Mammotrectus
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Mammotrectus |
| Autor(en): | Johannes Marchesinus |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Peter Schöffer |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1470 |
| Seitenanzahl: | 400 Seiten |
| Originaltitel: | Mammotrectus super Bibliam |
| Originalsprache: | lateinisch |
| ISBN-10: | |
| ISBN-13/
EAN-Code: | |
| Schlagwörter: | Bibel, Auslegung, Amme, Franziskaner |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Theologie |
| Rezensionen | |
Mammotrectus (vollständig Mammotrectus super Bibliam, „von einer Amme Ernährter über die Bibel“) ist das Ende des 13. Jahrhunderts in Reggio Emilia verfasste Handbuch des Franziskaners Johannes Marchesinus zum Verständnis und zur Auslegung der Heiligen Schrift. Über den Verfasser ist wenig bekannt; er unterrichtete in Imola Novizen und junge Klosterbrüder. Das Buch gehört zu den wichtigsten franziskanischen Lehrtexten des späten Mittelalters. Die erste gedruckte Ausgabe erschien 1470 bei Peter Schöffer in Mainz; im November desselben Jahres druckte Helias Helye in der Schweiz das erste datierte Buch des Landes, ebenfalls den Mammotrectus. Bis 1742 wurde das Werk immer wieder aufgelegt.
Inhalt
Marchesinus schreibt gegen die Hilflosigkeit der jungen Brüder vor einem lateinischen Bibelwort, das sie hersagen und nicht verstehen. Der Titel sagt die Haltung: Der Leser wird von einer Amme ernährt, nicht in die hohe Schule der Magister geschickt. Rund 1300 Artikel erklären, was an der Schrift dunkel ist, ohne eine neue Theologie zu begründen. Der erste Teil gilt wenig verständlichen biblischen Begriffen und Stellen. Der zweite Teil schiebt Lehrgänge über lateinische Akzente ein, Hinweise zur Auslegung und zur Übersetzung. Der dritte Teil verlässt den Bibeltext und versammelt Liturgie, Hymnen, Heiligenlegenden und Predigtstoff. Das Ganze ist ein Werkzeug für Narren im geistlichen Sinn, wie Frans van Liere den Traktat gelesen hat: Werkzeuge für Einfältige, die predigen sollen.
Die Behauptung entfaltet sich an der Wortarbeit. Schwierige Lemmata werden grammatisch, etymologisch und sachlich aufgeschlüsselt, damit der Novize die Lektion und die Predigt bestehen kann. Der Akzentlehre liegt die Sorge zugrunde, dass falsche Betonung den Sinn verdreht. Die Auslegung bleibt der kirchlichen Tradition verpflichtet; der Franziskaner liefert keine Streittheologie gegen die Dominikaner oder die Weltgeistlichen, sondern einen Vorrat, der im Konvent brauchbar ist. Legenden und Hymnen zeigen, dass die Bibel im Gottesdienst lebt, nicht nur auf dem Pult. Samuel Berger zählte 1879 fünfzehn Handschriften in europäischen Bibliotheken; seither sind weitere aufgetaucht. Der Druck hat das Handbuch aus dem Konvent in die weite Leserschaft der Frühdruckzeit getragen.
Unsicher wird das Buch, wo die Knappheit der Artikel in Fehler umschlägt. Erasmus von Rotterdam verspottete es 1515 in der Synodus grammaticorum, François Rabelais im Zyklus um Gargantua und Pantagruel, Martin Luther 1524. Die Humanisten und Reformatoren lasen den Mammotrectus als Inbegriff der mönchischen Wortklauberei, die Griechisch und Hebräisch nicht kennt und dennoch die Schrift erklärt. Marchesinus konnte diese Kritik nicht voraussehen; sein Maß war die Konventsschule, nicht die Philologie des 16. Jahrhunderts. Van Liere hat eine kritische Neuausgabe gefordert, weil der gedruckte Text den handschriftlichen Befund nicht ersetzt. Der Ton ist der des Lehrers, trocken und dienstbar, ohne den Glanz der großen Sentenzenwerke.
Einordnung
Als franziskanisches Schulbuch steht der Mammotrectus neben den Bibelhilfen der Bettelorden, die das 13. Jahrhundert hervorbrachte, um Predigt und Studium zu tragen. Nachbarschaft hat er zu den Vokabularien und zu den postillenförmigen Auslegungen, unterscheidet sich aber durch die Mischung aus Wort, Akzent, Liturgie und Legende. Die protestantische Verspottung hat das Bild lange bestimmt; sie trifft eine Schwäche und verfehlt den Zweck. Ohne solche Ammenbücher wäre die Schrift im Alltag der Konvente stummer geblieben.
Geblieben ist der Titel als Spottname und als Zeugnis, dass Auslegung zuerst Verständlichkeit verlangt. Der Mainzer und der Schweizer Druck binden das Werk an die Frühgeschichte des Buches in Europa. Wer die Bibelwissenschaft des späten Mittelalters nur an den großen Kommentaren misst, übersieht, wovon Novizen wirklich lebten: von Artikeln, die ein dunkles Wort trugen, bis die Humanisten andere Ammen forderten.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.