Briefe an eine deutsche Prinzessin
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Briefe an eine deutsche Prinzessin |
| Autor(en): | Leonhard Euler |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Vieweg |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1768 |
| Seitenanzahl: | 294 Seiten |
| Originaltitel: | Lettres à une princesse d'Allemagne |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3528085649 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783528085643 |
| Schlagwörter: | Physik, Aufklärung, Äther, Bildung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Die Briefe an eine deutsche Prinzessin über verschiedene Gegenstände aus der Physik und Philosophie sind die 1768 in Sankt Petersburg zuerst französisch gedruckte Sammlung von 234 Lehrbriefen Leonhard Eulers. Euler hatte sie zwischen 1760 und 1762 an Friederike Charlotte von Brandenburg-Schwedt geschrieben, die Nichte Friedrichs II., nachdem der Siebenjährige Krieg den mündlichen Unterricht unterbrochen hatte. Schon 1769 erschien eine deutsche Übertragung. Das Werk gilt als eines der erfolgreichsten naturwissenschaftlichen Sachbücher der Aufklärung und als Gründungsstück der allgemeinverständlichen Wissenschaftsdarstellung. Euler erklärt Maß, Schall, Licht, Schwere, Elektrizität und zugleich Seele, Freiheit und Gottesbeweis. Die Infobox nennt die von Andreas Speiser eingeleitete Vieweg-Ausgabe.
Inhalt
Euler schreibt gegen zwei Zuschauerhaltungen: gegen die Furcht, Naturlehre sei nur den Akademien zugänglich, und gegen die „starken Geister“, die verwerfen, was ihr Verstand nicht einschließt. Der erste Brief setzt ein der Sinnlichkeit angemessenes Maß, den Fuß, und schreitet von da in den Kleinst- und den Großraum. Größe, Geschwindigkeit, Schall und Wärme werden als Bewegungen und Druckverhältnisse einer feinen Materie erzählt, nicht als Geheimnisse. Euler ist Pädagoge genug, vom Bekannten zum Unbekannten zu gehen und dort ein Rätsel stehen zu lassen, wo Zahl und Anschauung versagen. Die Adressatin ist stellvertretend: eine gebildete Leserin, keine Fachkollegin.
Die physikalischen Briefe halten an einer Nahwirkung fest. Licht und Schall sind Schwingungen; der Äther ist eine flüssige, unvorstellbar feine Materie, die leere Räume sogleich füllt und die Himmelskörper ohne merklichen Widerstand durchlässt. Farben sind verschiedene Schwingungszahlen, nicht ausfließende Teilchen im Sinne Isaac Newtons, dessen Lichtlehre Euler ausdrücklich verwirft, während er Newtons allgemeine Schwere als bestätigt rühmt. Das Himmelsblau erklärt er als Streuung, die Lichtgeschwindigkeit mit einem Wert, der dem späteren Maß schon nahekommt. Die Grundfarben der Brechung sind Konvention der Sprache, nicht Naturgesetz. Gegen Ende tritt die Lehre der optischen Geräte hinzu, als Einführung in Eulers eigene Dioptrik. Dazwischen stehen Briefe über Freiheit, Monaden, das Verhältnis von Seele und Leib und über Gottes Wirken, in denen Euler den Materialismus abweist: Der Geist sei als Körperliches nie zu fassen.
Unsicher wird die Sammlung, wo die metaphysische Ätherüberzeugung die Physik bindet. Was als anschauliche Brücke dient, ist zugleich ein System, das die Fernwirkung nicht denken will. Euler weiß, dass der Übergang vom Auge zum Sehnerv ein Geheimnis bleibt, und mahnt zur Demut; an anderen Stellen spricht er mit der Sicherheit des Meisters, der die Natur schon geordnet hat. Der Ton ist der des höflichen Lehrbriefs, klar, bildhaft, ohne Formeln, die die Prinzessin nicht lesen könnte. Die Gegenposition Newtons und der Berliner Akademie, der Euler dienstlich unterstand, ist in den Briefen als Irrtum gezeichnet, nicht als gleichrangige Theorie. Das Buch ist Physikunterricht und Glaubensbekenntnis in einem.
Einordnung
Noch im achtzehnten Jahrhundert wurden die Briefe in acht Sprachen übersetzt; bis in die Mitte des neunzehnten galten sie als das naturwissenschaftliche Hausbuch Europas. Sie haben Euler über die Fachkreise hinaus bekannt gemacht und das Genre der populären Darstellung mitbegründet. In England las man sie lange als Einführung für Mädchen und Frauen in die Naturlehre. Nachbarschaft haben sie zu den Lehrbriefen René Descartes’ an Elisabeth von der Pfalz, die denselben Stiftungsweg nach Herford vorgezeichnet hatten, und zur Enzyklopädie, die Wissen aus der Akademie in die gebildete Welt tragen wollte. Der Rang Eulers als Philosoph bleibt umstritten; als Lehrer der Anschauung ist er in diesen Briefen unbestritten.
Das Missverständnis liegt darin, die Sammlung nur als Kuriosum der Äthertheorie zu lesen oder nur als frühe Bildungsschrift eigens für Frauen. Sie ist beides nicht zuerst: Sie ist der Versuch eines Mathematikers, der fast erblindete, die Welt in Maß und Ursache zu erzählen, ohne den Leser zu demütigen. Wer nach 1768 allgemeinverständlich über Licht, Schwere und Seele sprach, sprach in einem Raum, den diese Briefe mit eröffnet haben. Die Vieweg-Ausgabe hat den aufklärerischen Atem bewahrt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
