Epistemische Ungerechtigkeit

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Miranda Fricker · 2007 · Sachbuch, Philosophie
Das Werk
Deutscher Titel: Epistemische Ungerechtigkeit
Autor(en): Miranda Fricker
Originaltitel: Epistemic Injustice
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2007
Schlagwörter: Glaubwürdigkeit, Zeugnis, Hermeneutik, Tugend
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: C.H. Beck


Umfang dieser Ausgabe: 278 Seiten
ISBN: 9783406798924
Verweise

Epistemische Ungerechtigkeit. Wissen und die Ethik des Wissens – so der Einsatz der deutschen Ausgabe von 2023 – erschien 2007 als Epistemic Injustice. Miranda Fricker verlegt Ungerechtigkeit dorthin, wo man sie oft nicht sucht: ins Wissen. Wem man glaubt und welche Begriffe zur Verfügung stehen, ist selbst eine Frage der Herrschaft.

Inhalt

Fricker unterscheidet zwei Arten. Testimoniale Ungerechtigkeit trifft, wem man weniger glaubt, weil Vorurteile der Gruppe die Glaubwürdigkeit kürzen: die Zeugin, der man den Verstand nicht zutraut; der Angehörige einer Klasse, dessen Wort leichter als Irrtum gilt. Hermeneutische Ungerechtigkeit trifft, wem die kollektiven Begriffe fehlen, das eigene Leid zu fassen: Erfahrungen, für die die öffentliche Sprache noch keinen Namen hat, bleiben stumm oder werden falsch verbucht. Beides sind keine bloßen Höflichkeitsfehler; sie beschädigen Menschen als Wissende. Dagegen setzt Fricker Tugenden des Zuhörens und der begrifflichen Aufmerksamkeit – Fähigkeiten, keine Stimmungen.

Das Buch ist analytische Philosophie mit literarischen und alltäglichen Fällen, zugänglich und schulbildend. Wer Fricker nur als Vokabelspenderin für Seminare liest, unterschlägt die Tugendlehre: Ungerechtigkeit im Wissen verlangt Übung, nicht nur Anklage. Wer nur die Tugend kennt, unterschlägt, dass Glaubwürdigkeit verteilt wird wie eine Ressource. Die Kritik nannte das zu individualistisch, zu wenig institutionell, zu nah an der Tugendethik für Strukturen, die kein wohlwollendes Ohr ändert. Fricker hat später nachgelegt; der Band von 2007 bleibt das Organon.

Die deutsche Übersetzung kam spät, als der englische Titel in der Geschlechterforschung und der Rechtsphilosophie schon kanonisch war. Die Gefahr des Imports ist die Formel: Jede Kränkung wird epistemisch, jedes Missverständnis Herrschaft. Fricker ist enger: Es geht um Wissen, nicht um jedes Gefühl, nicht gehört zu werden. Wer das Buch als Lizenz nimmt, Widerspruch als Ungerechtigkeit zu führen, hat die Unterscheidung verfehlt.

Einordnung

Ohne dieses Buch bleibt Erkenntnistheorie eine Lehre ohne Macht, und Sozialkritik eine Lehre ohne Wissen. Fricker hat beide Disziplinen aneinandergezwungen. Wer nach 2007 von Unsichtbarkeit spricht, ohne zu fragen, wessen Wort zählt und welche Begriffe fehlen, spricht hinter diesem Band.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.