Das Geheul

Allen Ginsberg · 1956 · Versepos


Das Werk
Deutscher Titel: Das Geheul
Autor(en): Allen Ginsberg
Originaltitel: Howl and Other Poems
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1956
Schlagwörter: Beat, Amerika, Sexualität, Anklage
Sachgebiete: Versepos
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 48 Seiten
ISBN: 9783499236754
Verweise


Das Geheul ist das lange Gedicht von Allen Ginsberg, das er am 7. Oktober 1955 in der Six Gallery in San Francisco vortrug und 1956 bei City Lights in San Francisco als Band Howl and Other Poems druckte. Die deutsche Erstausgabe erschien 1959 im Limes Verlag in Wiesbaden unter dem Titel Das Geheul; spätere zweisprachige Ausgaben halten Original und Übertragung nebeneinander. Das Gedicht ist Carl Solomon gewidmet, den Ginsberg in der psychiatrischen Anstalt kennengelernt hatte. Es hat der Beat-Generation die Stimme gegeben, die aus dem privaten Rausch eine öffentliche Anklage machte.

Inhalt

Der erste Teil zählt die Freunde und Verlorenen auf, die Ginsberg als die besten Köpfe seiner Generation bezeichnet: sie irren durch die Städte, nehmen Drogen, schlafen miteinander, landen in Anstalten, zerbrechen an der Arbeit und an der Langeweile des Nachkriegsamerikas. Die lange Zeile, dem Atem und Walt Whitman abgeschaut, trägt Namen, Straßen, Jazzkeller und Zusammenbrüche, ohne sie in Strophen zu zähmen. Es ist ein Katalog des Schadens, der sich als Hymne tarnt. Wer hier nur die Biographie einer Clique sucht, verfehlt, dass die Aufzählung eine Gesellschaft meint, die ihre Abweichenden wegsperrt und ihre Künstler verhungern lässt.

Der zweite Teil ruft Moloch an: die Fabrik, die Kaserne, den Staat, das Geld, die Maschine, die das Opfer verlangt. Moloch ist nicht der alte Gott allein, er ist die Stadt, die ihre Kinder frisst, während sie vom Fortschritt spricht. Der dritte Teil wendet sich direkt an Carl Solomon im Rockland Hospital: Ginsberg ist mit ihm, wiederholt den Satz wie einen Refrain, bis aus der Anstalt eine Gemeinsamkeit wird. Das Gedicht endet nicht mit Heilung; es endet mit der Behauptung, dass die Verrückten einander nicht verlassen. Die Fußnote, oft mitgedruckt, heiligt alles, was der mittlere Teil verflucht hat – den Körper, den Rausch, die Stadt –, und macht aus der Lästerung eine Liturgie.

Ginsberg hat den Text nach der Lesung überarbeitet, gestrichen, erweitert; die Druckfassung ist nicht das Stenogramm des Abends. Lawrence Ferlinghetti nahm den Band in die Pocket Poets Series, und 1957 beschlagnahmte der Zoll Exemplare. Der Prozess gegen Ferlinghetti wegen Unzüchtigkeit endete mit Freispruch: Das Gedicht habe gesellschaftlichen Wert. Genau dieser Satz, in San Francisco gesprochen, ist nach Europa gewandert. Die deutschen Übertragungen – zuerst Rudolf Wittkopf und Wolfgang Fleischmann, später Carl Weissner und andere – mussten den Atem der Zeile halten, ohne die Derbheit zu glätten. Wo sie glätteten, verlor das Geheul die Beleidigung, die es braucht.

Einordnung

Howl hat die Lyrik der fünfziger Jahre aus dem Seminar auf die Bühne geholt und der Bundesrepublik, verspätet, ein amerikanisches Modell der Unangepasstheit geliefert. In den Vereinigten Staaten steht der Prozess neben dem gegen Lady Chatterley und Wendekreis des Krebses: nicht der Staat als Index, sondern die Sitte als Strafrecht. In Deutschland war die Wirkung weniger ein Verbot als eine Erlaubnis – die lange Zeile, der offene Körper, die politische Klage in der Form des Psalms. Wer Ginsberg nur als Märtyrer der Zensur liest, unterschlägt die Arbeit am Vers; wer nur den Vers nimmt, unterschlägt, dass ohne den Prozess das Gedicht eine Privatsache geblieben wäre. Nach diesem Band ist die Grenze zwischen Dichtung und Anstoß in der Nachkriegskultur neu gezogen: nicht verschwunden, aber öffentlich verhandelt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.