Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens |
| Autor(en): | Ines Geipel |
| Originaltitel: | Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2012 |
| Schlagwörter: | Amok, Schule, Gewalt, Nachahmung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Klett-Cotta
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| Umfang dieser Ausgabe: | 343 Seiten |
| ISBN: | 9783608946277 |
| Verweise | |
Der Amok-Komplex oder die Schule des Tötens ist das 2012 bei Klett-Cotta erschienene Sachbuch von Ines Geipel über fünf Gewalttaten und das Lernen der Täter voneinander. Geipel hatte 2004 bereits den Amoklauf von Erfurt literarisch-dokumentarisch behandelt; hier weitet sie den Blick auf Port Arthur, Erfurt, Emsdetten, Winnenden und die Insel Utøya. Unveröffentlichte Akten, Polizeifunk und Gespräche mit Überlebenden und Angehörigen tragen die Darstellung. Der Untertitel nennt das Programm: Töten als Schule, nicht als Ausbruch eines Einzelnen. Michael Hanfeld nannte das Buch in der Frankfurter Allgemeinen ein Fanal; andere warnten vor Furor und gewagten Verknüpfungen.
Inhalt
Geipel schreibt gegen die Rede vom unverständlichen Einzeltäter und gegen die Beruhigung, nach jeder Tat sei das Nötige gelernt. Amok, so die Behauptung, ist zum globalen Handlungsmodell geworden. Junge Täter studieren Vorgänger, übernehmen Wege, Waffen, Ankündigungen, den Wunsch, Bilder zu hinterlassen. Die Gesellschaft antwortet mit Protokollen, die selbst zur Lehre werden: wie die Polizei ein Gebäude flutet, wie Medien Namen nennen oder verschweigen, wie Angehörige allein bleiben. Geipel seziert nicht zuerst Motive im seelischen Innern, sondern den Weg, den eine Tat nimmt, und den Unterricht, den die nächste daraus zieht. Die Empathie gilt den Opfern und, riskant, dem Verstehen der Täter, ohne sie zu entschuldigen.
Die fünf Stationen tragen die Behauptung. In Port Arthur 1996 dient das britische Dunblane als Vorlage. In Erfurt 2002 ist Columbine das Vorbild; Familie, Schule und Polizei sind überfordert, der Funk dokumentiert das Zögern, aus dem später die Lehre wurde, sofort einzudringen. In Emsdetten 2006 rücken Bildschirmspiele, Netz und Demütigung in der Schule ins Bild; der Täter kündigt sich an. In Winnenden 2009 stehen Versager gegen Gewinner, Zeugenvernehmungen und die Waffendebatte; ein Bündnis zur Vorbeugung entsteht, das künftige Taten verhindern soll und die Schule des Tötens nicht abbricht. Auf Utøya 2011 ändert sich die Umgebung: der Täter überlebt, gibt sich politisch, spricht von Zuwanderung und von einem Land, das sich geöffnet habe. Zwischen den deutschen Kapiteln liegt ein Zwischenspiel, das die Luft der Jahre zusammenzieht.
Unsicher wird das Buch, wo aus fünf Taten eine Kulturtheorie wird. Verena Mayer tadelte in der Süddeutschen, Geipel traue den Quellen nicht und öffne ein Fass über Angstkultur, ein oberstes System der Zerstörung, Nationalsozialismus, DDR und den Ersten Weltkrieg. Hanfeld fand manches mit Verschwörungsnähe überfrachtet und das Faktenstakkato ermüdend, den Atem gleichwohl zwingend. Pieke Biermann lobte die Verschränkung von Recherche, Psychoanalyse, Neuropsychologie und Kriminologie. Die Gegenposition, jede Tat sei idiosynkratisch und Nachahmung nur ein Medienartefakt, kommt als Naivität vor. Der Ton ist emphatisch, nah an der literarischen Reportage, die Geipel seit Erfurt erprobt. Die Grenze zwischen Dokumentation und Deutung bleibt umkämpft; sie ist der Preis der Form.
Einordnung
Geipel steht zwischen Journalismus, Literatur und Zeitgeschichte. Das Buch gehört zur Literatur über schulische Massentötungen nach Columbine und neben den behördlichen Abschlussberichten, die es benutzt und überbietet. Nachbarschaft hat es zu ihrer Erfurt-Schrift und zu einer ostdeutschen Autorinnenposition, die Gewalt nicht nur als westliches Importproblem liest. Es ist Bestandsaufnahme und Ursachenforschung, sagte der Tagesspiegel; die Saarbrücker Zeitung rühmte den Ton, der Journalismus und Dichtung mische, um der Wahrheit näherzukommen.
Die öffentliche Aufnahme war breit, die fachliche zwiespältig. Geblieben ist der Satz, dass Amokschützen voneinander lernen, und die unbequeme Folge, dass auch Einsatz und Berichterstattung unterrichten. Wer nach 2012 über Erfurt, Winnenden und die Schule des Tötens spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn. Die Klett-Cotta-Ausgabe hat den Furor gehalten; er trifft eine Gesellschaft, die nach jeder Tat Reformen verspricht und das Modell nicht abschafft.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
