Aufklärung jetzt

Steven Pinker · 2018 · Sachbuch, Zeitdiagnose


Das Werk
Deutscher Titel: Aufklärung jetzt
Autor(en): Steven Pinker
Originaltitel: Enlightenment Now: The Case for Reason, Science, Humanism, and Progress
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2018
Schlagwörter: Fortschritt, Vernunft, Humanismus, Statistik
Sachgebiete: Sachbuch, Zeitdiagnose
Greifbare Ausgabe
Verlag: S. Fischer


Umfang dieser Ausgabe: 736 Seiten
ISBN: 9783100022059
Verweise


Aufklärung jetzt. Für Vernunft, Wissenschaft, Humanismus und Fortschritt. Eine Verteidigung erschien 2018; die deutsche Übersetzung von Martina Wiese kam im selben Jahr bei S. Fischer heraus. Steven Pinker setzt damit die Linie seines Bandes über die Geschichte der Gewalt fort und argumentiert mit langen statistischen Reihen, dass Leben, Gesundheit, Wohlstand und Sicherheit für die meisten Menschen besser geworden sind. Die weitverbreitete Ansicht, die Welt sei in furchtbarem Zustand, erklärt er aus der Negativverzerrung der Wahrnehmung und der Nachrichtenauswahl. Das Buch ist eine Verteidigung der Aufklärungswerte Vernunft, Wissenschaft und Humanismus, nicht eine Heilszusage. Bill Gates nannte es sein Lieblingsbuch; die Fachkritik blieb geteilt.

Inhalt

Pinker schreibt gegen den Kulturpessimismus, der aus Schlagzeilen ein Weltgericht macht. Umfragen sähen im Jahr 2016 das Ende des Liberalismus; die Angst vor dem Terrorismus übersteige in den Vereinigten Staaten bei weitem das Risiko, das etwa der Straßenverkehr mit sich bringt. Dagegen stellt er fünfzehn Maßzahlen menschlichen Wohlergehens: längeres und gesünderes Leben, weniger extreme Armut, mehr Bildung, rückläufige Kriegstote im langen Vergleich, wachsende Rechte. Die Verbesserung schreibt er der Ausbreitung eines liberalen Humanismus und wissenschaftlicher Vernunft zu, die sich im Europa des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts verdichtet hätten. Die kognitive Psychologie soll erklären, warum Fortschritt unsichtbar bleibt: das Schlechte ist plötzlich, das Gute schleichend; Nachrichten leben vom Unheil.

Die Behauptung entfaltet sich kapitelweise an Kurven, nicht an einzelnen Heldengeschichten. Wirtschaftliche Ungleichheit gilt Pinker nicht als eigenes Maß des Wohlergehens; in ärmeren Ländern hänge Unzufriedenheit nicht zuverlässig an der Spreizung, und zwischen den Ländern sinke die Ungleichheit, während Arme auch in ungleicher werdenden Staaten von Wachstum und Technik profitierten. Atomare Rüstung ordnet er eher der Gegenaufklärung und dem Nationalsozialismus zu als der Wissenschaft selbst; ohne Hitler, so die spekulative Wendung, wären die Bomben vielleicht nicht gebaut worden. Den Klimawandel und die Möglichkeit eines atomaren Untergangs nimmt er ernst, hält aber die Kategorie der menschlichen Auslöschung für wenig tauglich, weil Angst die Zukunft weniger sichere als bedrohe. Eine künstliche Intelligenz als Untergangsinstanz weist er zurück. Die drei Schlusskapitel verteidigen Vernunft, Wissenschaft und Humanismus gegen religiösen Fundamentalismus, gegen die politische Korrektheit und gegen die nachmoderne Philosophie.

Unsicher wird das Buch, wo aus Korrelationen eine einzige Ursache wird. Dass es uns in vielen Maßen besser geht, belegt nicht, dass Aufklärung die einzige Triebkraft war, und nicht, dass die Kurven so weiterlaufen. Kritiker halten fest, Wissenschaft habe keine eingebauten sittlichen Werte und erweitere Zerstörung ebenso wie Heilung; soziale Aufstiegsbeweglichkeit sei ein Ziel unabhängig von der bloßen Minderung der Armut. Die Abwehr „existentieller“ Warnungen kann wie eine Immunisierung gegen schlechte Nachrichten wirken. Gegenpositionen kommen vor – Ungleichheit, Klima, Waffen –, werden aber in den Fortschrittsrahmen zurückgebogen. Pinker nennt das Werk Dokumentation des Erreichten, nicht Hoffnungsliteratur; der Ton bleibt gleichwohl der einer Verteidigungsrede.

Einordnung

Donata von Bistram sah in Spektrum eine dichte, interdisziplinäre Bilanz von schwerer Kost. Die New York Times lobte Klarheit und Datenfülle; der Economist hielt weiteres Besserwerden für wahrscheinlich. Arno Orzessek nannte das Buch im Deutschlandfunk Kultur unterhaltsam und wirksam gegen Defätismus, im Kern jedoch dogmatisch, weil es in allem eine Wende zum Guten finde. Die Stärke sind die langen Reihen gegen die Anekdote des Niedergangs; die Schwäche ist der Schluss vom bisherigen Gewinn auf die Unentbehrlichkeit genau dieser Weltanschauung.

Neben der älteren Gewaltgeschichte Pinkers steht Aufklärung jetzt als Generalabrechnung mit dem Pessimismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Wer nur die Kurven übernimmt, hat ein Korrektiv zur Nachricht; wer sie zur Metaphysik der Vernunft macht, überzieht eine empirische Behauptung. Religiöse, nachmoderne und an Herkunft gebundene Gegner werden oft in einem Atemzug genannt, als wären sie dasselbe Hindernis. Nüchtern gelesen bleibt ein belegbares Ja zu vielen Maßen menschlichen Wohlergehens – und ein streitbares Nein zu der Folgerung, Kritik an Kapital, Klima und Macht sei vor allem Undank gegenüber der Aufklärung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.