Über die Gewalt
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Über die Gewalt |
| Autor(en): | Georges Sorel |
| Originaltitel: | Réflexions sur la violence |
| Originalsprache: | französisch |
| Erstveröffentlichung: | 1908 |
| Schlagwörter: | Mythos, Generalstreik, Syndikalismus, Gewalt |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Politik |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Serie: | edition suhrkamp |
| Umfang dieser Ausgabe: | 248 Seiten |
| ISBN: | 9783518281185 |
| Verweise | |
Über die Gewalt erschien 1908 als Réflexions sur la violence. Georges Sorel, Ingenieur und Außenseiter der französischen Linken, erklärt den Generalstreik zum Mythos, der die Arbeiterklasse formt – nicht zum Fahrplan einer Regierung. Die Suhrkamp-Ausgabe macht den Text auf Deutsch greifbar. Gewalt meint hier den Bruch mit der parlamentarischen Vermittlung, nicht ein Handbuch der Straße.
Inhalt
Sorel schreibt gegen den parlamentarischen Sozialismus, der den Klassenkampf in Mandate und Kompromisse auflöst. Der Fortschritt der Bürger, ihre Humanität, ihre Verträge erscheinen ihm als Einschläferung: Die Arbeiter sollen nicht vertreten werden, sie sollen eine eigene Sittlichkeit aus dem Kampf ziehen. Der Mythos des Generalstreiks ist keine Prognose, die man an Daten misst; er ist ein Bild, das Energie sammelt. Wer fragt, ob der Streik »gelingt«, hat den Text schon liberal gelesen. Sorel will die Würde des Produzenten, nicht das Ministeramt.
Gewalt und Kraft werden geschieden. Die Gewalt der Streikenden gilt ihm als schöpferisch, weil sie eine neue Ordnung der Arbeit andeutet; die Kraft des Staates als polizeilich, weil sie die alte erhält. Bergsons Dauer, die katholische Härte, Marx ohne die Partei – daraus wird eine Lehre, die den Fortschritt verachtet, wo er weich macht. Der Ton ist der eines Moralisten, der die Mittelklasse für feige hält und die Gewerkschaft für die einzige Schule des Charakters.
Unsicher bleibt, wer den Mythos erbt, wenn die Syndikalisten ihn nicht halten. Sorel hat später Mussolini begrüßt und Lenin bewundert, ohne Parteimann zu werden; die Rechte las die Verachtung des Parlaments, die Linke den Streik. Der Text liefert keine Bombenanleitung und keine Liste von Zielen. Er liefert die Weihe des Bruchs. Genau das machte ihn anschlussfähig für Bewegungen, die den Mythos vom Produzenten auf Nation oder Partei verschoben.
Einordnung
Sorel steht zwischen Marx und den Diktaturen, die den Mythos staatlich machten. Carl Schmitt hat die Entscheidung geschätzt; die syndikalistische Linke den Streik; der Faschismus die Verachtung der Diskussion. Das Buch bleibt gefährlich, weil es Moral an den Konflikt bindet und den Kompromiss als Verfall liest. Wer nur den Faschisten in Sorel sucht, unterschlägt den Ingenieur, der die Arbeiter gegen die Abgeordneten stellte. Wer nur den Syndikalisten rettet, unterschlägt, dass derselbe Kult der Härte nach 1918 nach rechts wanderte. Lesen heißt den Mythos als Mythos erkennen – und die Politik, die ihn wörtlich nahm.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
