Juliette
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Juliette |
| Autor(en): | Marquis de Sade |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Ullstein |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1797 |
| Seitenanzahl: | 336 Seiten |
| Originaltitel: | Histoire de Juliette, ou les Prospérités du vice |
| Originalsprache: | französisch |
| ISBN-10: | 3548268617 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783548268613 |
| Schlagwörter: | Laster, Aufklärung, Macht, Schwestern |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Juliette ist der 1797 erschienene Roman des Marquis de Sade, Gegenstück zu Justine und unter dem Untertitel oder die Vorteile des Lasters die Geschichte einer Frau, die durch Verbrechen, Berechnung und Bündnisse mit Mächtigen zu Reichtum kommt, während ihre tugendhafte Schwester zugrunde geht. Sade hat den Doppelroman in den Jahren der Revolution und des Direktoriums geschrieben, teilweise im Gefängnis, als philosophisches Pamphlet in Erzählform: Die Natur kenne keine Tugend, nur Kraft. Der Text ist kein Anleitungsbuch und keine Biographie, sondern eine literarische Maschine, die die Moral der Aufklärung umkehrt und an Höfen, in Klöstern und Ministerien vorführt. Vollständig liegt er deutsch in der zehnbändigen Ausgabe von Stefan Zweifel und Michael Pfister bei Matthes & Seitz vor; Taschenbuchausgaben kürzen. Wer das Buch nur als Skandal kennt, hat die Abhandlungen überschlagen, die zwischen den Episoden stehen.
Inhalt
Juliette und Justine wachsen in einem Pariser Kloster auf und werden früh auf sich gestellt. Justine hält an Mitleid, Keuschheit und Glauben fest und wird dafür betrogen, eingesperrt und misshandelt; Juliette zieht die entgegengesetzte Lehre und sucht Lehrerinnen des Lasters, die ihr erklären, dass Gewissen eine Erfindung der Schwachen sei. Eine frühe Gönnerin, die Madame Delbène, führt sie in Zirkel ein, in denen Geld, Amt und Begierde dieselbe Sprache sprechen. Juliette lernt, dass man in dieser Welt nicht trotz, sondern mittels der Institutionen aufsteigt: Kirche, Justiz und Adel liefern die Bühne, auf der sie sich unentbehrlich macht. Sade lässt sie nicht als naives Opfer, sondern als Schülerin auftreten, die die Lehrsätze ihrer Mentoren prüft und überbietet.
Die Reise führt durch Frankreich und Italien. Juliette verkehrt mit Ministern, Prälaten und Scharlatanen, beteiligt sich an Intrigen, in denen Vermögen den Besitzer wechseln, und hört lange Reden, die Atheismus, Materialismus und die Abschaffung jeder Bindung predigen. Clairwil, eine Gefährtin von kälterer Konsequenz, treibt die Theorie weiter als Juliette selbst: Verbrechen sei nicht Ausnahme, sondern das der Natur gemäße Handeln, sobald man die Heuchelei abstreift. Der Roman reiht Begegnungen, in denen Juliette beobachtet, wie Macht sich als Tugend kostümiert und wie die Kostümierung fällt, sobald niemand mehr zuschaut. Italien, vor allem Rom und Neapel, dient als zweite Schule: Höfe, die fromm sprechen und grausam wirtschaften. Juliette sammelt Reichtum, Titel und Mitwisser; sie bleibt am Leben, weil sie keine Zeugin ihrer selbst mehr braucht.
Gegen Ende trifft sie Justine wieder, deren Tugendweg sie in denselben Abgrund geführt hat, den Juliette als Steinbruch benutzt hat. Sade stellt die Schwestern nicht als psychologische Charaktere im modernen Sinn gegeneinander, sondern als zwei Beweise derselben These: In einer Natur ohne Vorsehung siegt, wer keine Rücksicht kennt. Juliette überlebt, Justine nicht; der Roman feiert das nicht als versöhnlichen Schluss, sondern als Experiment, das die Leser in Widerspruch setzen soll. Die philosophischen Einschübe – über Strafe, Eigentum, Gott und den Gesellschaftsvertrag – sind keine Unterbrechung der Handlung, sie sind die Handlung in anderer Form. Wer sie überspringt, behält Anekdoten; wer sie liest, sieht, dass Sade die Aufklärung nicht verwirft, sondern an ihr Ende treibt.
Einordnung
Juliette gehört zur europäischen Literatur der Umwertung, nicht in die Schublade verbotener Kuriosa. Sade schreibt nach Voltaire und Jean-Jacques Rousseau und gegen beide: Die Natur, die bei Rousseau heilen sollte, wird hier zur Rechtfertigung der Stärke. Die Schwesternkonstruktion ist das argumentative Gerüst; ohne Justine bleibt Juliette ein Torso. Die Zensurgeschichte – Beschlagnahmen, Gefängnis, die lange Untergrundexistenz der Drucke – hat den Text zum Mythos gemacht und die Lektüre erschwert. Die kommentierte deutsche Gesamtausgabe hat ihn der Literaturwissenschaft zurückgegeben, indem sie die Reden ernst nimmt und die Ausschweifung nicht als Würze verkauft.
Verfilmungen und populäre Sade-Bilder haben aus Juliette oft eine bloße Kurtisane gemacht. Der Roman erzählt eine Denkerin des Lasters, eingebettet in die Politik des späten achtzehnten Jahrhunderts, in der Klöster, Polizei und Finanz denselben Hunger haben. Neben der Lady Chatterley, die Sinnlichkeit gegen die Erstarrung setzt, bleibt Sade unerbittlich: Hier gibt es keine versöhnte Natur. Wer nach diesem Buch über die dunkle Seite der Aufklärung spricht, spricht hinter einem Text, der Tugend und Laster als zwei Karrieren derselben Gesellschaft vorführt – und der literarisch bleibt, auch wo er unerträglich ist.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
