Der Liebhaber des Vulkans

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Liebhaber des Vulkans
Autor(en): Susan Sontag
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Carl Hanser Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1992
Seitenanzahl: 548 Seiten
Originaltitel: The Volcano Lover. A Romance
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3446204318
ISBN-13/

EAN-Code:

9783446204317
Schlagwörter: Neapel, Sammeln, Revolution, Historischer Roman
Sachgebiete: Roman
Rezensionen

Der Liebhaber des Vulkans (englisch The Volcano Lover. A Romance) ist ein 1992 erschienener historischer Roman von Susan Sontag; die deutsche Ausgabe folgte 1993. Nach zwei Jahrzehnten vor allem essayistischer Arbeit war es Sontags Rückkehr zur Erzählprosa und ihr größter Publikumserfolg.

Inhalt

Erzählt wird die berühmteste Dreiecksgeschichte des späten 18. Jahrhunderts, allerdings ohne Namen: Der britische Gesandte am Hof von Neapel heißt durchweg „der Cavaliere“, seine zweite Frau „die Frau des Cavaliere“, der Admiral „der Held“. Gemeint sind Sir William Hamilton, Emma und Horatio Nelson. Ein Vorwort setzt den Ton: Die Erzählerin durchstreift einen Flohmarkt im heutigen Manhattan, ehe der Blick auf eine Londoner Auktion des 18. Jahrhunderts und in den Krater des Vesuv wechselt.

Im Zentrum steht zunächst das Sammeln. Der Cavaliere kauft Vasen, Gemälde und Antiken aus den frischen Grabungen von Pompeji und Herculaneum, besteigt immer wieder den Vulkan und lässt dessen Ausbrüche zeichnen. Nach dem Tod seiner ersten Frau Catherine tritt die junge Emma in sein Leben, die aus armen Verhältnissen kommt und zur gefeierten Attraktion Neapels wird; als Nelson nach seinem Sieg am Nil in die Stadt kommt, entsteht das Arrangement, das die drei bis zu Hamiltons Tod zusammenhält. Um sie herum ein Hof aus Vergnügen und Unfähigkeit: König Ferdinand, Königin Maria Carolina, dazu Reisende wie William Beckford und, im Vorübergehen, Goethe.

Dann bricht die Politik ein. Die kurzlebige neapolitanische Republik von 1799 wird mit Nelsons Hilfe blutig beendet, und aus dem Salonleben wird Mitwisserschaft an Hinrichtungen. Ein Nachspiel gibt vier Frauen das Wort, die auf ihr Sterben zurückblicken – zuletzt der Dichterin und Revolutionärin Eleonora de Fonseca Pimentel, die am Galgen endet. Ihre Abrechnung stellt die eleganten Hauptfiguren vom Kopf auf die Füße: Der Roman schließt nicht mit dem Liebespaar, sondern mit der Stimme einer Hingerichteten.

Einordnung

Der Untertitel „A Romance“ ist ironisch gemeint; Sontag erzählt eher eine Anti-Romanze und benutzt den historischen Stoff, um über Sammelleidenschaft, Schaulust und die Verantwortung von Gebildeten in politischen Umbrüchen nachzudenken. Die typisierten Figurennamen halten die Personen auf Distanz und rücken sie in die Nähe von Allegorien. Das Buch wurde international gelobt und blieb neben In Amerika (2000) Sontags bekanntestes erzählerisches Werk.