürnt hat. Sommer versteht, was mit ihm geschieht, und kann es nicht aufhalten. Genau diese Klarheit macht den Untergang vollends.
Einordnung
Fallada hat den Roman aus der eigenen Alkoholkrankheit und aus der Haft geschrieben, nicht als Beichte für das Publikum, sondern als Arbeit, die die Gitter vergessen machen sollte. Die Stimme ist die des Kleinbürgers, der in Kleiner Mann – was nun? noch um Stellung und Ehe kämpft und hier beides schon verloren hat, bevor die erste Flasche leer ist. Gegenüber Jeder stirbt für sich allein, das den Widerstand im Alltag der Diktatur zeigt, bleibt Der Trinker unpolitisch im engen Sinn und politisch in einem anderen: Die Anstalt entscheidet über Zurechnungsfähigkeit, und der Staat von 1944 steckt in dieser Entscheidung. Der Text ist keine Anklage der Ärzte, er ist die Innenseite eines Mannes, der mitmacht, solange der Rausch trägt.
Die Fernsehfilme von 1967 mit Siegfried Lowitz und 1995 mit Harald Juhnke nach einem Buch von Ulrich Plenzdorf haben das Buch bekannt gehalten, indem sie das Gesicht des Trinkers zeigten. Juhnkes eigene Krankheit gab der zweiten Fassung eine Öffentlichkeit, die Fallada so nicht gemeint hat und die den Roman dennoch trifft. Die graphic novel von Jakob Hinrichs hat später Leben und Buch ineinandergezeichnet. Wer Fallada nur als Erzähler der kleinen Leute in der Krise liest, findet hier denselben Ton, nur ohne die Rettung durch Zärtlichkeit. Magda geht, das Geschäft geht, der Körper geht; übrig bleibt der Satz, der das Leiden segnet, wenn der Rausch die letzte Stunde füllt. Die Aufbau-Taschenbuchausgabe folgt der entzifferten Fassung.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
