Einbahnstraße

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Einbahnstraße
Autor(en): Walter Benjamin
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1928
Seitenanzahl: 128 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518010271
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518010273
Schlagwörter: Denkbild, Großstadt, Aphorismus, Montage
Sachgebiete: Sachbuch, Essay
Rezensionen
Umschlag

Einbahnstraße ist die 1928 bei Rowohlt in Berlin erschienene philosophisch-literarische Schrift von Walter Benjamin. Sie ist das einzige literarische Buch, das er zu Lebzeiten veröffentlichte; Dissertation und abgelehnte Habilitation waren gelehrte Arbeiten, Deutsche Menschen eine kommentierte Briefsammlung. Die Erstausgabe war eine Broschüre mit einem Umschlag von Sasha Stone, einer Fotomontage aus Großstadtelementen, im Stil von Bauhaus und Konstruktivismus. Gewidmet ist sie der Geliebten Asja Lācis. Auf rund achtzig Druckseiten der ersten Ausgabe stehen über hundert Miniaturen, die Benjamin später Denkbilder nannte: keine Abhandlung, sondern eine Straße aus Schildern, Läden und Schocks.

Inhalt

Das Buch stellt sich gegen das Traktat, dessen ornamentale Dichtigkeit den Unterschied von Thema und Exkurs tilgt, und gegen die systematische Philosophie, die ihre Fassade glatt hält. Die Zwischenüberschriften sprechen die Sprache der Plakate und der Warenwelt: Tankstelle, Frühstücksstube, Normaluhr, Tiefbauarbeiten, Coiffeur für penible Damen, Briefmarkenhandlung, Ankleben verboten. Was darunter steht, sind Traumprotokolle, Kindheitserinnerungen, Sentenzen, Reisenotizen, Porträts und Thesen zur Technik des Schriftstellers und des Kritikers. Die Abfolge gehorcht keiner erkennbaren Ordnung; Kindlers Lexikon hat die Verwandtschaft mit dem Traktat und mit surrealistischen Montageverfahren bemerkt. Ernst Bloch las darin eine Revueform der Philosophie, die brütende Mythen mit dem exaktesten Alltag verkoppelt. Zitate französischer Autoren – Charles Baudelaire, Marcel Proust, Stéphane Mallarmé – stehen manchen Stücken als Mottos voran.

Die Themen sind bürgerlich und unbürgerlich zugleich: das Verhältnis von Mann und Frau, die Inflation der zwanziger Jahre, Kindheit, die kapitalistische Gesellschaftsordnung, die Rolle des Schriftstellers. Gaben müssen den Beschenkten so tief betreffen, dass er erschrickt; Zitate in der Arbeit sind wie Räuber am Weg, die dem Müßiggänger die Überzeugung abnehmen. Ein Abschnitt vergleicht Bücher mit Dirnen, ins Bett zu nehmen; die Pointe ist kalt und genau, nicht lüstern. Benjamin schreibt die Großstadt nicht als Landschaft, sondern als Schrift: Schilder, Preise, Verbote, die das Denken in Stücke schlagen, die sich nicht wieder zum System fügen. Die Widmung an Lācis und die Erinnerungen an Berlin halten das Private im Öffentlichen fest, ohne es zur Beichte zu machen. Der Leser geht die Straße in einer Richtung; umkehren ist nicht vorgesehen.

Das Buch bleibt unsicher in der Gattung, und das ist seine Behauptung. Aphoristik, Allegorie, Tagebuch, Flugblatt: keine dieser Schubladen schließt. Bis in die dreißiger Jahre stellte Benjamin eine Nachtragsliste von dreiundvierzig Texten zusammen, die in der kritischen Gesamtausgabe steht. Die Einbahnstraße ist damit nicht abgeschlossen, sondern ein Verfahren, das weiterläuft, während das Passagen-Werk die größere, nie vollendete Arbeit an Paris als Hauptstadt des neunzehnten Jahrhunderts wird. Was hier schon da ist, ist die Passage als Form: der überraschende Durchblick auf Vertrautes, der nicht erklärt, sondern trifft. Der Ton ist knapp, witzig, oft herb, und dann von einer Genauigkeit, die den Satz zum Gegenstand macht.

Einordnung

Bei Erscheinen war das Echo schwach; die Form erwies sich als folgenreich. Theodor W. Adornos Minima Moralia und Blochs Spuren haben die Miniatur als philosophische Gattung weitergeführt; Adorno nannte die Technik der Einbahnstraße der des Spielers verwandt, schockierend, weil sie den Leser auf das stößt, was er leugnet. Neben der Dialektik der Aufklärung, die den Mythos in der Aufklärung aufsucht, steht Benjamins Broschüre als das privatere, großstädtischere Protokoll derselben Moderne: Waren, Schilder, Schock. Die germanistische Benjamin-Renaissance nach 1968 hat das Büchlein zum Klassiker gemacht, oft auf Kosten seiner Kälte.

Wer es als Aphorismensammlung zur Lebenshilfe liest, verfehlt die Montage und die Politik der Form. Wer es nur als Vorstudie zum Passagen-Werk liest, verfehlt, dass hier ein abgeschlossenes Buch vorliegt, das einzige literarische, das Benjamin durch die Druckerei brachte. Die Nachtragsliste der dreißiger Jahre zeigt, dass das Verfahren weiterlief, während Paris die größere Baustelle wurde. Es bleibt ein schmales Hauptwerk: nicht das System, das die Universität verlangte, sondern die Straße, auf der das Denken ausliegt wie Ware – und den Müßiggänger überfällt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.