Das Dritte Reich und die Juden

Saul Friedländer · 1997 · Sachbuch, Geschichte
Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Das Dritte Reich und die Juden
Autor(en): Saul Friedländer
Originaltitel: Nazi Germany and the Jews
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1997
Schlagwörter: Holocaust, Verfolgung, Vernichtung, Zeugnis
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: C.H. Beck


Umfang dieser Ausgabe: 1200 Seiten
ISBN: 9783406566813
Verweise


Das Dritte Reich und die Juden ist die zweibändige Gesamtdarstellung Saul Friedländers: Die Jahre der Verfolgung 1933–1939 (englisch 1997, deutsch 1998) und Die Jahre der Vernichtung 1939–1945 (2007 bzw. 2006). Friedländer, in Prag geboren, als Kind versteckt, Historiker in Tel Aviv und Los Angeles, schreibt eine integrierte Geschichte: Täter, Zuschauer und Juden in einem Erzählsatz, ohne dass die Akten der Mörder die Stimmen der Ermordeten überschreiben. C.H. Beck hat die Bände einzeln und als Sonderausgabe geführt.

Inhalt

Der erste Band gilt der Entrechtung in sichtbarer Öffentlichkeit. Gesetze, Boykott, die Zustimmung von Eliten, die Flucht, das neue Ghetto mitten im Staat, der Anschluss Österreichs als Beschleunigung, das Pogrom von 1938: Friedländer zeigt, wie aus Diskriminierung eine Ordnung wird, in der Juden noch leben und schon nicht mehr dazugehören. Den Kern nennt er Erlösungsantisemitismus – nicht der alte religiöse Hass und nicht nur der soziale Neid, sondern eine Weltanschauung, die das Judentum als Gegenprinzip der Erlösung denkt und deshalb keine Koexistenz kennt. Tagebücher, Briefe, Gemeindeakten unterbrechen die Erlasse; die Verfolgten deuten, irren, hoffen, gehen.

Der zweite Band gilt der Vernichtung im Krieg. Polen, die Sowjetunion, Frankreich, Ungarn, die Bahnen, die Lager, die Entscheidungsschwellen 1941: Friedländer hält die Chronologie und weigert sich, die Juden nur als Objekt einer Maschine zu führen. Wo Arno J. Mayer den Ostkrieg als Entfesselung betont, bleibt Friedländer bei der Ideologie, die den Krieg brauchte und ihn überdauerte, wo sie konnte. Die integrierte Geschichte bedeutet: Jede Lage hat drei Seiten, und das Schweigen der Zuschauer ist eine davon. Der Ton ist beherrscht, oft kalt vor Genauigkeit, und er lässt Fassungslosigkeit stehen, wo Erklärung sie nur zudecken würde. Preise und Ruhm haben das Buch nicht zum Trost gemacht.

Unsicher ist, was jede Gesamtdarstellung unsicher lässt: die Sowjetunion als Täterraum neben dem Reich, die Kolonialwurzeln, die genaue Stunde einer »Entscheidung«. Friedländer hat diese Debatten gekannt und sie nicht zum Gerüst gemacht. Sein Gerüst sind die Jahre und die Stimmen. Wer eine Theorie des Bösen sucht, findet sie nicht als System; wer eine Chronik sucht, findet mehr als Daten. Das Werk ist die Widerlegung zweier Bequemlichkeiten: dass man den Holocaust ohne die Juden erzählen könne, und dass man ihn nur als jüdisches Gedächtnis ohne den Staat erzählen könne. Beide Hälften gehören in denselben Satz.

Einordnung

Friedländer hat der Holocausthistoriographie die integrierte Erzählung als Maß gesetzt. Neben Mayers Der Krieg als Kreuzzug und neben Hilbergs Maschine steht er als der, der Ideologie, Staat und Zeugnis zusammenzwingt. Die öffentliche Rede über 1933 bis 1945 kommt an diesen Bänden nicht vorbei, auch wo sie widerspricht. Wer nach diesem Buch noch nur Täterakten liest, hat die Verfolgten wieder zum Anhang gemacht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.