Der Gang vor die Hunde

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der Gang vor die Hunde
Autor(en): Erich Kästner
Herausgeber: Sven Hanuschek
Erscheinungsort:
Verlag: Atrium
Serie:
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 313 Seiten
Originaltitel: Der Gang vor die Hunde
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3038820016
ISBN-13/

EAN-Code:

9783038820017
Schlagwörter: Berlin, Urfassung, Moral, Weimar
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Der Gang vor die Hunde ist die 2013 bei Atrium erschienene Rekonstruktion der Urfassung von Erich Kästners Roman, den die Deutsche Verlags-Anstalt 1931 gekürzt als Fabian herausbrachte. Sven Hanuschek hat nach dem Marbacher Typoskript die gestrichenen Stellen – erotische Deutlichkeit, die Busfahrt am Brandenburger Tor, die Blinddarmnarbe des Chefs – wieder eingesetzt und die Vor- und Nachworte Kästners beigegeben. Der von Kästner gewünschte Titel stand, so schrieb er 1946, schon 1931 auf dem Umschlag, bis der Verlag ihn für untragbar hielt. Wer Fabian kennt, liest hier denselben Moralisten in Berlin, nur ungedämpfter; wer Kästner nur als Autor von Emil und die Detektive kennt, trifft den Erwachsenen, der nicht tröstet.

Inhalt

Jakob Fabian, promovierter Germanist, schreibt Reklame in Berlin, treibt nachts durch Keller und Ateliers und wartet auf den Sieg der Anständigkeit, den er nicht mehr glaubt. Der Studienfreund Stephan Labude habilitiert über Lessing und will die Menschheit bessern; Fabian will nur sich selbst bessern und verliert auch das. Er begegnet der Juristin Cornelia Battenberg, fasst Liebe und Ehrgeiz; Cornelia geht zum Film und in das Bett eines Produzenten, als Opfer, wie sie sagt. Fabian löst die Bindung. Labude erschießt sich, weil ein Assistent ihm fälschlich die Ablehnung der Habilitation gemeldet hat; die Arbeit war angenommen. Fabian fährt zur Mutter nach Dresden, lehnt eine Stelle bei einer rechten Zeitung ab und ertrinkt, als er einen Jungen aus der Elbe zieht, der schwimmen kann.

In der Urfassung bleibt, was 1931 zu viel war. Der Chef Breitkopf zeigt im Büro die entzündete Blinddarmnarbe; Fabian sagt ihm, nicht jeder habe die Geschmacklosigkeit, die Stenotypistinnen über den Schreibtisch zu legen. Die Stelle ersetzte der Druck durch eine erfundene Meldung aus Kalkutta und den Satz, wahr sei, was man nicht so bald widerlegen könne. Fabian und Labude fahren im Omnibus, machen aus dem Brandenburger Tor einen Verkehrsturm und aus den Quadrigen ein Denkmal für die letzten Droschken; die Fahrgäste wollen prügeln. In Dresden nimmt der Stahlhelm-Mann Wenzkat Fabian ins Bordell mit, wo eine Prostituierte ein Gummiglied zeigt; der Druck strich die Deutlichkeit und die Pointe, dass politische Härte und sexuelle Grausamkeit zusammengehören. Irene Moll und die Nächte bleiben, nur näher am Körper.

Kästner schrieb von Herbst 1930 bis Juni 1931, gehetzt von der Furcht, andere kämen ihm mit demselben Berlin zuvor. Der Lektor Curt Weller nannte das Manuskript ein Menetekel und verlangte Kürzungen; binnen zwei Wochen lag die entschärfte Fassung vor. Titelkandidaten waren Saustall, Jugend im Vacuum, Wartesaal; ein Verlagsmann schlug Fabian. Die Geschichte eines Moralisten vor. Das Typoskript bei der Mutter Ida überstand den Krieg; Hanuschek hat es 2013 lesbar gemacht und die Unterschiede verzeichnet. Die Handlung ändert sich nicht, die Schärfe schon: Berlin vor 1933 ist nicht nur pleite und politisch, es ist auch fleischlich, und beides gehört zusammen.

Einordnung

Neben Fabian in der bekannten Gestalt steht hier kein zweiter Roman, sondern derselbe ohne den Filter des Jahres 1931. Die Bücherverbrennung traf Kästner trotzdem; die gestrichenen Sätze hätten daran wenig geändert. Dominik Grafs Film Fabian oder Der Gang vor die Hunde (2021) arbeitet mit der ungekürzten Linie und der Atemlosigkeit der Stadt; Wolf Gremm hatte 1980 die gedruckte Fassung. Hernán D. Caro schrieb in der FAZ, die Rekonstruktion kehre das Verständnis nicht um, biete aber den Anlass, den Stadtroman der Republik wieder zu lesen. Das ist fair: Die Sensation von 2013 war kleiner als die Werbung, der Gewinn bleibt der Ton.

Hanuschek will den Text, »wie er vom Autor geplant und gemeint war«. Geplant war 1931 auch der Kompromiss, den Kästner selbst lieferte; gemeint war der Titel vom Gang vor die Hunde, den er später bekräftigte. Atrium in Zürich, Kästners Haus, hat die Ausgabe zum Verkaufserfolg gemacht. Wer die Republik lesen will, die sich selbst nicht mehr glaubte, kann bei Fabian anfangen; wer hören will, was der Verlag den Sittenrichtern schuldig zu sein glaubte, liest diese Fassung danach. Der Moralist ertrinkt in beiden. Die Urfassung lässt ihn vorher deutlicher sagen, dass das Leben, das die Anständigen meinen, die Tippfräulein auf dem Schreibtisch sind.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.