Herr Vogt

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Herr Vogt
Autor(en): Karl Marx
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Dietz
Serie: Marx-Engels-Werke
Erscheinungsjahr: 1860
Seitenanzahl: 306 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3320002155
ISBN-13/

EAN-Code:

9783320002152
Schlagwörter: Emigration, Verleumdung, Polemik, Bonapartismus
Sachgebiete: Sachbuch, Politik
Rezensionen
Umschlag

Herr Vogt ist die Ende 1860 in London erschienene Streitschrift von Karl Marx gegen den nach Genf emigrierten Naturwissenschaftler und Politiker Carl Vogt. Sie beantwortet publizistische Angriffe und ist zugleich ein Zeitkommentar zur Lage Europas nach der gescheiterten Revolution. Marx druckte bei A. Petsch in London, gegen den Rat Ferdinand Lassalles und Friedrich Engels', die eine Veröffentlichung in Deutschland gewünscht hatten. Der Verleger ging in Konkurs; Marx blieb auf den Kosten sitzen. Die maßgebliche Textgestalt steht in den Marx-Engels-Werken.

Inhalt

Marx schreibt gegen eine Denunziation, die ihn zum Chef einer Erpresserbande von Flüchtlingen machte, und gegen Vogts politische Linie im italienischen Krieg von 1859. Vogt hatte im April 1859 deutsche Emigranten für eine Zeitung geworben, die Österreich nicht gegen Napoleon III. unterstützen sollte. Marx nannte das Programm Kannegießererei; gegenüber Engels erklärte er, es mache eine revolutionäre Entwicklung in Deutschland unmöglich. Karl Blind behauptete, Vogt sei von Frankreich bezahlt. Die Zeitung Das Volk spottete; Vogt antwortete im Bieler Handels-Courier und brandmarkte Marx' Kreis als Schwefelbande. Ein anonymes Flugblatt, von Blind in der Druckerei des Volk hergestellt, nannte Vogt einen Spion; die Augsburger Allgemeine Zeitung druckte es. Vogt klagte, unterlag und veröffentlichte 1859 Mein Prozeß gegen die Allgemeine Zeitung, worin er Marx vorwarf, Teilnehmer der Achtundvierziger mit Verrat zu erpressen. Die Berliner National-Zeitung übernahm die Beschuldigungen; Marx klagte in Preußen durch drei Instanzen und unterlag.

Die Behauptung der Streitschrift ist doppelt: Vogt sei ein Agent bonapartistischer Politik, und die Verleumdung der Londoner Emigration sei Teil dieser Politik. Marx rollt die Geschichte der Flüchtlingskreise, der Presse und der polnischen Frage auf, vergleicht Vogt mit Shakespeares Falstaff und schleudert Zitate aus alter und neuer Literatur. Engels zog den Band später dem Achtzehnten Brumaire als polemisches Meisterstück vor; Lassalle nannte ihn meisterhaft, Lothar Bucher ein Kompendium der Zeitgeschichte. Der literarische Witz, den Franz Mehring einen Witz Shakespeares nannte, sitzt auf einem Berg von Briefen, Zeitungsstellen und Prozessakten. Marx arbeitet von Januar bis November 1860; Jenny Marx schreibt das Manuskript ab und erkrankt an Pocken.

Unsicher wird das Buch, wo die Notwendigkeit der Selbstverteidigung die Schwelle der Lesbarkeit überschreitet. Mehring bedauerte, dass Emigrantengeschichten, zu denen der Angreifer zwang, zu Recht verschollen seien, und konnte ein Unbehagen nicht unterdrücken, diesen Mann gegen Schmutz verteidigen zu hören, der nicht den Saum seiner Schuhsohle beflecke. Die Beweisführung gegen Vogts französische Zahlungen blieb für Zeitgenossen unvollständig; spätere Akten haben die Nähe zu Napoleon III. erhärtet. Der Ton ist der der vernichtenden Polemik: belesen, höhnisch, ohne den knappen Geschichtsessaysatz des Brumaire. Die Grenze des Werks ist die des Prozesses in Buchform: es rettet die Ehre und belastet den späteren Kanon, der lieber den Brumaire und das Kapital liest.

Einordnung

Zu Lebzeiten wurde die Schrift von Freunden als Glanzstück der Zeitgeschichte gelesen; Heinrich von Treitschke und Ludwig Bamberger wiederholten später Vogts Anschuldigungen gegen die Sozialdemokratie, als sei nichts widerlegt. Die marxistische Philologie des zwanzigsten Jahrhunderts hat Entstehung, Quellen und Wirkung aufgearbeitet, ohne den Text ins Zentrum des Werkes zu heben. Nachbarschaft hat er zum Achtzehnten Brumaire und zur Journalistik der Neuen Rheinischen Zeitung, nicht zur Ökonomie der späteren Bände. Das Missverständnis liegt darin, hier nur Privatfehde oder nur Agentenentlarvung zu sehen.

Geblieben ist ein Dokument der Emigration: wie aus Verleumdung Literatur wird und wie teuer sie zu stehen kommt. Wer über Marx' politische Kämpfe der fünfziger und sechziger Jahre spricht, ohne Herr Vogt, spricht über eine geglättete Biographie. Die Dietz-Ausgabe in den Werken hat den polemischen Atem bewahrt; er ist anstrengend und gehört zur Wahrheit dieses Lebens.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.