Der Hofmeister


Das Werk
Deutscher Titel: Der Hofmeister
Autor(en): Jakob Michael Reinhold Lenz


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1774
Schlagwörter: Hofmeister, Stände, Erziehung, Schande
Sachgebiete: Drama
Greifbare Ausgabe
Verlag: Reclam


Umfang dieser Ausgabe: 125 Seiten
ISBN: 9783150013762
Verweise


Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung ist die Komödie von Jakob Michael Reinhold Lenz, 1774 gedruckt, 1778 in Hamburg uraufgeführt. Der Titel lügt freundlich: Die Vorteile der Privaterziehung sind Demütigung, Verführung und eine Groteske, die als heile Ordnung endet. Lenz hat den Hauslehrer auf die Bühne gestellt, den das Jahrhundert in jedes Adelsgut schickte, und ihm keine Würde gelassen, die das Haus nicht zerbricht.

Inhalt

Läuffer, ein Theologe ohne Amt, wird Hofmeister im Haus des Majors von Berg in Insterburg. Er soll den Sohn unterrichten und gilt im selben Atem als Bedienter: Er isst mit den Kindern, wird gescholten wie ein Knecht, von der Majorin in den Rang gedrückt, den das Gehalt bezeichnet. Gustchen, die Tochter des Hauses, bleibt zurück, während Fritz, der Vetter, den sie liebt, auf die Universität geht. Die Korrespondenz der beiden hält eine zärtliche Ordnung aufrecht, die das Haus nicht kennt. Läuffer, zwischen Latein und Demütigung, hat keine Sprache, die ihm einen Ort gäbe. Die »Vorteile« der Privaterziehung zeigen sich als Nähe ohne Schutz: derselbe Raum für den Lehrer und das Mädchen, dieselbe Langeweile, dieselbe Aufsicht, die nichts sieht, weil sie den Hofmeister nicht für einen Mann hält.

Fritz studiert mit dem Freunde Pätus, der Schulden, Weiber und Philosophie durcheinanderbringt und später bessert; die Universitätsakte ist die komische Gegenwelt zum Gut. Auf dem Gut wird aus der Nähe die Tat. Gustchen, einsam und im Spiel der Stände verloren, gibt sich Läuffer hin und wird schwanger. Der Hofmeister flieht, nicht als Verführer von Format, sondern als Erschrockener, der die Schande kennt, bevor sie ausgesprochen ist. Gustchen gebiert, verzweifelt und will sich ertränken; der Vater findet sie und das Kind. Die Familie, die den Lehrer als Sache gehalten hat, entdeckt zu spät, dass Sachen Kinder zeugen. Lenz mischt die Farce der Studenten mit dieser Katastrophe, ohne eine zu entschuldigen.

Läuffer gerät zum Dorfschulmeister Wenzeslaus, einem Pedanten mit gutem Herzen, und kastriert sich selbst, als die Angst vor der Lust und vor der Verfolgung keinen anderen Ausweg mehr lässt. Wenzeslaus verheiratet ihn mit der Bauernmagd Lise; der Verschnittene darf nun unterrichten, ohne das Haus zu gefährden. Gustchen wird gerettet, Fritz kehrt, die Adelsfamilie schließt sich, als wäre die Ordnung wiederhergestellt. Die Komödie hat ihr versöhnliches Ende und ist grausamer als jedes Trauerspiel: Der Stand bleibt, der Lehrer ist unschädlich gemacht, das Kind existiert am Rand. Lenz zeigt nicht, wie ein Held fällt, sondern wie ein System einen Menschen so lange biegt, bis die Selbstverstümmelung als Lösung gilt.

Einordnung

Lenz hat mit diesem Stück das soziale Drama eröffnet, das die Klassik nicht wollte: offene Form, viele Orte, gemischte Töne, der Geringe als Mitte. Neben Schillers Kabale und Liebe steht der Hofmeister als die härtere Probe auf denselben Ständekonflikt – ohne Pathos, mit der Komödie als Waffe. Die Soldaten führen das Verfahren in die Garnison; Woyzeck wird den Geringsten später nicht einmal mehr die Farce lassen. Brecht hat das Stück 1950 bearbeitet und die Lehre verdeutlicht, die Lenz schon in der Groteske hatte. Der Sturm und Drang schreit anderswo; hier ist der kältere Ton: Erziehung als Herrschaft, die sich Vorteile nennt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.