Der Pilz am Ende der Welt

Anna Lowenhaupt Tsing · 2015 · Sachbuch, Anthropologie


Das Werk
Deutscher Titel: Der Pilz am Ende der Welt
Autor(en): Anna Lowenhaupt Tsing
Originaltitel: The Mushroom at the End of the World
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2015
Schlagwörter: Prekarität, Ruine, Handel, Matsutake
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Matthes & Seitz


Umfang dieser Ausgabe: 445 Seiten
ISBN: 9783957575326
Verweise


Der Pilz am Ende der Welt. Über das Leben in den Ruinen des Kapitalismus erschien 2015, deutsch 2018 bei Matthes & Seitz. Anna Lowenhaupt Tsing folgt dem Matsutake – einem begehrten Speisepilz – durch Wälder, die keine Wildnis mehr sind, und durch Lieferketten, die keine reine Wirtschaft sind.

Inhalt

Der Matsutake wächst auf gestörten Böden, oft dort, wo Plantagen und Forstwirtschaft die Vielfalt gekappt haben. Er lässt sich nicht anbauen wie Weizen; er zwingt Sammler, Händler, Wissenschaftler, Köche in eine Zusammenarbeit, die Tsing weder als Idylle noch als bloße Ausbeutung liest. Oregon, Yunnan, Finnland, Japan: Dieselben Pilze, ungleiche Lagen. Prekarität ist hier nicht nur unsichere Lohnarbeit, sondern eine Lebensform in Landschaften, die der Fortschritt hinterlassen hat. Der Kapitalismus erscheint nicht als geschlossenes System, das alles durchdringt, sondern als Übersetzung, die an den Rändern auf das stößt, was er nicht herstellt: den Pilz, die Störung, die Gabe zwischen Sammlern.

Das Buch ist Ethnographie mit Theorie, erzählt in kurzen Kapiteln, die sich wie der Pilz myzelartig verzweigen. Tsing schreibt gegen die Skala des Fortschritts, auf der Ruinen nur Vorstufen der Erholung oder des Untergangs sind. Leben in den Ruinen heißt: merken, was noch wächst, ohne Trost und ohne Moralpredigt. Vermischung ist keine Verunreinigung des Reinen, sondern die Bedingung von Überleben. Die Kunst des Bemerkens – langsames Sehen, wo Inventare versagen – wird zur Methode der Anthropologie. Wer Tsing nur als Pilzbuch liest, unterschlägt die ältere Arbeit über indonesische Ränder. Wer nur die Theorie der Prekarität kennt, unterschlägt, dass hier ein Geruch, ein Preis, ein Waldstück die Begriffe tragen.

Die deutsche Ausgabe traf auf eine Debatte, die Haraways Verwandtschaft und Latours Hybride schon kannte und nun ein Feld brauchte. Seminare der Ethnologie und der Umweltgeisteswissenschaften haben den Band zum Kanon gemacht. Die Kritik nannte das zu essayistisch, zu kalifornisch, zu wenig Staat und Klasse im alten Sinn. Tsing hält dagegen, dass der Staat in diesen Wäldern oft als Forstbehörde und Grenzregime vorkommt, nicht als Souverän der Theorie. Die Ruine bleibt unbequem: Sie entschuldigt den Kapitalismus nicht, und sie verspricht keine andere Totalität.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt das Anthropozän eine Epochentaufe ohne Boden. Neben Unruhig bleiben steht Tsing als die, die Verwandtschaft im Handel sucht, nicht nur in der Erzählung. Wer nach 2015 von Prekarität spricht, ohne die Landschaften zu nennen, in denen sie wächst, spricht hinter diesem Band.

Ideen

Anthropozän (wichtig) · Prekarität (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.