Bellifortis
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Bellifortis |
| Autor(en): | Konrad Kyeser |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | VDI-Verlag |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1405 |
| Seitenanzahl: | 280 Seiten |
| Originaltitel: | Bellifortis |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | 3184003050 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783184003056 |
| Schlagwörter: | Kriegstechnik, Belagerung, Handschrift, Maschine |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Rezensionen | |
Der Bellifortis (lateinisch „Der Kampfstarke“) ist das durchgehend bebilderte Kriegshandbuch des Eichstätter Arztes Konrad Kyeser, dessen älteste Fassung bis 1402 reicht und dessen Prunkhandschrift um 1405 am Hof König Wenzels in Prag entstand. Das lateinische Werk blieb ungedruckt und ist in rund fünfundvierzig Handschriften des fünfzehnten und frühen sechzehnten Jahrhunderts überliefert, in wechselnder Kapitelzahl und oft mit fremdem Stoff vermischt. Es gilt als die früheste technische Enzyklopädie des deutschen Sprachraums. Kyeser hatte 1394 am Kreuzzug König Sigismunds gegen die Osmanen teilgenommen und machte Sigismund für die Niederlage verantwortlich. Vorbilder sind Vegetius’ De re militari und die Strategemata des Frontinus.
Inhalt
Kyeser schreibt gegen die bloße mündliche Weitergabe der Kriegskunst und gegen ein Wissen, das nur der Werkstatt, nicht dem Buch gehört. Er sammelt Maschinen und Geräte aus antiken Texten und aus eigener Anschauung: Feldschlacht, Belagerung, Wassertechnik, Steigzeug, mechanische Schusswaffen, Verteidigung, Leuchtfackeln, Feuerwerk, Wärmetechnik und „natürliche“ Kampfmittel. Die erste Gliederung zählte zehn Kapitel, eine Umarbeitung um 1410 sieben. Geräte, die er selbst gesehen hatte, sind mit ungewöhnlichem Detail gezeichnet; anderes bleibt technisch ungenau oder gehört ins Reich der Wunschmaschine. Erstmals im europäischen Mittelalter erscheint eindeutig die archimedische Schraube; auch die älteste bekannte Zeichnung eines Keuschheitsgürtels stammt aus diesem Umkreis. Alchemie und Sternkunde sind einbezogen, Planetenbilder und die vier Elemente unterstreichen den Anspruch auf Universalität.
Die Behauptung des Buchs ist höfisch und mythisch zugleich. Alexander der Große kehrt als Träger sagenhafter Kräfte wieder, oft zu Pferd oder mit einem raketenähnlichen Gegenstand, auf dem das dunkle Wort MEUFATON steht. Ein Knappe trägt die siegbringende Speerspitze der Fahnenlanze, die Alexander vor der Landung in Asien geworfen haben soll; die Zeichen auf der Spitze sollen auf die Handflächen der Soldaten gemalt werden, um die Siegeszuversicht zu stärken. Das ist keine Gebrauchsanweisung im engen Sinn, sondern eine Magie der Bilder, die den Krieg in die Geschichte der Weltreiche stellt. Die Handschrift von 1405, von Malern der Wenzelswerkstatt ausgestattet, war für den königlichen Hof gedacht, nicht für den Büchsenmeister auf der Mauer. Anwendbarkeit spielte zuerst eine geringe Rolle.
Unsicher ist, was Konstruktion, was Phantasie, was Abschrift ist. Kyeser selbst hat umgestellt und gekürzt; nach seinem Tod verschob sich das Material nach Straßburg, Hagenau, an den Oberrhein und nach Schwaben, wurde mit Feuerwerksbüchern gebündelt und auf den praktischen Gebrauch umgestellt. Ab etwa 1430 zirkulierte der Stoff bei Ingenieuren und Büchsenmeistern. Gegenpositionen stecken im Befund: neben brauchbaren Hebe- und Wurfgeräten stehen unpraktikable Vorschläge. Die lateinische Sprache hielt das Werk lange in der höfischen Sphäre. Der Übergang vom Prunkbuch zum Werkstattbuch ist die eigentliche Geschichte des Textes.
Einordnung
Regina Cermann und Rainer Leng haben die Handschriftenstämme geklärt. Das autographe Exemplar für Ruprecht von der Pfalz liegt in Göttingen; der Münchner Codex Clm 30150 ist eine der bekanntesten späteren Fassungen. Götz Quarg hat 1967 ein Faksimile mit Umschrift im VDI-Verlag vorgelegt. Einzelne Bilder gelangten im sechzehnten Jahrhundert in den Druck. Ideen Kyesers finden sich auch bei Leonardo da Vinci wieder, ohne dass daraus eine direkte Linie werden muss.
Neben dem chinesischen Wujing zongyao steht der Bellifortis als westliches Gegenstück: hier Hof und Latein, dort Beamtenkompendium und Siegel. Wer Kyeser als Ingenieur der Renaissance liest, modernisiert einen Arzt, der Sterne, Feuer und Alexander in denselben Codex schrieb. Wer ihn als bloße Kuriosität abtut, verfehlt den Anfang der illustrierten Technikliteratur in Deutschland. Das Buch hat den Krieg nicht erfunden; es hat ihn zeichnend versammelt, damit ein Hof ihn besitzen konnte – und eine spätere Werkstatt ihn brauchen lernte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
