Das Finanzkapital
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Das Finanzkapital |
| Autor(en): | Rudolf Hilferding |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Europäische Verlagsanstalt |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1910 |
| Seitenanzahl: | 512 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3434450149 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783434450146 |
| Schlagwörter: | Bank, Monopol, Aktie, Imperialismus |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Wirtschaftswissenschaft |
| Rezensionen | |
Das Finanzkapital ist die 1910 in Wien bei der Volksbuchhandlung Ignaz Brand erschienene Studie von Rudolf Hilferding über die jüngste Entwicklung des Kapitalismus. Hilferding, marxistischer Ökonom und später zweimal Reichsfinanzminister, untersucht, wie Aktienwesen, Banken und Monopole den Kapitalismus der freien Konkurrenz in eine neue Phase überführen. Karl Kautsky nannte das Buch den vierten Band des Kapitals, Otto Bauer das Werk, auf das man lange gewartet habe. Wladimir Iljitsch Lenin stützte darauf Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus und sprach von einer höchst wertvollen theoretischen Studie. Die Europäische Verlagsanstalt hat den Text in der deutschen Arbeiterbewegung gehalten.
Inhalt
Hilferding schreibt gegen die Auskunft, der Kapitalismus der Konkurrenz sei die bleibende Form, und gegen eine Ökonomie, die Börse und Bank als Randerscheinungen behandelt. Die Aktiengesellschaft löst das Eigentum von der Leitung; das Geldkapital der vielen wird Verfügungsmacht der wenigen. Banken sammeln Einlagen, geben Kredit, übernehmen Emissionen und sitzen in Aufsichtsräten; sie verschmelzen mit der Industrie zum Finanzkapital, das Hilferding als Bankkapital in seiner Verwandlung zu industriellem Kapital bestimmt. Kartelle und Trusts schränken die Konkurrenz ein, verdrängen kleine Unternehmer und zwingen den Staat, Zölle und Expansion zu sichern. Der freie Markt weicht der Organisation; der anarchische Kapitalismus tendiert zum organisierten.
Die Konflikte der Kapitalfraktionen – Industrie gegen Handel, Börse und Bank gegen Fabrik – werden nicht moralisch, sondern als Bewegung der Verwertung gelesen. Der Export von Kapital folgt der Sättigung des Binnenmarktes; Kolonie und Einflusszone werden Anlagefelder. Die Börse erscheint als sichtbare Bühne einer Macht, die in den stillen Verträgen der Banken ihren Halt hat. Hilferding beansprucht werturteilsfreie Analyse, gleichrangig der akademischen Nationalökonomie; Giulio Pietranera hat später die Integrationsleistung gerühmt, die Brücke zwischen marxscher und nichtmarxscher Theorie. Der Ton ist schulmäßig, begrifflich, ohne Agitation. Die spektakulären Vorgänge der Börse stehen im Vordergrund, weil sie die neue Herrschaft anzeigen, nicht weil Hilferding den Spekulanten anklagt.
Unsicher wird die Konstruktion, wo die Verschmelzung von Bank und Industrie zur Alleinherrschaft eines Konzerns fortgeschrieben wird, die so nicht eintritt, und wo der demokratische Staat später als Hebel der Vergesellschaftung erscheinen kann – eine Wendung, die Hilferding nach 1910 stärker betont hat als im Buch selbst. Die Zinstheorie und die Ableitung der Krisen sind streitig geblieben. Eine Lesart, die nur Lenin darin sieht, verfehlt Kautsky und die Revisionismusdebatte, in der Hilferding stand; eine, die nur die Bankmacht sieht, verfehlt die Theorie des Monopols als Phase, nicht als Sünde.
Einordnung
Als das Buch erschien, fand es bei Marxisten Beifall und wurde zur Grundlage der Imperialismustheorie der Zweiten Internationale. Lenin übernahm Konzentration, Finanzkapital und Kapitalexport, wendete sie aber gegen Kautskys Ultraimperialismus und auf den Krieg. Fred Oelßner hat in der DDR eine bedeutsame Weiterentwicklung der marxschen Ökonomie darin gesehen. Nachbarschaft hat der Text zu Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, dessen Wert- und Mehrwertlehre vorausgesetzt wird, und zu Lenins Imperialismusschrift, die ihn popularisierte und verkürzte. Die These vom staatsmonopolistischen Kapitalismus hat hier einen ihrer Ursprünge.
Das Missverständnis liegt darin, Hilferding zum bloßen Vorläufer Lenins oder zum Theoretiker einer allmächtigen Bankenkabale zu machen. Er analysiert eine Phase, in der Kredit und Aktie die Konkurrenz aufheben und den Staat in die Verwertung ziehen. Geblieben ist der Begriff des Finanzkapitals – und die Einsicht, dass die spektakuläre Börse die stillere Macht der Verschmelzung anzeigt, nicht ersetzt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
