Der Schockwellenreiter

John Brunner · 1975 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Der Schockwellenreiter
Autor(en): John Brunner
Originaltitel: The Shockwave Rider
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1975
Schlagwörter: Identität, Netz, Wurm, Flucht
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Heyne


Umfang dieser Ausgabe: 394 Seiten
ISBN: 9783453042636
Verweise


Der Schockwellenreiter ist der 1975 erschienene Roman von John Brunner, im Original The Shockwave Rider. Ein junger Mann wechselt im amerikanischen Datennetz die Identität, weil der Staat die Begabten in Anstalten wie Tarnover aufzieht und das Netz jeden kennt. Brunner hat den Computerwurm erzählt, bevor es das offene Internet gab, und eine Gesellschaft, die an der Menge der Nachrichten krank ist – angeregt durch Alvin Tofflers Future Shock. Horst Pukallus übersetzte das Buch 1979 für Heyne; eine spätere Ausgabe der Bibliothek der Science-Fiction-Literatur hält den Text mit Nachwort. Es ist der Roman, in dem die Flucht nicht mehr über die Grenze führt, sondern durch die Akte.

Inhalt

Nick Haflinger ist aus Tarnover entkommen, einer Schule, die Kinder mit hohen Werten fängt und zu Werkzeugen der Verwaltung macht. Er stiehlt Identitäten, indem er das Netz belügt: neue Papiere, neue Biographie, neue Arbeit, solange die Abfrage nicht nachfasst. Das Amerika des einundzwanzigsten Jahrhunderts, das Brunner beschreibt, ist nicht zerstört; es ist überfüttert. Wer mithalten will, lässt sich anschließen; wer aussteigt, gilt als Verdacht. Nick wird zum Fachmann für das, was später Datenmissbrauch heißen wird, und zum Flüchtling vor demselben System, das ihn dazu ausgebildet hat. Die Episoden schneiden scharf: andere Namen, andere Städte, dieselbe Jagd.

In der Siedlung Precipice, einer Enklave der Langsamkeit, trifft er Menschen, die das Netz nicht als Lebensform wollen. Dort wird aus der Flucht ein Entschluss. Nick entwirft ein Programm, das sich selbst kopiert – im englischen Text ein Bandwurm, im Deutschen der Wurm –, und setzt es in das Netz, damit gespeicherte Geheimnisse öffentlich werden: Akten der Anstalten, der Konzerne, der Lügen, die das Tempo rechtfertigen. Der Wurm ist keine Waffe gegen Personen. Er ist eine Flut, die das Verheimlichte schwemmt. Brunner beschreibt damit eine Logik, die später Viren und Leaks heißen wird, ohne dass er diese Wörter als Marken braucht.

Die Jagd holt ihn ein; es kommt zu einer Anhörung, in der Nick das System mit dessen eigenen Mitteln stellt. Der Roman endet nicht mit der Zerstörung der Maschinen, sondern mit der Behauptung, dass Transparenz eine Politik sein kann, wenn das Netz sonst nur verwaltet. Ob Precipice hält, ob der Wurm sich zähmen lässt, bleibt offener als in späteren Netzromanen, die den Helden durch die Datenstadt jagen. Brunner schreibt in kurzen, hart geschnittenen Kapiteln, mit Einschüben aus Werbung, Verhören, Fachjargon. Die Form ahmt den Schock nach, den der Titel nennt: zu viele Nachrichten, zu wenig Halt, eine Identität, die nur noch eine Datei ist.

Einordnung

Brunner hat den Zukunftsroman vom Raumschiff auf die Infrastruktur geholt. Vor William Gibsons Neuromancer und Neal Stephensons Snow Crash steht hier das Netz als Herrschaft und als Werkzeug der Flucht zugleich. Gibson wird den Datenraum zur Stadt machen; Stephenson die Sprache zum Virus; Brunner macht die Akte zum Körper. Wer ihn nur als Vorläufer liest, unterschlägt, dass Der Schockwellenreiter die langsamere, politischere Frage stellt: nicht wie man im Datenraum kämpft, sondern wer die Dateien besitzt. Morgenwelt und Schafe blicken auf gehören in dieselbe Werkgruppe der großen Warnromane; dieses Buch ist das netzförmige unter ihnen.

Verfilmungen von Rang fehlen, und das hat dem Text genutzt: Er ist nicht zum Kostüm der achtziger Jahre geworden. Die deutsche Ausgabe blieb ein Heyne-Buch der Kenner, kein Schulstoff. Wer nach 1975 über Computerwürmer, Identitätsdiebstahl und die Erschöpfung durch Nachrichten spricht, spricht hinter diesem Reiter, auch wo die Technik des Romans analoger wirkt als unsere. Die Schockwelle ist nicht die Explosion. Sie ist das Tempo, das keine Biographie mehr trägt.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

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Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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