Abhandlung über den Ursprung der Sprache
| Daten zum Buch | |
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| Deutscher Titel: | Abhandlung über den Ursprung der Sprache |
| Autor(en): | Johann Gottfried Herder |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1772 |
| Seitenanzahl: | 176 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3150087295 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150087295 |
| Schlagwörter: | Sprache, Besonnenheit, Hören, Mängelwesen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Sprachwissenschaft |
| Rezensionen | |
Abhandlung über den Ursprung der Sprache ist der 1772 gedruckte Preissieger Johann Gottfried Herders auf die Frage der Berliner Akademie, woher die Sprache komme. Einunddreißig Bewerber hatten 1770 eingereicht; Herder erhielt den ersten Platz. Der erste Satz – schon als Tier hat der Mensch Sprache – ist gegen die These Johann Peter Süßmilchs geschrieben, Gott habe die Sprache gegeben. Das Buch gehört zu den Gründungstexten einer Anthropologie, die den Menschen als Mängelwesen und als hörendes Wesen zugleich denkt.
Inhalt
Herder schreibt gegen den göttlichen Ursprung und gegen die Lehre Étienne Bonnot de Condillacs, menschliche Sprache sei bloß verfeinerter Tierschrei zur Mitteilung. Die einfachsten Laute des Schmerzes und der Freude hat der Mensch mit dem Tier gemein; sie sind noch in den europäischen Sprachen als Wurzeln spürbar, in den älteren reicher. Der Mensch ist ein Mängelwesen: ihm fehlen Instinktsicherheit und feste Umwelt. An ihre Stelle tritt Vernunft, die der Organisation seines Körpers entspricht. Besonnenheit heißt, an einem Gegenstand ein Merkmal festzuhalten und wiederzuerkennen. Am Blöken erkennt er das Schaf: du bist das Blökende. So entsteht das erste Wörterbuch der Natur, nicht als Gabe, sondern als Arbeit des Hörens.
Das Ohr steht zwischen Gefühl und Gesicht. Fühlen braucht Berührung, Sehen zerstreut ins Nebeneinander, Hören gliedert nacheinander und gibt der Sprache Methode. Morgenländische Sprachen seien den Sinnen näher, reicher an Sinnverwandten, ärmer an abstrakter Ordnung; Geist stecke noch im Wind, Seele im Atem, Zorn im Schnauben. Die Grammatik bewahre diese Nähe: das Zeitwort gehe dem Namen voran, die Vergangenheit dem Gegenwartssatz, weil erzählt werden muss. Der zweite Teil zeigt, wie sich Sprache am füglichsten erfinden ließ. Der hilflose Säugling übernimmt Familiendenkart und Familiensprache; Klima, Nahrung und größere Gemeinschaften spalten die eine Menschheit in Nationalsprachen. Die Menschheit bleibt ein fortschreitendes Ganzes von einem Ursprung.
Herder weist die Abstammung vom Tier im späteren Sinn nicht voraus und will sie auch nicht. Der Mensch ist vom Tier geschieden durch Besonnenheit, nicht durch eine göttliche Extraausstattung. Die Abhandlung bleibt unsicher, wo sie die Sprachen der anderen als sinnennäher und die europäischen als abgeblasst beschreibt: das ist Entdeckung und Rangordnung zugleich. Die Akademie hatte eine Ursache verlangt; Herder liefert eine Geschichte der Kräfte. Wer nur den Anti-Süßmilch liest, verfehlt den Anti-Condillac. Wer nur die Nationalsprachen liest, verfehlt, dass sie Zweige eines Stammes bleiben.
Einordnung
Arnold Gehlen hat das Mängelwesen zum Schlüssel seiner Anthropologie gemacht; Dieter Claessens hat die Aufzucht des Säuglings in die Theorie der Gruppe übersetzt. Die Berliner Preisfrage steht in einer europäischen Debatte, die Herder nicht beendet, aber umgestellt hat: von der Offenbarung und vom Gesellschaftsvertrag auf den hörenden, mangelhaften, geschichtlichen Menschen. Wilhelm von Humboldt hat später die innere Form der Sprachen anders gewendet, blieb aber in Herders Nähe, wo er Volk und Rede zusammenbindet. Die Abhandlung ist kurz und preisrednerisch, sie will überzeugen, nicht das Archiv der Völkerkunde ersetzen.
Neben Herders späterer Schrift Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit bildet die Abhandlung das sprachliche Fundament derselben Geschichtsdenkens: Epochen und Völker sind eigen, nicht Vorstufen. Die Sprachwissenschaft nach dem neunzehnten Jahrhundert hat den Ursprung oft für unbeantwortbar erklärt und Herder dennoch als Ahnen der Laut- und Volkslehre behalten. Wer Sprache nur als Werkzeug der Mitteilung denkt, spricht gegen dieses Buch. Wer sie als Merkmal der Besonnenheit denkt, spricht hinter Herder.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
