Der Tag der Eule

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Leonardo Sciascia · 1961 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Der Tag der Eule
Autor(en): Leonardo Sciascia
Originaltitel: Il giorno della civetta
Originalsprache: italienisch
Erstveröffentlichung: 1961
Schlagwörter: Mafia, Sizilien, Omertà, Aufklärung
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Wagenbach


Umfang dieser Ausgabe: 144 Seiten
ISBN: 9783803126191
Verweise
Umschlag

Der Tag der Eule ist der Roman von Leonardo Sciascia, 1961 bei Einaudi erschienen, auf Deutsch zuerst 1964, heute bei Wagenbach. Im sizilianischen Ort S. wird am hellen Tag ein Mann erschossen, und niemand hat etwas gesehen. Sciascia hat damit, als die öffentliche Rede die Mafia noch zur Legende des Nordens erklärte, ihre Gestalt erzählt: nicht den Paten der späteren Filme, sondern das Schweigen, die Vernetzung bis nach Rom, die Aufklärung, die keine Verurteilung nach sich zieht. Der Autor selbst nannte den schmalen Band eine Erzählung. Er wurde sein eigentliches Debüt und das Urmodell des Mafia-Kriminalromans, ohne ein versöhnliches Ende.

Inhalt

Salvatore Colasberna, Mitbegründer einer Baugenossenschaft, fällt auf der Piazza, gerade als er in den Bus springt. Die Menge bildet sich, die Carabinieri fordern auf, auseinanderzugehen – und der Bus ist leer, Fahrer und Schaffner haben nichts gesehen, niemand war da. Capitano Bellodi, Carabiniere aus Parma, höflich auf eine Weise, die man im Süden für nördlich hält, begreift langsam, dass Colasberna Schutzgeld verweigert hat. Ein zweiter Toter, der Baumschneider Nicolosi, der den Mörder beim Spitznamen rief, soll ein Verbrechen aus Leidenschaft sein, Frau und Liebhaber, das beliebte Muster, mit dem sich alles erklären lässt. Bellodi sieht den Zusammenhang.

Der Spitzel Parrinieddu liefert Namen – Marchica, Pizzuco, Don Mariano Arena – und bezahlt den Verrat mit dem Leben. Bellodi spielt die Inhaftierten gegeneinander aus, bis Geständnisse sitzen: wer geschossen, wer gedungen hat. Arena, der lokale Boss, bleibt unbeeindruckt. Er ist bis in die Ministerebene verbunden, erkennt in Bellodi immerhin einen „Menschen“, eine Ehre, die er den Ermordeten nicht gewährt. In Rom flammt ein Skandal auf und verlischt. Zeugen mit tadellosem Ruf geben Marchica ein Alibi; die Mafia wird amtlich zur Erfindung erklärt; Nicolosis Tod fällt auf die Frau. Bellodi ist zu einem Prozess nach Bologna abkommandiert und liest die Niederschlagung in der Zeitung.

Er simuliert Krankheit, um nicht zurückzumüssen, und merkt in Parma, dass seine Freunde die Geschichten nicht als Entsetzen hören, sondern als südliches Schaudern. Da weiß er, dass er Sizilien liebt. Er wird zurückkehren, auch wenn er sich den Kopf einrennt. Die Eule im Titel kommt nicht aus der Weisheit, sondern aus Shakespeare: wer für die Hoffnung nicht fechten will, soll nach Hause ins Bett, wie bei Tag die Eule, und aufstehen als Gespött. Der Tag der Eule ist die Wirklichkeit, die die Schlafende nicht wahrnimmt – längst Normalität, und deshalb anzuprangern. Sciascia erzählt trocken, fast heiter, ohne den Trost, dass der Gerechte siegt. Der Leser kennt die Täter; das Gericht nicht.

Einordnung

Sciascia ist über die Hintertreppe des Kriminalromans in die Literatur gegangen und hat das Genre gekränkt: Wo die organisierte Gewalt Teil der Ordnung ist, bedeutet die Rückkehr zur Ordnung die Rückkehr zum Verbrechen. Bellodi klärt auf und richtet nichts aus. Das war 1961, ein Jahr vor der parlamentarischen Untersuchungskommission, und las sich später, nach der Ermordung Carlo Alberto dalla Chiesas, wie eine Vorwegnahme des norditalienischen Präfekten, der kämpft und verliert. Wagenbach hat den Band in der roten Reihe gehalten, 144 Seiten, die italienische Genauigkeit, die das Haus meinte, wenn es von Haltung sprach.

Wer nach diesem Buch Mafia nur als Geheimgesellschaft denkt, hat die Omertà nicht verstanden: das Schweigen der Piazza, nicht die Verschwörung im Keller. Wer nur den Kriminalroman will, findet die zentrifugale Wirklichkeit, Spuren, die nach allen Seiten weglaufen, und die machtlose Aufklärung, die sie nicht zurückholt. Neben Pirandello und Borges hat man Sciascia Labyrinthe nachgesagt; hier ist das Labyrinth die Insel, die den Staat als Fremden behandelt. Der Capitano bleibt am Leben. Das ist die einzige Milde. Sie ist keine Schonung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.