Apokalypse jetzt und damals
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Apokalypse jetzt und damals |
| Autor(en): | Catherine Keller |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Beacon Press |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1996 |
| Seitenanzahl: | 370 Seiten |
| Originaltitel: | Apocalypse Now and Then. A Feminist Guide to the End of the World |
| Originalsprache: | englisch |
| ISBN-10: | 0807063398 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9780807063392 |
| Schlagwörter: | Apokalypse, Offenbarung, Feminismus, Hoffnung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Rezensionen | |
Apokalypse jetzt und damals (englisch Apocalypse Now and Then. A Feminist Guide to the End of the World) ist das 1996 bei Beacon Press in Boston erschienene theologische Hauptwerk der amerikanischen Prozesstheologin Catherine Keller zur christlichen Endzeiterwartung. Der Untertitel nennt einen feministischen Wegweiser zum Ende der Welt: Keller macht die Offenbarung des Johannes auf ihre Wirkungsgeschichte hin durchsichtig und findet in ihr ein verborgenes Muster westlicher Politik, Kolonialgeschichte und Geschlechterordnung. Eine deutsche Ausgabe liegt nicht vor; 2005 erschien eine Neuauflage bei Fortress Press. Das Buch ist keine Auslegung im schulmäßigen Sinn, sondern eine Kulturtheologie der Apokalypse, die den evangelikalen Chiliasmus ebenso kritisiert wie das religiöse Desinteresse liberaler Kreise.
Inhalt
Keller schreibt gegen zwei Weigerungen: gegen die wörtliche Endzeitfrömmigkeit, die die Zeichen der Zeit auf den Weltuntergang deutet, und gegen die bloße Anti-Apokalypse, die dasselbe Gut-Böse-Muster nur umkehrt und dabei die geistliche Kraft der Bilder verschenkt. Sie selbst ist nicht in dieser Art von Christentum aufgewachsen und hat sich, wie sie später schrieb, Mühe geben müssen, seine Leidenschaft zu verstehen, ohne sie nur zu verteufeln. Allmählich erkannte sie, dass dasselbe Muster auch die Politik durchdringt, die sie geprägt hat, einschließlich der Frauenbewegung. Grundbegriffe strukturieren die Diagnose. Ein Skript sind die wiedererkennbaren Bilder und Figuren der Apokalypse in Kultur und Predigt; darunter arbeitet ein verborgenes Transkript. Das Muster ist binäre Moral, Einheit gegen den Feind, Hoffnung auf eine neue Welt, eine auf das Ende hin gesprengte Zukunftserwartung. Das Verhalten setzt Skript und Muster um. Davon unterscheidet Keller die Krypto-Apokalypse als untergründige Wirksamkeit, die Retro-Apokalypse als buchstäbliche Rückkehr zum Text, die Neo-Apokalypse als Inanspruchnahme der Tradition für heutige Befreiungskämpfe – und die Konter-Apokalypse, ein aktives Kontern, das anti- und neoapokalyptische Züge verbindet, ernst und ironisch zugleich.
Die Behauptung entfaltet sich an Zeit, Ort, Gemeinschaft und Geschlecht. Die Apokalypse ist ein Rahmen des Zeitsinns: Sublimierung und Realisierung des Endes wechseln durch die Kirchengeschichte. Der Ort wird kolonial: Kolumbus erscheint als Vollzieher einer Eschatologie, die sich im Nehmen der Welt erfüllt, die neue Welt als gelobtes Land, der wissenschaftliche Universalismus der frühen Neuzeit als Fortsetzung. Gemeinschaft und Geschlecht bilden zusammen eine kritische Lehre von der Kirche. Apokalyptische Bewegungen der Neuzeit, feministische Strömungen vom Mittelalter bis zu Mary Daly und Monique Wittig, die Identitätsdebatte der Gegenwart: Keller will vielstimmige Verbundenheit statt der einen Front gegen den Feind. Das Geist-Kapitel sammelt die vorigen und liest die Geisterunterscheidung an El Salvador. Dazwischen steht ein midraschartiges Sehen der Stimmen der Johannesoffenbarung, kein Verskommentar, sondern ein Verweilen bei Ausschnitten, die das Muster sichtbar machen. Ökologie, Stadt, Kolonialreise und die Krise der Erde sind von Anfang an mitgeführt; das Ende der Welt ist hier auch das Ende einer bewohnbaren Erde.
Unsicher wird das Buch, wo die Gliederung die Orientierung erschwert. Die Unterabschnitte sind nummeriert, nicht betitelt; der Gedanke kreist und kehrt wieder, wie es die Konter-Apokalypse methodisch will, und verlangt Geduld. Die Ironie, die Keller der Konter-Apokalypse zuschreibt, kann als Unernst gelesen werden, wo es um Gewalt und Hoffnung geht. Ob sich die prophetische Leidenschaft für Gerechtigkeit halten lässt, ohne in die Zweiheit von Lamm und Tier zurückzufallen, bleibt die offene Probe des Projekts. Der Ton ist konstruktiv-theologisch, von Whitehead, Feminismus und nachkolonialer Theorie gespeist, bildreich und begrifflich eigensinnig. Die Gegenposition ist sowohl der evangelikale Endismus als auch eine Befreiungstheologie, die das apokalyptische Pathos ungeprüft übernimmt.
Einordnung
Mit diesem Band beginnt ein Arbeitszusammenhang, der Keller bis in die Gegenwart begleitet. Die Neuauflage von 2005 erhielt in Gott und Macht einen Begleitband, der die Anschläge von 2001 und die amerikanische Weltmacht in dieselbe Konter-Apokalypse einzeichnet. Später treten die Erde, das Klima und die politische Theologie hinzu. Die Metaphysik stammt aus Alfred North Whiteheads Prozess und Realität; die Eschatologie reibt sich an Jürgen Moltmann, den Keller ernst und spöttisch liest. Im Deutschen wirkten vor allem Aufsätze, etwa zur Frau in der Wüste in der Evangelischen Theologie und zur Faszination der Apokalypse in Concilium. Die Gattung ist Theologie: eine Kulturgeschichte der Offenbarung, kein Verskommentar.
Geblieben ist die Unterscheidung, dass man der Apokalypse nicht entkommt, indem man sie leugnet, und nicht dient, indem man sie wörtlich nimmt. Die Konter-Apokalypse will die Bilder brauchen, ohne das Weltende zu wollen. Eine Übersetzung fehlt; die amerikanische Debatte um evangelikale Politik, Ökologie und feministische Ekklesiologie hat den Band gleichwohl zum Bezugstext gemacht. Wer nach 1996 über Offenbarung, Imperium und das Ende der bewohnbaren Welt spricht, arbeitet in dem Feld, das Keller hier vermessen hat.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
