Gehen, ging, gegangen
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Gehen, ging, gegangen |
| Autor(en): | Jenny Erpenbeck |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Penguin Verlag |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 2015 |
| Seitenanzahl: | 352 Seiten |
| Originaltitel: | Gehen, ging, gegangen |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3328101187 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783328101185 |
| Schlagwörter: | Flucht, Berlin, Warten, Sprache |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Gehen, ging, gegangen ist der Roman von Jenny Erpenbeck, 2015 bei Knaus erschienen, im Jahr der großen Ankunft von Schutzsuchenden in Deutschland. Ein emeritierter Altphilologe in Berlin begegnet Männern aus Afrika, die auf dem Oranienplatz und in einer Unterkunft auf Bescheide warten, und lernt, dass das Warten eine Lebensform ist, die das Vergehen der Zeit unerträglich macht. Der Titel beugt das Verb, das die Behörde und die deutsche Stunde brauchen: Wer gehen soll, ist oft schon gegangen, durch Wüste, Meer und Dublin-Verordnung, und darf doch nicht ankommen. Erpenbeck, in Ost-Berlin geboren, hat den Stoff nicht als These, sondern als Lehrstück eines Mannes geschrieben, der Latein kann und die Gegenwart erst buchstabieren muss. Der Band stand auf der engeren Auswahlliste des Deutschen Buchpreises.
Inhalt
Richard, Professor der Antike im Ruhestand, lebt in einem Haus am See, die Frau ist tot, die Geliebte auf Distanz, der Tag ohne Amt eine Probe auf das Nichts. Im Fernsehen sieht er die Zelte auf dem Oranienplatz, geht hin, und beginnt, mit den Männern zu sprechen, zuerst wie ein Forscher, der Listen anlegt: Herkunft, Sprache, Route, Lieblingsspeise, der Fall des Bruders, der Tod in der Wüste. Rashid, Apollo, Osarobo, Karon und andere erhalten Namen und Stimmen. Richard holt Wörterbücher, lernt Brocken, sitzt in der Unterkunft, wo die Heizung ausfällt und die Hausordnung den Tag zerteilt. Er merkt, dass seine Fragen nach der klassischen Bildung der Flucht oft vorbeigehen und dass die Männer ihn brauchen, nicht als Interpreten des Aischylos, sondern als Zeugen bei der Ausländerbehörde.
Die deutsche Verwaltung erscheint als Maschine, die Zeit frisst: Residenzpflicht, Arbeitsverbot, Anhörung, Dublin, Abschiebung in einen Staat, der schon einmal nicht gehalten hat. Richard hilft mit Geld, mit einem Klavier, mit Gängen zum Amt, und stößt an die Grenze dessen, was ein einzelner Bürger darf. Zugleich füllt die Begegnung die Leere seines Ruhestands; Erpenbeck lässt diese Zweideutigkeit stehen. Richards eigene Geschichte – Kindheit in der DDR, ein ertrunkener Freund im See, die Gewohnheit, wegzusehen – schiebt sich unter die Berichte aus Niger, Ghana, Libyen, dem Mittelmeer. Der Roman wechselt zwischen seinem Blick und den Lebensläufen, ohne aus den Männern Beispiele zu machen. Sie bleiben Personen, die Schach spielen, trommeln, warten.
Gegen Ende verdichtet sich, was das Gesetz nicht lösen will. Einer wird abgeschoben, einer bleibt, einer verzweifelt. Richard öffnet das Haus am See, nicht als Erlösung, sondern als vorläufige Geste. Der Schluss feiert keine Ankunft. Er zeigt eine Gesellschaft, die konjugieren kann – gehen, ging, gegangen – und doch nicht sagen mag, wer bleiben darf. Erpenbeck gibt Richard keine Bekehrung zum Heiligen. Sie gibt ihm Arbeit, Scham und die Einsicht, dass das Warten der anderen sein eigenes Warten auf den Tod spiegelt, ohne dass die Spiegelung die Ungleichheit aufhebt. Das Buch endet, während die Verfahren weiterlaufen.
Einordnung
Erpenbeck hat den Berliner Gegenwartsroman an den Ort gelegt, den die Feuilletons 2015 als Krise bezeichneten, und hat ihn als Frage der Zeit behandelt, nicht der Stimmung. Die Altphilologie ist kein Schmuck: Wer die Antike als Flucht und Gastrecht kennt, sieht die Behörde nüchterner. Kritiker warfen dem Buch vor, der weiße Professor bleibe die Mitte, die Männer die Lehre; das trifft die Anlage und unterschätzt, wie genau die Anhörungen, die Dublin-Logik und das Sterben in der Wüste erzählt sind. Auf der engeren Auswahlliste des Buchpreises wirkte der Roman als Buch der Stunde, was ihm half und schadete. Die Stunde verging; die Verfahren nicht.
Im Englischen (Go, Went, Gone) fand der Text Leser, die die deutsche Amtswelt als fremdes System lasen. Erpenbeck ist seither mit anderen Büchern weitergegangen; dieser Band bleibt ihre öffentlichste Einmischung. Wer nach 2015 über Literatur und Flucht im Deutschen spricht, kommt an Richards Listen nicht vorbei. Sie sind unbeholfen und notwendig. Das Verb im Titel ist die kleinste Form der Gewalt: Die Sprache hat drei Stufen für eine Bewegung, die das Recht in zwei teilt, erlaubt und unerlaubt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
