Schande

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J. M. Coetzee · 1999 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Schande
Autor(en): J. M. Coetzee
Originaltitel: Disgrace
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1999
Schlagwörter: Schande, Hof, Südafrika, Gewalt
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Fischer Taschenbuch


Umfang dieser Ausgabe: 288 Seiten
ISBN: 9783596150984
Verweise


Schande ist der 1999 erschienene Roman von J. M. Coetzee, im Original Disgrace, im selben Jahr mit dem Booker-Preis ausgezeichnet, dem zweiten nach Leben und Zeit des Michael K. Coetzee erzählt von einem Kapstädter Literaturdozenten, der nach einem Verhältnis mit einer Studentin den Beruf verliert und auf dem Hof der Tochter in der östlichen Kap-Provinz die Gewalt trifft, die er akademisch nicht mehr wegsprechen kann. Das Buch ist kurz, kalt, genau. Die deutsche Übersetzung stammt von Reinhild Böhnke. Es ist kein Schlüsselroman der Wahrheitskommission, aber man liest ihn nicht ohne das Land nach der Apartheid.

Inhalt

David Lurie, zweiundfünfzig, zweimal geschieden, unterrichtet an der Universität Kapstadt Romantik, Byron, und schläft mit Frauen, die er bezahlt oder überredet. Mit der Studentin Melanie Isaacs beginnt ein Verhältnis, das er für Verführung, sie und die Kommission für Übergriff halten. Lurie gesteht die Tat, nicht die Reue, die man von ihm verlangt; er will nicht das öffentliche Theater der Zerknirschung. Die Universität entlässt ihn. Er fährt zu seiner Tochter Lucy, die allein auf einem Hof in der Nähe von Salem lebt, Hunde betreut, Gemüse verkauft, mit dem Nachbarn Petrus in einem Verhältnis, das Lurie als Unterordnung liest und Lucy als Überleben. Lurie hilft in der Tierklinik der Bev Shaw, tötet Hunde, die niemand will, und merkt, dass diese Arbeit ihn näher an Scham bringt als jede Kommission.

Drei Männer überfallen den Hof. Sie vergewaltigen Lucy, schlagen Lurie nieder, übergießen ihn mit Brennstoff, zünden ihn an, erschießen die Hunde. Lucy erstattet keine Anzeige in der Form, die der Vater will; sie bleibt, wird schwanger, verhandelt mit Petrus, der Land und Schutz anbietet, unter Bedingungen, die Lurie als Enteignung versteht. Einer der Täter, der junge Pollux, taucht im Umkreis des Hofes wieder auf; Petrus schützt ihn als Verwandten. Lurie wütet, droht, versteht nichts. Lucy sagt, es sei der Preis, auf diesem Boden zu bleiben, und dass der Vater ihr Leben nicht führen könne. Coetzee gibt Lucy wenig direkte Rede über die Tat; die Leere ist Absicht, nicht Scham vor dem Leser.

Lurie arbeitet weiter in der Klinik, schreibt an einer Kammeroper über Byron in Italien, einem Exilanten, der Hunde liebt und stirbt. Er sucht Melanies Familie auf, kniet vor der Mutter, ohne dass daraus Absolution wird. Am Ende bringt er einen der Hofhunde, an dem er hängt, selbst zur Spritze. Der Roman schließt nicht mit Versöhnung zwischen Vater und Tochter und nicht mit einer Lehre über das neue Südafrika. Schande bleibt der Name für das, was Lurie sich zugefügt hat, und für das, was Lucy trägt, ohne es ihm zu überlassen. Der Hof ist kein Idyll und keine Metapher für Nation; er ist ein Stück Land mit Hunden, Nachbarn und einer Frau, die bleibt.

Einordnung

Coetzee hat den Universitätsroman und den Hofroman in einem Zug erzählt und beide beschädigt. Luries Berufung auf Byron und auf das Recht der Begierde trifft auf ein Land, in dem Begierde und Landbesitz nicht unschuldig sind; die Kommissionssprache der Reue weist der Roman zurück, ohne die Tat zu entschuldigen. Verglichen mit Nadine Gordimers politisch expliziteren Büchern bleibt Coetzee kälter, enger an einer Stimme, die man nicht mögen soll. Der Booker-Preis und der spätere Nobelpreis haben Schande zum Weltbuch gemacht; in Südafrika war der Streit schärfer: ob Lucy als weiße Frau das Land hingebe, ob Coetzee die schwarze Gewalt schaure, ob der Hof die Nation sei.

Die Verfilmung von 2008 mit John Malkovich hat Gesichter geliefert, die der Prosa die Kälte nehmen. Der Roman steht in Coetzees Werk neben den allegorischeren Frühwerken als das realistischste und zugleich unerbittlichste. Wer nach ihm über Scham, Universität und Land spricht, kommt an diesem Band nicht vorbei; wer ihn nur als Gleichnis liest, hat Lucy nicht gehört, die keinen Gleichnisdienst leisten will. Die vier deutschen Schlagworte treffen den Kern: Schande, Hof, Südafrika, Gewalt – in dieser Reihenfolge, nicht als These.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.