Serotonin

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Serotonin
Autor(en): Michel Houellebecq
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: DuMont
Serie:
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenanzahl: 336 Seiten
Originaltitel: Sérotonine
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3832165487
ISBN-13/

EAN-Code:

9783832165482
Schlagwörter: Depression, Landwirtschaft, Libido, Normandie
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Serotonin ist ein Roman von Michel Houellebecq, 2019 bei Flammarion erschienen, deutsch im selben Jahr bei DuMont in der Übersetzung von Stephan Kleiner. Der vierundvierzigjährige Erzähler setzt sich mit dem Antidepressivum Captorix still, verliert die Lust, kündigt das Leben, das er hat, und fährt durch ein Frankreich, dessen Bauern gegen die europäischen Märkte verlieren. Der Titel nennt den Botenstoff des Wohlbefindens und meint dessen Mangel. Nach Unterwerfung war das Publikum auf Zeitdiagnose gefasst; Houellebecq lieferte eine melancholische Fahrt zu Frauen, Höfen und einem Freund, der zur Waffe greift. Das Buch wurde viel besprochen, oft als Symptom, seltener als Roman über Zärtlichkeit, die zu spät kommt.

Inhalt

Florent-Claude Labrouste arbeitet in der Agrarverwaltung, wohnt mit der jungen Japanerin Yuzu in Paris und erträgt eine Beziehung, die aus Pornographie, Schweigen und getrenntem Elend besteht. Er beschließt, zu verschwinden: Konto, Wohnung, Amt, Namen soweit nötig. Captorix dämpft die Angst und tötet das Begehren; der Erzähler registriert beides mit derselben Genauigkeit, mit der Houellebecqs Männer immer schon den Körper als Statistik gelesen haben. Erinnerungen an frühere Frauen – die Arzttochter, die Studentin, die, die er hätte halten können – schieben sich in die Fahrt. Frankreich erscheint als Fläche aus Einkaufszentren, leeren Dörfern und Vorschriften, die Milch und Fleisch nicht retten.

In der Normandie trifft Florent-Claude den alten Studienfreund Aymeric, Adeliger, Landwirt, Vater, Mann, der den Hof gegen Schleuderpreise und Vorschriften nicht halten kann. Aus Wiedersehen wird Zeugenschaft eines Aufstands: Bauern blockieren Straßen, Aymeric steigert sich in die Rolle des bewaffneten Verteidigers einer Welt, die der Erzähler längst verraten hat, indem er für das Ministerium Zahlen lieferte. Houellebecq schildert den Konflikt nicht als Lehrstück der Weltmärkte, sondern als persönliche Scham: Labrouste hat die Sprache der Verwaltung gesprochen, während der Freund noch Kühe zählte. Der Schuss, der fällt, gilt mehr als einer Politik; er gilt einer Freundschaft, die keine Hilfe mehr war.

Florent-Claude treibt weiter, sucht eine verlorene Liebe in einem Haus, das nicht mehr das seine ist, und findet keine Rückkehr. Das Mittel, das Serotonin heben soll, lässt ihn am Leben und nimmt ihm den Grund, es zu wollen. Sex, bei Houellebecq sonst oft als letzter Beweis, dass jemand noch da ist, fällt aus; übrig bleiben Beobachtung, Bitterkeit und Anwandlungen von Güte, die der Erzähler selbst nicht glaubt. Der Roman schließt nicht mit Genesung und nicht mit einem großen politischen Umschwung. Frankreich bleibt, der Hof geht unter, der Mann mit der Schachtel Captorix geht in eine Stille, die keine Weisheit ist. Houellebecq hat das Pathos diesmal näher an die Träne gelegt als in den kälteren Büchern, ohne den Sarkasmus zu kündigen.

Einordnung

Houellebecq hat aus der Depression einen Erzählstand gemacht: Der gedämpfte Erzähler sieht klarer, weil ihm nichts mehr lohnt. Die Bauernproteste der Jahre vor Erscheinen geben dem Buch einen aktuellen Boden; die Figur Aymeric bewahrt es davor, nur Innenwelt zu sein. Gegen Unterwerfung, wo die Nation eine religiöse Lösung wählt, steht Serotonin als Buch ohne Lösung: weder Islam noch Nation noch die Frau retten den Mann, der sich abgemeldet hat. Kritik warf dem Roman Selbstwiederholung vor – weißer Heterosexueller, Verfall, Sex – und übersah oft, wie sehr hier die Scham über den Verrat an der Provinz die alte Misanthropie bricht.

DuMont hat den deutschen Houellebecq gehalten; Kleiner übersetzt den Flachlandton, in dem Furchtbares beiläufig wird. Verfilmung von Rang gibt es nicht, und der Stoff verlangt sie nicht. Wer nach 2019 über Frankreichs Höfe und über Antidepressiva in der Literatur sprach, sprach hinter diesem Band. Er bleibt ein Zeitroman, der die Zeit nicht erklärt, sondern in einem Mann versammelt, der nicht mehr will und trotzdem zuschaut, bis es weh tut.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.