De Cive

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: De Cive
Autor(en): Thomas Hobbes
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Erscheinungsjahr: 1642
Seitenanzahl: 803 Seiten
Originaltitel: De Cive
Originalsprache: lateinisch
ISBN-10: 3150186013
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150186015
Schlagwörter: Naturzustand, Bürger, Vertrag, Herrschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

De Cive (lateinisch Über den Bürger) ist die 1642 in Paris erschienene Staatsschrift von Thomas Hobbes. Sie sollte der dritte Teil seines Systems der Elementa philosophiae werden, nach der Lehre vom Körper und der Lehre vom Menschen, entstand aber zuerst, weil der englische Bürgerkrieg keine Geduld für die vorgelagerte Naturlehre ließ. Hobbes beschreibt den Naturzustand als Krieg aller gegen alle und den Staat als Vertrag, in dem jeder aus Eigennutz einen Teil der natürlichen Freiheit an einen Herrscher abtritt. Die Schrift ist der philosophische Vorläufer des Leviathan, knapper, lateinisch und an Gelehrte gerichtet. Die zweisprachige Reclam-Ausgabe hält den Wortlaut von 1647 und die deutsche Stimme zusammen.

Inhalt

Hobbes schreibt gegen die Vorstellung, der Mensch sei von Natur ein geselliges Wesen und der Staat wachse aus Frömmigkeit, Herkommen oder aristotelischer Tugend. Im Naturzustand gilt kein sittliches Gesetz, das den Einzelnen zum Gehorsam verpflichtete; was man Naturrecht nennt, sagt nur, wie man sich aus Eigennutz am besten erhält. Jeder hat ein Recht auf alles, auch auf den Leib des anderen, und weil die Kräfte nahe beieinanderliegen, wird aus diesem Recht der Krieg. Furcht vor dem gewaltsamen Tod, nicht Liebe zum Gemeinwesen, treibt die Menschen in den Vertrag. Wer den Bürger aus dem von Natur staatlichen Lebewesen ableitet, verwechselt die Wirkung des Staates mit seiner Ursache. Hobbes kehrt die Reihenfolge um: erst der Krieg, dann die künstliche Person der Herrschaft.

Die Schrift gliedert sich in Freiheit (Libertas), Herrschaft (Imperium) und Religion (Religio). Im ersten Teil entfaltet Hobbes den Naturzustand und die natürlichen Gesetze, die Klugheitsregeln der Selbsterhaltung sind, keine Gebote Gottes an das Gewissen. Im zweiten Teil folgt die Notwendigkeit einer ungeteilten obersten Gewalt: Monarchie, Aristokratie und Demokratie unterscheidet er nach der Zahl der Herrschenden, nicht nach einer sittlichen Rangordnung; entscheidend ist, dass die Gewalt nicht mit sich selbst Krieg führt. Der Bürger hat das Recht, den Befehl zu verweigern, der ihn unmittelbar zu töten zwingt, aber kein Recht auf Widerstand im Namen einer höheren Gerechtigkeit. Der dritte Teil untermauert dieselben Sätze mit der Schrift: das Reich Gottes nach der Natur, nach dem alten und nach dem neuen Bund soll zeigen, dass Offenbarung den Leviathan nicht entmachtet. 1647 antwortet Hobbes in Anmerkungen auf Einwände; die Lehre bleibt, der Ton wird schärfer.

Unsicher wird das Buch, wo die Religion zugleich Stütze und Sprengsatz der Herrschaft ist. Hobbes braucht die theologische Bestätigung und fürchtet die Gewissensfreiheit, die den Bürgerkrieg nährt. Die englische Übertragung von 1651 entstand ohne sein Mitwirken; der Leviathan nimmt denselben Stoff ins Englische und ins Bild des sterblichen Gottes hinüber, mit reicherer Psychologie und schärferer Kirchenpolitik. De Cive bleibt die lateinische Rüstung: systematisch, juridisch, weniger mythisch. Der Vertrag steht hier noch als Lehrsatz unter Gelehrten, nicht als Schrecken auf dem Titelkupfer. Die Grenze der Schrift liegt darin, dass sie den Bürger denkt, bevor sie den Menschen als Körper und Leidenschaft vollständig ausgearbeitet hat – ein dritter Teil, der den ersten beiden vorauseilte.

Einordnung

Ohne De Cive wäre der Leviathan ein anderer Text. Die Pariser Erstausgabe von 1642 und die erweiterte Amsterdamer von 1647 stehen am Beginn der neuzeitlichen Vertragslehre, noch bevor das englische Hauptwerk den Souverän zum Ungeheuer machte. Niccolò Machiavellis Der Fürst hatte die Herrschaft von der Tugend gelöst; Hobbes löst sie vom höchsten Gut und bindet sie an die Furcht. John Locke und später Jean-Jacques Rousseau schreiben gegen diesen Naturzustand an, indem sie ihn milder oder sittlich aufladen. Die Rezeption hat lange den Leviathan vorgezogen und De Cive als Vorstudie gelesen; die neuere Forschung nimmt die lateinische Systemstelle ernst.

Geblieben ist der Satz, dass Sicherheit nicht aus der Natur des Menschen folgt, sondern aus einer künstlichen Einheit der Gewalt. Die Reclamausgabe macht den lateinischen Bürger wieder lesbar, ohne den englischen Leviathan zu ersetzen. Naturzustand, Vertrag und ungeteilte Souveränität sind seither das Vokabular, in dem man Hobbes zustimmt oder ihm widerspricht. Die Schrift hält diesen Wortschatz fest, bevor das Ungeheuer ihn ins Bild zog.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.