Black Athena

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Black Athena
Autor(en): Martin Bernal
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: List
Serie:
Erscheinungsjahr: 1987
Seitenanzahl: 807 Seiten
Originaltitel: Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3471771700
ISBN-13/

EAN-Code:

9783471771709
Schlagwörter: Antike, Ursprung, Ägypten, Griechenland
Sachgebiete: Sachbuch, Ideengeschichte
Rezensionen
Umschlag

Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilization ist das dreibändige Werk des britischen Sinologen und Politikwissenschaftlers Martin Bernal, dessen erster Band 1987 in den Vereinigten Staaten erschien. Die deutsche Ausgabe von Joachim Rehork kam 1992 unter dem Titel Schwarze Athene. Die afroasiatischen Wurzeln der griechischen Antike bei List in München heraus und umfasst vor allem den ersten Band. Bernal behauptet, die griechische Antike sei weit stärker von Ägypten und Phönizien geprägt, als die Altertumswissenschaft seit dem neunzehnten Jahrhundert zugeben wolle. Das Buch wurde ein Streitfall der Geisteswissenschaften, kein Lehrbuch der Archäologie. Es gehört in die Debatte um Ursprung, Rasse und Kanon, nicht in den gesicherten Bestand der Klassischen Altertumswissenschaft.

Inhalt

Bernal schreibt gegen das, was er das arische Modell nennt: die Lehre, Griechenland sei von indogermanischen Einwanderern aus dem Norden geformt worden, während Ägypten und die Levante Randerscheinungen geblieben seien. Dieses Modell habe sich, so Bernal, erst zwischen 1785 und 1985 durchgesetzt, als Rassendenken, Antisemitismus und der Wunsch nach einem rein europäischen Ursprung die älteren Berichte verdrängten. Das ältere alte Modell, das Bernal den Griechen selbst zuschreibt, habe Kolonisation und Kulturübertragung aus Ägypten und Phönizien für selbstverständlich gehalten. Herodot, Platon und die attischen Tragiker gelten ihm als Zeugen, nicht als Mythographen. Die moderne Altertumswissenschaft, die Mythen von Danaos und Kadmos als Dichtung behandelt, erscheint bei Bernal als ideologische Reinigung. Er war kein Althistoriker; er hatte über den chinesischen Sozialismus promoviert und lehrte Politikwissenschaft und Nahoststudien an der Cornell University.

Die Behauptung entfaltet er auf drei Feldern. Sprachlich sucht er semitische und ägyptische Etymologien für griechische Orts- und Götternamen, für Kulturwörter und für den Namen Athene selbst, den er an die ägyptische Göttin Neith binden will. Archäologisch und urkundlich, vor allem im zweiten Band von 1991, führt er minoische und mykenische Funde, ägyptische Königsinschriften und den Handel der Spätbronzezeit als Belege für eine tiefgreifende Durchdringung an. Der dritte Band von 2006 soll die sprachliche Beweisführung nachliefern. Bernal unterscheidet eine starke und eine schwache Fassung des arischen Modells: entweder sei Griechenland vor den Indogermanen leer gewesen, oder eine einheimische Bevölkerung sei überformt worden. Beide Fassungen weist er zurück. Die Einwanderer aus dem Norden hätten, so die Hypothese, auf eine bereits afroasiatisch geprägte Kultur getroffen und sich mit ihr vermischt. Ägypter und Phönizier erscheinen bei ihm als vorwiegend afrikanisch, nicht als Mittelmeervölker im engeren Sinn.

Das Buch selbst schwankt zwischen Ideologiekritik und Geschichtsschreibung. Bernal räumt ein, dass er archäologische und linguistische Fachverfahren oft beiseite schiebt, wo sie seinem Bild widersprechen; er setzt auf die Autorität der antiken Autoren und auf die Plausibilität einer kolonialen Übertragung. Gerade darin liegt die Gegenposition, die das Werk unfreiwillig mitliefert: ohne Siedlungsspuren, ohne tragfähige Lautgesetze und ohne eine Haltbarkeit der Etymologien bleibt die große Erzählung eine Hypothese über den modernen Blick auf Griechenland. Der Titel Black Athena ist Programm und Provokation; er soll die europäische Herkunftserzählung umkehren, nicht eine Hautfarbe der Göttin beweisen. Bernal hat später auf Kritik geantwortet, ohne die Kernthese preiszugeben.

Einordnung

Die Fachkritik war von Anfang an scharf. Historiker und Archäologen hielten fest, dass es keine belastbaren Siedlungsbefunde altägyptischer Kolonien auf dem griechischen Festland oder in der Ägäis gibt. Linguisten verwarfen den Großteil der Etymologien als methodisch ungedeckt. Mary Lefkowitz antwortete 1996 mit Not Out of Africa und, gemeinsam mit Guy MacLean Rogers, dem Sammelband Black Athena Revisited; Bernal konterte 2001 mit Black Athena Writes Back. Der Vorwurf lautet, das Buch stütze den Afrozentrismus der amerikanischen Kulturdebatte und behandle Mythen als Geschichte. Andere, etwa Wim van Binsbergen, versuchten später eine vermittelnde Lektüre: als Kritik am europäischen Ursprungsstolz bleibe Bernal lesbar, als Rekonstruktion der Bronzezeit nicht. Die heutige Mehrheitsmeinung der Altertumswissenschaft sieht die Ethnogenese der Griechen als Mischung einer balkanischen Vorbevölkerung mit indogermanischen Einwanderern im zweiten Jahrtausend; phönizische Einflüsse werden ernst genommen, aber später und begrenzter angesetzt als bei Bernal.

Neben Edward Saids Orientalismus steht Black Athena als Angriff auf das europäische Monopol, die Antike zu erzählen – mit dem Unterschied, dass Said Diskurse las und Bernal eine Gegenhistorie schreiben wollte. Wer das Buch als Nachweis afroasiatischer Wurzeln Griechenlands nimmt, verwechselt Debatte und Befund. Wer es nur als Irrtum ablegt, verfehlt, dass es den Kanon der Klassischen Altertumswissenschaft in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus gezwungen hat, seine eigenen Vorurteile zu benennen. Die Wirkung lag in der Öffentlichkeit, in Lehrplänen und in der Kulturpolitik, nicht in einer Revision der Ausgrabungsberichte. Das klassische Griechenland bleibt ein europäisches und östliches Mischprodukt; die schwarze Athene ist eine These, keine gesicherte Herkunft.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.