Das immaterielle Erbe
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Das immaterielle Erbe |
| Autor(en): | Giovanni Levi |
| Originaltitel: | L'eredità immateriale: Carriera di un esorcista nel Piemonte del Seicento |
| Originalsprache: | italienisch |
| Erstveröffentlichung: | 1985 |
| Schlagwörter: | Mikrogeschichte, Bauern, Piemont, Exorzismus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Wagenbach
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| Umfang dieser Ausgabe: | 192 Seiten |
| ISBN: | 9783803135278 |
| Verweise | |
Das immaterielle Erbe. Eine bäuerliche Welt an der Schwelle zur Moderne ist die 1985 bei Einaudi erschienene mikrohistorische Untersuchung von Giovanni Levi, 1986 deutsch bei Wagenbach. Der italienische Titel nennt die Karriere eines Exorzisten im Piemont des siebzehnten Jahrhunderts. Levi wählt den Ort Santena bei Turin zwischen 1672 und 1709, einen alltäglichen Schauplatz, um soziale Beziehungen, Strategien und das Verhältnis der nichtelitären Schichten zur Herrschaft zu rekonstruieren. Pfarrregister, Notariatsakten, Kataster und Verwaltungsunterlagen fügen Einzelschicksale zum lokalen Zusammenhang. Das Buch gilt neben Carlo Ginzburgs Der Käse und die Würmer als Gründungstext der Mikrogeschichte.
Inhalt
Levi schreibt gegen das Bild einer unbeweglichen, der Obrigkeit ausgelieferten Bauernschaft, die nur traditionelle Werte kenne und die Moderne erleide. Die untere Schicht sei nicht bloßes Objekt der Eliten; sie habe in der Auseinandersetzung mit Feudalität, Markt und absolutem Staat eigene Strategien verfolgt. Neue soziale Systeme entstünden nicht nur durch zentralisierende Macht, sondern durch aktive Anpassung von unten. Levi spricht den einfachen Leuten eine spezifische Rationalität zu, die nicht in reiner Ökonomie aufgeht: selektive Vernunft zwischen Freiheit und Zwang. Die bäuerliche Welt war von Wandel geprägt, homogen und heterogen je nach Lage, nicht statisch und verborgen.
Die Behauptung entfaltet sich an Giovan Battista Chiesa, Pfarrer und unentgeltlicher Exorzist, und an den Familien Perrone, Cavagliato und Domenino. Chiesa heilte und predigte ohne Erlaubnis der Oberen, zog Zulauf auf sich, wurde 1697 verhaftet und der Seelsorge enthoben; danach verschwindet er aus den Quellen. Der Vater Giulio Cesare Chiesa hatte über vierzig Jahre als Bürgermeister, Notar und Richter zwischen savoyischer Zentrale, Adel, Chieri und Bauern vermittelt; das Ansehen, das der Sohn erben wollte – das immaterielle Erbe –, zerrann in Geldgeschäften, Krieg und rivalisierenden Gewalten. Grundstückstausch, Verwandtschaft, Bündnisse und Frieden ohne finanziellen Ausgleich zeigen, dass ökonomische Entscheidungen der sozialen Welt untergeordnet waren. Ziel war Vorhersehbarkeit, nicht Gewinnmaximierung: möglichst konstante, nicht möglichst große Ergebnisse.
Unsicher wird das Buch, wo Chiesa als Rahmen dient und der größte Teil Wirtschaft, Verwandtschaft und Politik gilt. A. D. Wright vermisste den direkten Bezug zum Exorzisten und fand die Analysen schwer verständlich; als neue Erkenntnis bleibe vor allem der fiskalische Zugriff des Staates. Stephen Greenblatt unterschied Levi von Ginzburg und Natalie Zemon Davis: Statt Innerlichkeit eines Subjekts konstruiere er typische Strategien und ein kulturelles Modell. Laurie Nussdorfer rückte die quantitative Methode nah an die Schule der Annales, von der Levi sich theoretisch abgrenzte. Die Gegenposition ist eine Makrogeschichte der Staatsbildung, die lokale Vermittler nur als Fußnote kennt.
Einordnung
Francesca Trivellato stellt den Band an den Beginn der weiten Verbreitung der Mikrogeschichte. William Monter sah Levi zwei heilige Kühe schlachten: die zusammenlebende Familie als Konstante und den Marktpreis als reinen Wert der Grundstücke. Das Werk genießt in der Fachliteratur hohes Ansehen; die deutsche Wagenbach-Ausgabe hat es in die mitteleuropäische Diskussion geholt. Nachbarschaft hat es zu Ginzburg und Davis, methodisch aber als Modellbau, nicht als Dichtebeschreibung einer Seele. Es bleibt Untersuchung des sozialen und politischen Hintergrunds einer piemontesischen Gemeinde im Übergang.
Das Missverständnis ist, hier die Biographie eines Exorzisten oder eine Widerlegung der Wirtschaftsgeschichte zu erwarten. Levi zeigt, wie Prestige, Verwandtschaft und Heilung ineinanderliegen und wie Bauern Politik treiben. Geblieben ist die Zumutung, Rationalität der Unterschicht nicht für Rückständigkeit zu halten. Wer nach 1985 über Mikrogeschichte, bäuerliche Strategien und die Krise der Feudalität spricht, spricht hinter diesem Erbe.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
