Auslöschung
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Auslöschung |
| Autor(en): | Thomas Bernhard |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1986 |
| Seitenanzahl: | 650 Seiten |
| Originaltitel: | Auslöschung. Ein Zerfall |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 351838063X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783518380635 |
| Schlagwörter: | Wolfsegg, Herkunft, Österreich, Testament |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Auslöschung. Ein Zerfall ist der 1986 bei Suhrkamp erschienene letzte große Roman von Thomas Bernhard, der umfangreichste und nach Hans Höller die epische Summe des Werks. Der Ich-Erzähler Franz-Josef Murau schreibt in Rom, um Schloss Wolfsegg und alles, was darunter zu verstehen ist, auszulöschen. Vorangestellt ist ein Satz Montaignes: Der Tod habe ihn ständig in den Klauen. Bernhard hatte das Manuskript schon Anfang der achtziger Jahre fertig und hielt es zurück; 1986, drei Jahre vor seinem Tod, kam der Band. Wer Bernhards Hass auf Österreich für eine Pose hält, findet hier die Rechnung in sechshundert Seiten ohne Absatz.
Inhalt
Murau, knapp fünfzig, unterrichtet in Rom den Schüler Gambetti in deutscher Literatur und Philosophie. Um die Mittagszeit kommt das Telegramm der Schwestern Caecilia und Amalia: Die Eltern und der Bruder Johannes sind bei einem Autounfall umgekommen. Murau bleibt in der Wohnung, packt Koffer, betrachtet Fotos und redet, innerlich, ununterbrochen. Der erste Teil, »Das Telegramm«, ist ein Abend in Rom, in dem die Kindheit auf Wolfsegg am Hausruck nachwächst: die abgeschlossenen Bibliotheken, die nationalsozialistische Gesinnung der Eltern, der Onkel Georg, der als einziger aus der Familie fortging und Murau den Weg zeigte, die Freundin Maria, eine Dichterin, in der Leserinnen Ingeborg Bachmann erkannt haben. Die äußere Handlung ist kurz; die innere ist die Herkunft, die Murau »Herkunftskomplex« nennt und die er berichten will, um sie zu vernichten.
Im zweiten Teil, »Das Testament«, fährt Murau zur Beerdigung nach Wolfsegg, hilft den Schwestern, empfängt die Trauergäste. Unter ihnen der Erzbischof Spadolini, Vatikandiplomat, dreißig Jahre der Geliebte der Mutter, eine Figur, der Murau in Hassliebe verbunden bleibt. Die Beerdigung wird Theater mit dem Tod, verlogener als Shakespeare, denkt der Erzähler, und doch das großartigste Drama. Zwei Tage danach schenkt Murau, Alleinerbe, das Anwesen der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien und reist zurück nach Rom, wo er »diese Auslöschung« geschrieben hat. Der letzte Satz teilt mit, dass Murau 1983 in Rom gestorben ist. Ausgelöscht sind die Eltern, der Bruder, der Onkel, der Erzähler; Wolfsegg geht an jene, denen die Familie nichts wiedergutgemacht hat.
Der Text hat keine Kapitel im gewöhnlichen Sinn, kaum Absätze, dafür die Formeln »dachte ich« und »hatte ich zu Gambetti gesagt«, die den Satz in Gang halten wie ein Musikstück. Murau nennt das Übertreibungskunst; Gambetti lacht und nennt ihn einen maßlosen Übertreiber. Das Lachen rettet den Hass nicht, aber es macht ihn kenntlich als Kunst. Murau ist ungerecht gegen Wolfsegg, sagt er selbst, rücksichtslos ungerecht, und bleibt es, weil nur die Rücksichtslosigkeit die Schrift des Onkels ersetzt, die die Mutter unterschlagen haben soll.
Einordnung
Bernhard hat in Holzfällen eine Wiener Wohnung zur Bühne gemacht; in Auslöschung ist Wolfsegg das Theater und Rom der Ort, von dem aus gesprochen wird. Der Roman bündelt die Motive: Geistesmensch gegen Barbarei, Italien gegen Österreich, Onkel gegen Eltern, Schenkung gegen Erbe. Die Eltern stehen für ein Land, das den Nationalsozialismus nicht als Bruch, sondern als Fortsetzung verstand; die Schenkung an die Kultusgemeinde ist die einzige Geste, die Murau der Herkunft entgegensetzt, und sie kommt nach dem Tod, nicht als Umkehr zu Lebzeiten. Maria und der Anwalt Eisenberg bleiben von der Kritik verschont; alle anderen, Richter, Lehrer, Mütter, Städte, werden in Superlativen zerschlagen.
Wer Bernhard nur als Alpenverzweifler liest, verpasst das Komische: Gambettis Lachen, Muraus Selbstbezichtigung, die maschinenhafte Wiederholung, der man sich wie einer Partitur überlassen kann. Claus Peymann und andere haben den Ton auf die Bühne gebracht; der Roman selbst bleibt unspielbar, weil er die Sitzung eines Kopfes ist, keine Handlung. Neben Heldenplatz ist Auslöschung das Buch, in dem Österreich als Familiensitz erscheint, den man verschenken muss, um weiteratmen zu können. Der Zerfall im Untertitel ist kein Naturereignis. Er wird geschrieben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
