Slavische Mythologie
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Slavische Mythologie |
| Autor(en): | Wjatscheslaw Iwanow, Wladimir Toporow
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| Originalsprache: | russisch |
| Erstveröffentlichung: | 1983 |
| Schlagwörter: | Mythos, Name, Weltbaum, Moskau |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Fink
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| Umfang dieser Ausgabe: | 400 Seiten |
| ISBN: | 9783770521371 |
| Verweise | |
Slavische Mythologie ist der 1983 bei Fink erschienene deutsche Band, in dem Wjatscheslaw Iwanow und Wladimir Toporow das slavische Mythologische als Text der Kultur lesen. Er bündelt die Moskauer Rekonstruktionen, die zuvor verstreut auf Russisch erschienen waren, und stellt die Hälfte der Tartu-Moskauer Schule dar, die nicht am Peipussee saß. Mythos ist hier Code, nicht Sammlung von Göttergeschichten.
Inhalt
Iwanow und Toporow holen das Slavische aus der Folklore in die Struktur. Wo die schriftlichen Zeugnisse des heidnischen Kults spärlich sind, wird der Mythos aus Namen, Flurnamen, Ritualen, Märchen und indogermanischen Parallelen rekonstruiert: ein modellbildendes System, das Welt ordnet, indem es Gegensätze setzt. Der sogenannte Grundmythos erzählt den Streit des Donnergottes Perun mit seinem chthonischen Gegner Veles – oben gegen unten, trocken gegen feucht, Himmel gegen Unterwelt, am Weltbaum, dessen Krone und Wurzel dieselben Figuren tragen. Namen sind in dieser Lesart keine Etiketten; sie verdichten Oppositionen. Die Moskauer Arbeit steht gegen eine Slawistik, die Stoffe sammelt, und gegen eine Religionsgeschichte, die nur glaubt, was eine Chronik bezeugt. Mythologie als Katalog von Gottheiten reicht dafür nicht.
Gegen Jurij M. Lotmans Die Struktur literarischer Texte, die am einzelnen Werk eine geschlossene Ordnung liest, setzt Moskau den Mythos als Code der Kultur: nicht das Gedicht, sondern das System, das Gedichte, Bräuche und Ortsnamen gemeinsam erzeugen. Wladimir Propps Morphologie des Märchens hatte Funktionen der Handlung isoliert; Iwanow und Toporow isolieren Funktionen des Kosmos. Der Weltbaum, das Paar Himmel und Erde, die weiblichen Gestalten des Hauses und der Nässe, die Umbesetzung heidnischer Figuren durch christliche Heilige – etwa Ilja, der den Donner erbt – erscheinen als Umformungen desselben Textes, nicht als Verfall. Die Kühnheit liegt in der Behauptung, man könne aus Resten ein Ganzes bauen. Die Notwendigkeit liegt darin, dass ohne Rekonstruktion die slavische Vorzeit stumm bleibt.
Die Arbeiten entstanden in der Moskauer Semiotik der sechziger und siebziger Jahre, am Institut für Slawistik, neben der Onomastik und der indogermanischen Lautlehre, die Iwanow auch sonst betrieb. Deutsche Sammelbände, dieser Fink-Band unter ihnen, haben sie gebündelt, als Tartu im Westen schon eine Adresse war und Moskau oft nur als Anhang vorkam. Die Slawistik hat die Rekonstrukte als kühn und als nötig gelesen: zu binär, zu sicher in der Analogie zum Veda und zur baltischen Überlieferung, zu wenig quellenkritisch gegenüber der Chronik, und doch das Modell, an dem sich jede spätere Darstellung des slavischen Heidentums reibt. Tartu war im Westen schon die Adresse Lotmans; dieser Band macht sichtbar, dass Moskau denselben semiotischen Anspruch am Mythos durchführte. Der Mythos ist ein Text, den die Kultur schreibt, ohne ihn zwischen zwei Buchdeckel zu legen.
Einordnung
Iwanow und Toporow haben der Tartu-Moskauer Schule die Moskauer Hälfte gegeben: den Mythos als Code, neben Lotmans literarischem Text und Propps Märchenmorphologie. Die Kultursemiotik, die Onomastik und die vergleichende Religionsforschung haben ihre Oppositionen übernommen, oft verdünnt zum Schema oben/unten, und die Kritik an der Rekonstruktion – dass sie ein Ganzes erfindet, wo Reste sind – hat die Wirkung nicht gebrochen. Fink hat Moskau ins deutschsprachige Seminar geholt, als Lotman schon kanonisch war. Der slavische Mythos ist seither als Code lesbar, nicht nur als Götterliste und nicht nur als Volkskunde.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
