Zenos Gewissen

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Zenos Gewissen
Autor(en): Italo Svevo
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Diogenes Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1923
Seitenanzahl: 621 Seiten
Originaltitel: La coscienza di Zeno
Originalsprache: italienisch
ISBN-10: 3257240430
ISBN-13/

EAN-Code:

9783257240436
Schlagwörter: Psychoanalyse, Triest, Ironie, Krankheit
Sachgebiete: Roman
Rezensionen

Zenos Gewissen (italienisch La coscienza di Zeno, älter deutsch auch Zeno Cosini) ist der 1923 erschienene dritte Roman von Italo Svevo. Erst eine französisch-italienische Debatte über den unbekannten Autor aus Triest verschaffte dem Buch Aufmerksamkeit; heute gilt es als Schlüsselwerk der europäischen Moderne.

Inhalt

Das Buch gibt sich als Krankengeschichte aus: Der Kaufmann Zeno Cosini hat sie auf Verlangen seines Psychoanalytikers geschrieben, und dieser veröffentlicht sie aus Rache, weil der Patient die Behandlung abgebrochen hat. Zeno beginnt mit dem Rauchen. Jede Zigarette ist die letzte, feierlich datiert und notiert – ein Ritual, das er sein Leben lang wiederholt und das zum Muster seines Charakters wird: Der Vorsatz ersetzt die Tat.

Die weiteren Kapitel erzählen ein Leben, das durch Zufälle in die richtige Richtung stolpert. Ein Missverständnis am Sterbebett des Vaters bleibt unaufgelöst. Zeno wirbt um die schöne Ada, hält bei zwei ihrer Schwestern nacheinander um die Hand an und heiratet schließlich die schielende Augusta – gegen seine Absicht wird die Ehe glücklich. Weil ihn dieses unverdiente Glück beunruhigt, unterhält er eine Geliebte, um sich ein sorgfältig gepflegtes schlechtes Gewissen zuzulegen. Als er dem Schwager Guido bei dessen Firma hilft, endet die Sache nach unglücklichen Spekulationen mit Guidos Selbstmord; Zeno kommt zu dessen Begräbnis zu spät, weil er dem falschen Trauerzug folgt.

Am Ende erklärt Zeno die Analyse für gescheitert und behauptet, sein Patientenverhalten sei Verstellung gewesen, um den Allwissenheitsanspruch des Arztes lächerlich zu machen. Geheilt wird er anders: Im Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der ihn zufällig von seiner Familie trennt, übernimmt er sein Geschäft selbst, handelt mit Waren und Devisen und verliert dabei das Interesse an seinem Innenleben. Die Krankheit, so Zenos Schluss, sei nicht seine allein, sondern die des Lebens überhaupt.

Einordnung

Svevo, hauptberuflich Kaufmann in Triest und einst Englischschüler von James Joyce, unterläuft die Autorität der Psychoanalyse mit ihren eigenen Mitteln: Ein unzuverlässiger Erzähler legt sein Leben so aus, dass jede Deutung zugleich als Ausrede lesbar bleibt. Der Roman verbindet komische Alltagsbeobachtung mit dem großen Thema der Willensschwäche und wird häufig neben Thomas Manns Der Zauberberg und Marcel Prousts Werk gestellt.