Buch der Könige, Bd. 1: Orpheus und Eurydike

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Buch der Könige, Bd. 1: Orpheus und Eurydike
Autor(en): Klaus Theweleit
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Stroemfeld/Roter Stern
Serie: Buch der Könige
Erscheinungsjahr: 1988
Seitenanzahl: 1222 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3878772653
ISBN-13/

EAN-Code:

9783878772651
Schlagwörter: Orpheus, Künstler, Männlichkeit, Produktion
Sachgebiete: Sachbuch, Literaturwissenschaft
Rezensionen
Umschlag

Buch der Könige, Bd. 1: Orpheus und Eurydike ist der 1988 bei Stroemfeld/Roter Stern in Basel und Frankfurt erschienene erste Band der großen Untersuchung von Klaus Theweleit über die Produktion männlicher Kunst aus dem Verlust der Frau. Auf dem Umschlag ist das »und« durchgestrichen: Orpheus (und) Eurydike. Der Sänger steigt in die Unterwelt, holt die Tote, sieht zurück, verliert sie und singt. Theweleit liest diesen Mythos als Grundmuster der Künstlergeschichte: Freud, Pound, Hamsun, Céline, Benn und viele andere erscheinen als Orpheusfiguren, deren Werk den Blick zurück und den Tod der Gefährtin voraussetzt. Der Band zählt über zwölfhundert Seiten, ist bildreich und unakademisch im Ton, eine Fortsetzung der Männerphantasien mit anderen Toten.

Inhalt

Theweleit schreibt gegen die Künstlerlegende, in der das Genie aus sich selbst schöpft, und gegen eine Literaturwissenschaft, die den Mythos nur als Stoff nimmt. Orpheus darf Eurydike nicht ansehen, wenn sie leben soll; er sieht, sie stirbt, und aus dem zweiten Tod wird Gesang. Das durchgestrichene Und markiert, dass die Paarung schon die Trennung ist: der Mann produziert, indem die Frau verschwindet. Theweleit führt das durch Dichter- und Denkerleben, durch Briefe, Bilder, Partituren, nicht als Belegsammlung einer These, sondern als Montage, in der der Mythos sich wiederholt, ohne sich zu erschöpfen. Der König im Titel ist der, der herrscht, indem er verliert und den Verlust zum Amt macht.

Der erste Band bleibt bei Orpheus und der Unterwelt, bevor spätere Teile andere Register ziehen. Gegenposition ist jede Werkimmanenz, die das Biographische streicht, und jede feministische Kritik, die hier nur die alte Opfergeschichte der Muse wiederholt findet – was Theweleit nicht leugnet, sondern ausstellt. Er stützt sich auf Psychoanalyse, auf die eigene Freikorps-Lektüre und auf eine Bildpraxis, die den Text durchsticht. Die Länge ist Programm: der Blick darf nicht so schnell zurück, dass die Tote schon zur Metapher wird. Wer eine durchargumentierte Theorie des Künstlers sucht, findet stattdessen Wiederholung, Zitat, Abschweifung. Wer nur die Abschweifung will, unterschlägt die Härte der Behauptung, dass männliche Kunst oft ein zweiter Tod der Frau ist.

Unsicher wird das Buch, wo die Montage die Prüfung der Einzelfälle ersetzt und jeder Blick zurück schon Orpheus ist. Die Kritik hat Nachlässigkeit und Selbstbezug genannt, wie schon bei den Männerphantasien; beides gehört zum Verfahren, das Seminar und Gesang nicht trennen will. Stroemfeld hat den Band als Gegenstand gedruckt, nicht als Handbuch. Theweleit hat nach dem Faschismus als Körpergeschichte den Künstler als Orpheusgeschichte gelesen: weniger politisch im Thema, nicht weniger im Einsatz. Eurydike spricht wenig; das ist der Befund, nicht das Versehen.

Einordnung

Nach den Männerphantasien hat das Buch der Könige Theweleits Verfahren in die Kunstproduktion selbst geführt: nicht der soldatische Mann, der die Flut abwehrt, sondern der Sänger, der die Tote braucht, um Stimme zu haben. Die Germanistik hat den Band weniger kanonisiert als die Freikorps-Studie; die Kunst- und Geschlechterforschung hat die Orpheusfigur übernommen, oft ohne die zwölfhundert Seiten. Nachbarschaft hat der Text zu einer Psychoanalyse der Produktion und zu einer Kritik des Genies, die das Werk nicht vom Geschlecht reinigt. Wer nach Theweleit über den Künstler als einsames Ich spricht, hat Eurydike nicht gesehen. Das durchgestrichene Und bleibt die genaueste Stelle des Umschlags.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.