Anschwellender Bocksgesang
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Anschwellender Bocksgesang |
| Autor(en): | Botho Strauß |
| Originaltitel: | Anschwellender Bocksgesang |
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1993 |
| Schlagwörter: | Opfer, Liberalität, Nation, Tragödie |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Essayistik |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Spiegel
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| Umfang dieser Ausgabe: | 6 Seiten |
| ISBN: | |
| Verweise | |
Anschwellender Bocksgesang ist der Essay von Botho Strauß, den der Spiegel am 8. Februar 1993 druckte (Heft 6, Seiten 202–207). Später stand der Text in dem von Heimo Schwilk und Ulrich Schacht herausgegebenen Band Die selbstbewußte Nation. Er gehört in die Bookpedia als öffentliches Buch der neunziger Jahre: kurz, folgenreich, kein Roman. Strauß schreibt gegen eine Gesellschaft, die er als geschwätzig, opferlos und fremd vor sich selbst zeichnet, und leiht sich dafür die Sprache der Tragödie – den Bocksgesang, der anschwillt, bevor das Unglück Gestalt gewinnt.
Inhalt
Der Essay stellt die offene, pluralistische Gegenwart als Verlust dar: Verlust des Heiligen, der Zugehörigkeit, der Fähigkeit, ein Opfer zu verstehen, das nicht als Skandal in den Nachrichten vorkommt. Strauß beruft sich auf René Girards Mimesis des Begehrens und auf die antike Tragödie, um zu behaupten, dass eine Gesellschaft ohne transzendente Schranke dem Sündenbock und der Gewalt nicht entgeht, sondern sie nur nicht mehr benennen will. Die Fremden, die Zuwanderung, die „multikulturelle“ Ordnung erscheinen darin als Symptome einer Elite, die das Eigene verachtet. Der Ton ist prophetisch, nicht statistisch.
Gegen die kritische Öffentlichkeit der alten Bundesrepublik setzt der Text eine Rechte des Gefühls, die sich nicht als Partei, sondern als Wahrnehmungsform ausgibt. Sätze über das Volk, das Blut, die Dichte der Herkunft stehen neben Sätzen über Kunst und Opfer. Genau diese Nachbarschaft hat den Streit entzündet: War hier ein Autor am Ende seiner Geduld, oder eine intellektuelle Lizenz für fremdenfeindliche Politik? Der Essay beantwortet das nicht; er inszeniert die Alternative als Überdruss an der Liberalität, die er „totalitär“ nennt, weil sie Abweichung moralisch erstickt.
Wiederabgedruckt in Die selbstbewußte Nation (1994), wurde aus dem Spiegel-Text ein Gründungsdokument einer selbsternannten konservativen Intellektuellenrevolte. Strauß hat später relativiert, ohne den Essay zu widerrufen. Gelesen werden muss er als Zeitstück: zwei Jahre nach der Einheit, im Jahr der Brandanschläge, als das Feuilleton noch glaubte, Literatur könne die Republik justieren. Die literarische Qualität der Sätze und ihre politische Verwendbarkeit fallen nicht in eins; der Text hat beides geliefert.
Einordnung
Ohne diesen Essay bleibt der Literaturstreit 1990 eine Abrechnung mit Christa Wolf und der DDR-Gesinnung. Strauß hat denselben Streit um Ästhetik und Moral nach rechts gekippt: nicht mehr die Staatsschriftstellerin, sondern die liberale Republik als Feindbild einer dichterischen Innerlichkeit. Neben Was bleibt steht der Bocksgesang als die westdeutsche Gegenadresse. Die Wirkung zeigt sich an Zitaten, nicht an einer Schule; sie zeigt sich auch an der Gewaltbereitschaft, die 1993 schon auf den Straßen war und in solchen Texten eine vornehme Stimme suchen konnte. Wer den Essay nur als Stilistik rettet, unterschlägt diese Lage. Wer ihn nur als Hetze abtut, hat die Tragödienrhetorik nicht gelesen, mit der er wirken wollte.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.