Commonitorium

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Commonitorium
Autor(en): Vinzenz von Lérins
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Herder
Serie:
Erscheinungsjahr: 434
Seitenanzahl: 248 Seiten
Originaltitel: Commonitorium
Originalsprache: lateinisch
ISBN-10: 3451270722
ISBN-13/

EAN-Code:

9783451270720
Schlagwörter: Überlieferung, Katholizität, Fortschritt, Irrlehre
Sachgebiete: Sachbuch, Theologie
Rezensionen
Umschlag

Commonitorium (Mahnung, Merkbuch) ist die 434 verfasste theologische Schrift des Mönchs Vinzenz von Lérins. Sie erschien unter dem Decknamen Peregrinus, »ein Pilger«, und ist das einzige Werk, dessen Zuschreibung an ihn als gesichert gilt. Anlass war die Gnadenlehre des Augustinus, die Vinzenz als unerlaubte Neuerung ansah. Berühmt geworden ist der Maßstab, den er dem katholischen Christen in die Hand gibt: festzuhalten, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist. Kontroverstheologen des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts haben den Satz unermüdlich zitiert.

Inhalt

Das Buch ist gegen die Meinung geschrieben, die Heilige Schrift allein reiche aus, den Glauben zu sichern. Die Schrift sei in sich vollkommen, räumt Vinzenz ein, aber sie werde so vielfältig ausgelegt, wie es Ausleger gibt; ohne die kirchliche Überlieferung zerfalle sie in Privatmeinungen. In der katholischen Kirche selbst gelte es deshalb, das festzuhalten, was überall, was immer und was von allen geglaubt worden sei – quod ubique, quod semper, quod ab omnibus. Das sei im eigentlichen Sinn katholisch: allgemein, nicht winklig. Die drei Kriterien heißen Gesamtheit, Altertum und Übereinstimmung. Vinzenz weiß, dass es örtlich und zeitlich begrenzte häretische Mehrheiten gegeben hat; dagegen setzt er die Gewissheit der gesamtkirchlichen Lehrüberlieferung, nicht die Stimme der jeweils Lautesten. Das Commonitorium umfasste ursprünglich zwei Bücher; anstelle des zweiten steht in allen Abschriften nur eine Zusammenfassung aus Vinzenz’ eigener Hand.

An den Irrlehren und Lehrentscheidungen der jüngeren Vergangenheit entfaltet er den Maßstab. Die trinitätstheologischen, christologischen und mariologischen Sätze des Konzils von Ephesus dienen als Probe: hier habe die Kirche entfaltet, was in der Schrift angelegt war, ohne den Sinn zu verdrehen. Namentlich die Gnadenlehre, die den menschlichen Willen vor Gott fast auslöscht, erscheint ihm als Bruch, nicht als Auslegung. Gegen den Vorwurf, er wolle die Lehre einfrieren, setzt Vinzenz in einem eigenen Kapitel den Gedanken des organischen Fortschritts (profectus): selbstverständlich solle Einsicht, Wissen und Weisheit wachsen, bei den Einzelnen wie in der ganzen Kirche, nach den Stufen der Zeiten. Aber Fortschritt heiße, dass etwas in sich zunehme, Veränderung, dass es in ein anderes verwandelt werde. Die Lehre solle in derselben Dogmatik, demselben Sinn, derselben Meinung bleiben, wie der erwachsene Leib die Glieder ausgestaltet, die schon im Kind angelegt waren. Die Aufgabe der Lehrenden sei, organische Ausfaltung des überlieferten Glaubens von wesensfremden Neuerungen und Verkürzungen zu unterscheiden.

Unsicher wird das Merkbuch, wo die drei Kriterien einander widersprechen. Was tun, wenn das Altertum gegen die gegenwärtige Gesamtheit steht, oder die Übereinstimmung einer Region gegen die der übrigen Kirche? Vinzenz nennt die Fälle und rettet sich zur gesamtkirchlichen Linie, ohne ein Verfahren anzugeben, das den Streit schlichten könnte, wenn gerade die Gesamtheit umstritten ist. Die Gegnerschaft zu Augustinus bleibt teils verdeckt, weil der Name des großen Afrikaners schwer öffentlich zu verwerfen war; die Forschung liest die Schrift deshalb als indirekte Intervention in den Gnadenstreit. Der Ton ist mönchisch, klar, auf Einprägsamkeit gebaut; der berühmte Satz ist sprichwörtlich geworden, oft verkürzt, und in der Verkürzung noch schärfer, als Vinzenz ihn gemeint haben mag. Wer ihn als Totschlagargument gegen jede Entwicklung benutzt, missbraucht das Kapitel über den Fortschritt; wer den Fortschritt als Freibrief liest, missbraucht die drei Kriterien.

Einordnung

Das Commonitorium ist die klassische Formulierung des katholischen Traditionsprinzips vor den großen Summen des Mittelalters. Es steht gegen die Schrift allein, wie sie später die Reformation betonen wird, und zugleich gegen eine Neuerung, die sich auf innere Erleuchtung beruft. Martin Luther hat in De servo arbitrio die augustinische Unfreiheit des Willens gegen den Humanismus verschärft; Vinzenz hätte genau diese Schärfe als unzulässige Neuerung verdächtigt. Bonaventuras Breviloquium setzt voraus, was Vinzenz sichern will: dass die Lehre wachsen darf, ohne ein anderes zu werden. Die altkatholische und die römische Kontroverstheologie der Frühen Neuzeit haben den Merkvers gegen den Protestantismus geführt; John Henry Newman hat im neunzehnten Jahrhundert den organischen Fortschritt als Denkform der Dogmenentwicklung wieder aufgenommen.

Missverstanden wird das Buch, wenn man es für eine Geschichtsphilosophie der Kirche hält; es ist ein pastoraler Maßstab für den Christen, der zwischen Predigten wählen muss. Die moderne historisch-kritische Exegese hat den Traum einer einheitlichen Übereinstimmung aller Zeiten erschüttert; gerade deshalb bleibt die Frage, die Vinzenz stellt, wach: woran erkennt man, dass eine neue Formel dasselbe sagt und nicht ein anderes. Wer über Tradition und Entwicklung im Christentum spricht, stößt auf diesen Mönch von Lérins, oft nur im Zitat, selten in der ganzen Vorsicht seiner Kapitel.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.